Der amerikanische Investor

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Berlin: Berlin-Verlag, 2011, Seiten: 156, Originalsprache

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Wolfgang Franßen
Auf gesenktem Boden

Buch-Rezension von Wolfgang Franßen Okt 2011

Viele Menschen wohnen gerne zur Miete. Sie wollen sich mit Eigentum nicht belasten und sind bei den Vermietern gut aufgehoben, die sich um ihr Haus kümmern. Noch besser, wenn Mieter billig wohnen, viel Platz haben und ihre Kinder in einer guten Gegend zur Schule schicken können. Doch wehe, wenn der Eigentümer wechselt, die Sanierung droht, womöglich die Mieten steigen und sich scheinbar niemand mehr um das Mietshaus kümmert.

In Jan Peter Bremers mit dem Alfred-Döblin-Preis 2011 ausgezeichneten Roman Der amerikanische Investor trifft es ausgerechnet einen Schriftsteller und seine Familie. Mitten im Sommer muss er sich nicht nur mit leeren Blättern und mangelhaften Einfällen herumschlagen, er sieht sich auch der Herausforderung ausgesetzt, über einer Wohnung zu wohnen, deren Fenster und Türen ausgewechselt werden sollen, bei der sich die Handwerker jedoch plötzlich weigern, sie zu betreten, weil die Deckenkonstruktion so brüchig ist, dass sie ihnen auf den Kopf zu fallen droht. Was den Handwerkern die Decke ist, ist dem Schriftsteller der Fußboden.

Er verliert ihn gleichermaßen. Muss er nicht damit rechnen, dass seine Familie und er durchbrechen werden? Vielleicht gar zu Tode kommen? Es gibt kaum etwas Beunruhigenderes für einen Autor, als wenn er aus seinem Rhythmus rutscht, sich plötzlich Gedanken über Dinge machen muss, die ihn nichts angehen. Der neue Besitzer ist schließlich für das Haus zuständig. Er muss den Bestand so bewahren, dass es gerechtfertig erscheint, dafür Miete zu zahlen.

Doch schon bei der Mieterberatung geschieht Ungeheuerliches. Der erste Rechtsanwalt will eine hohe Abfindung herausschlagen und die Miete um sagenhafte 60 % kürzen, während der zweite zur Vorsicht rät und das düstere Gemälde heraufbeschwört, dass die Wohnung als baufällig eingestuft werden könnte, die Familie ins Hotel umziehen müsste, um sich womöglich auf einen jahrelangen Rechtsstreit mit dem amerikanischen Investor einzulassen. Was tun?

Bremer versteht es, das menschliche Desaster als etwas zu beschreiben, bei dem man tiefer und tiefer in die eigene Gedankenwelt abgleitet. Auf der Suche nach Lösungsmöglichkeiten, zum Beispiel einen Brief an dem Investor oder dem Umzug in die Wohnung einer Hundertjährigen im Vorderhaus, verwickelt sich der Schriftsteller immer tiefer in das Abwägen von Möglichkeiten, rutscht in den Alkohol und die körperliche, wie äußerliche Nachlässigkeit. Das verleiht dem Roman den Esprit eines alltäglichen Kampfes gegen die eigenen Windmühlen. So haftet Jan Peter Bremers Alltagshelden etwas Don Quichotehaftes an, was zu Ehekrisen und Vertrauensschwund führt, eine Persönlichkeitskrise auf einen dankbaren Boden fällt, die hausgemacht erscheint. Der Autor erzählt von einem Leben, das nur scheinbar unverschuldet aus der Bahn geworfen wird.

Es ist unabwendbar, dass dieser Mann, dieser Schriftsteller, der es bedauert, sich auf getrennte Schlafzimmer eingelassen zu haben, geradezu dazu auserkoren ist, im Chaos einen Sinn zu suchen? Wie bei Tschechow wirkt bei Bremer die Tragik komisch. Wir als Leser erwischen uns dabei, dass an vielen Stellen wir selbst uns fragen, was wir getan hätten. Und beruhigen, das hätten wir nicht mitgemacht, wir hätten alles anders angefangen.

Die Geschichte folgt jenen Momenten, die wir alle nur zu gut kennen. Wir legen uns ins Bett und unsere Gedanken hören nicht auf zu rotieren. Wir sitzen im Bus und wälzen dieses Problem, das wir einfach nicht lösen können. Wir fangen an, mit uns selber zu sprechen, weil uns ja keiner mehr zu hören will, weil wir es zu oft erwähnt haben. So finden wir die Tür nicht, die wir nur hinter uns zuschlagen müssen, damit wieder Ruhe in unser Leben einkehrt. 

Ein schmaler Roman, kurzweilig und nicht zu unterschätzen. Wir wohnen irgendwie alle nur zur Miete. Auch wenn unser Haus schon abbezahlt ist.

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