Die wundersame Welt des Louis Wain

Film-Kritik von Carola Krauße-Reim / Titel-Motiv: © Studiocanal

Katzen und Elektrizität

London 1880: Nach dem Tod des Vaters versucht Louis Wain seine Mutter und die fünf jüngeren Schwestern durchzubringen. Doch mit den Illustrationen für ein Londoner Magazin ist nicht viel Geld zu verdienen und überhaupt sieht sich der exzentrische Wain mehr als Erfinder, der fasziniert ist von der neu entdeckten Elektrizität. Der soziale Abstieg der Familie ist nicht mehr aufzuhalten, als Wain ausgerechnet die Gouvernante seiner kleinen Schwester heiratet. Doch Emily ist seine große Liebe und als sie schwer erkrankt, beginnt er Katzenbilder für sie zu zeichnen. Er vermenschlicht die im viktorianischen England bisher nur als nützliche Mäusefänger angesehenen Nutztiere, lässt sie Tee trinken, Golf spielen und überhaupt alles machen, was sonst nur den Zweibeinern vorbehalten ist – und er hat Erfolg damit! Doch den weiß er finanziell nicht zu nutzen und bald hat ihn die Schizophrenie so fest im Griff, dass eine Einweisung in eine psychiatrische Anstalt nicht mehr verhindert werden kann.

„Nach einer wahren Begebenheit“

Wenn Filme mit diesem Hinweis beginnen, dreht es sich oft um recht bekannte Vorkommnisse. Doch in diesem Fall könnte man eher versucht sein, den Namen Louis Wain erst einmal zu recherchieren. Während der Zeichner im viktorianischen England so berühmt war, dass er sogar eine Einladung in die Vereinigten Staaten erhielt, sind zwar in unserer Zeit seine großäugigen Katzen immer noch hier und da zu finden, der Name ihres Schöpfers allerdings ist schon lange in Vergessenheit geraten.

Das tragische und traurige Schicksal dieses Exzentrikers, der mit maximal einem Bein in der Realität stand, rührt an. Die Fähigkeit, mit beiden Händen gleichzeitig in einer unglaublichen Geschwindigkeit Zeichnungen anzufertigen, bringt dem jungen Mann kein Glück und schon gar kein Geld. Der frühe Tod seiner Frau und die darauf folgende schwere Schizophrenie entziehen ihm jeden Bezug zur Realität. Aus seinen vermenschlichten Katzen werden psychodelische Kunstwerke in schillernden Farben. Regisseur Will Sharpe rast im Schnelldurchlauf durch dieses Leben, stellt manche Szene wie ein kitschiges Bild dar und lässt die Schauspieler oft so hölzern oder völlig überzogen agieren, dass sie einem schon fast leidtun können.

Benedict Cumberbatch und Claire Foy

Neben einigen anderen bekannten Namen, sind es aber vor allem Benedict Cumberbatch und Claire Foy die auffallen. Cumberbatch wagt sich nach Alan Turing in „The Imitation Game - ein streng geheimes Leben“ einmal mehr an einen Charakter, der sich mit der Realität schwer tut und durch das soziale Raster fällt. Durch sein Können rettet er den Film und die Figur des Louis Wain vor dem völligen Absturz in die scheinbaren Untiefen der Regieanweisungen.

Cumberbatch zeigt den Gebeutelten mit gekonnt eingesetzter Mimik und Gestik als in der Realität verlorene Person. Dennoch kann er manchmal nicht verhindern, dass sein Charakter fast schon lachhaft erscheint, wenn Will Sharpe ihn sich völlig übertrieben und wenig realistisch bewegen lässt oder die Situationen sich ins Lächerliche verabschieden.

Doch die emotionale Ausnahmesituation nach Emilys Tod wird von Cumberbatch gekonnt dargestellt und der psychische Absturz danach als Flucht vor der Realität anrührend in Szene gesetzt. Claire Foy wurde vor allem durch ihre Rolle als die junge Queen Elizabeth II in „The Crown“ bekannt. Als Emily gibt sie die starke Frau an Louis Seite, die ihm das Fundament für sein Leben gibt, ihn ermuntert eine Katze als Haustier zu halten und zeichnerisch ungewöhnliche Wege zu gehen. Leider bleibt ihr Charakter hier hängen, denn weder ihre Vergangenheit, noch ihre anfänglich spürbare Skurrilität und Unsicherheit werden beibehalten.

Dass ihre Figur deshalb kaum Tiefe besitzt liegt daher nicht an der Schauspielkunst von Claire Foy, sondern wohl abermals an der wenig beeindruckenden Leistung von Regisseur und Drehbuchautor Will Sharpe.

Fazit

Die Biografie des tragischen Lebens von Louis Wain wurde von Regisseur und Dehbuchautor Will Sharpe nur bedingt überzeugend umgesetzt. Allerdings retten Benedict Cumberbatch und Clair Foy den Film mit ihrem Können und machen ihn doch noch zu einem anschaulichen Werk über den Erfinder und Zeichner der menschlichen Katzen mit den großen Augen.

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Fotos: © Studiocanal

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