Nachricht von einer Entführung

Erschienen: Januar 1996

Bibliographische Angaben

  • Köln: Kiepenheuer und Witsch, 1996, Seiten: 447, Übersetzt: Damgmar Ploetz
  • Köln: Kiepenheuer und Witsch, 1998, Seiten: 447, Übersetzt: Dagmar Ploetz
  • München : Deutscher Taschenbuch Verlag, 2001, Seiten: 352, Übersetzt: Dagmar Ploetz, Bemerkung: Lizenzausgabe

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»Marina überantwortete sich den Wächtern ohne eine Träne. Sie zogen ihr die Kapuze verkehrt herum auf, damit sie nichts sehen konnte. Der Monje nahm sie an beiden Händen, und rückwärts gehend führte er sie aus dem Haus. Marina folgte ihm mit sicherem Schritt.«

Eine alte Frau, abgemagert bis auf die Knochen, mit mattem weißem Haar. Sechs Kugeln richteten sie hin. Ihre Henker: Kriminelle, die im Auftrag des allmächtigen Paten des Medellín-Kartells handelten. Pablo Escobar ließ 1990 – auf dem Höhepunkt des Machtkampfes mit der Regierung – neun Angehörige einflußreicher Familien und Journalisten kidnappen, um von der kolumbianischen Regie-rung das Auslieferungsverbot für die inhaftierten Drogenbosse an die USA zu erpressen.

In ›Nachricht von einer Entführung‹ hat García Márquez dieses aufsehenerregende Geiseldrama aufgrund von Aussagen der Überlebenden, ihrer Freunde und nächsten Verwandten rekonstruiert. Mit der Stilsicherheit und dem Einfühlungsvermögen des großen Romanciers sowie der scharfen Beobachtungsgabe des Journalisten führt er den Leser an den Schauplatz der Entführung, in die Wohnungen besorgter Freunde und Verwandten und in die Schaltzentralen der Macht. Angst, Verzweiflung, aber auch winzige Hoffnungsschimmer: Gebannt und erschüttert verfolgt man das individuelle Schicksal der Betroffenen und die tragische Situation eines Landes im Fadenkreuz von Gewalt und Gegengewalt.

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Letzte Kommentare:
11.03.2015 17:23:14
Noel "sprachzauber"

Der Krieg zwischen den Drogenkartellen und der Regierung hat in Kolumbien ein erschütterndes Ausmaß erreicht. Aufgrund eines Dekrets der amtierenden Regierung, welches die Auslieferung inhaftierter Drogenbosse an die USA vorsieht, läßt Pablo Escobar, seines Zeichens Pate des Medellin-Kartells, 1990 neun Geißeln einflußreicher Familien des Landes kidnappen, um der Abschiebung zu entgehen.
Marquez rekonstruiert in diesem Roman anhand der Aussagen Überlebender den Verlauf dieses Dramas bis zu seinem bitteren Ende. Er gewährt dem Leser auch Einsicht in ein Land, welches, obgleich seiner Schönheit, von Korruption zerfressen ist und in dem die Menschen wenn sie überleben wollen, gerade wegen dieses Systems und der dadurch entstandenen Armut, gar keine andere Wahl haben, als Handlanger einer dieser Kartelle zu werden.
Auch wenn dieses Werk eine Orgie der Gewalt ist, zeigt es nur auf, wie die Realität in einem zwiespältigen Land wirklich aussieht. Zudem wird drastisch sichtbar wie schwer es ist, einer zur jeder Tat bereiten kriminellen Organisation beizukommen.
Ein Buch über einen Vorfall in einem Land in dem der Schnee erzeugt wird, oder, die blutrünstige Neuauflage der Frau Holle.