Die Durrells -
Ein Familien-Abenteuer auf Korfu

Film-Kritik von Carola Krauße-Reim / Titel-Motiv: © Polyband

Humorvolle Unterhaltung für die ganze Familie

Jetzt ist die vierte Staffel der Familienkomödie Die Darrells erschienen und es scheint, als müsste die Fangemeinde nun Abschied nehmen von dieser etwas verschrobenen und unkonventionellen Familie. Seit Sommer 2020 - und in Großbritannien schon ein paar Jahre länger - können wir am Leben von Luisa, Gerry & Co. teilhaben, und jedes Mal war nach Ende einer Staffel die Vorfreude auf neue Geschichten von ihnen gewiss.

Die Durrells 1935 bis 1939

Louisa Durrell ist eine noch junge Witwe, sie muss ihre vier Kinder Larry, Leslie, Margo und Gerry alleine durchbringen. Das Geld ist knapp, die Familie (selbst für englische Verhältnisse) etwas exzentrisch und der Gingenuss von Mutter Louisa nimmt bedenkliche Ausmaße an. Damit das Leben wieder leichter wird, beschließen sie von Bournemouth nach Korfu zu ziehen. Doch auch hier haben sie es anfangs nicht leicht, denn die Griechen sind ein stolzes Volk und können mindestens so kurios sein wie die Durrells – hier prallen zwei Welten sehr unterhaltsam aufeinander!

Dabei fehlt es den Durrells immer noch an den finanziellen Mitteln, um einigermaßen sorglos über die Runden zu kommen. Doch hier beweisen alle eine enorme Kreativität, die nicht immer von Erfolg gekrönt ist, aber stets zumindest mit neuen Erfahrungen einhergeht. Dass auch amouröse Schwierigkeiten zu überwinden sind, ist bei bei vier mehr oder weniger erwachsenen Kindern und einer einsamen Witwe klar. Unterstützung erhalten sie von Spiro, dem patenten Inhaber des einzigen Taxis auf Korfu, und Lugaretzia, der zwar immer etwas hypochondrisch schmerzt, die aber dennoch tapfer weiter im Haushalt hilft. Als dann Louisa und Larry nach langer Zeit und wegen tragischer Umstände wieder nach England reisen, wird klar: So sehr sie den Trubel in London genießen, sie wollen zurück nach Korfu, wo sie jetzt zuhause sind. Doch der zweite Weltkrieg streckt seine Krakenarme auch nach der kleinen griechischen Insel aus, und der Friede auf Korfu ist bedroht ...

Diese Familie gab es wirklich!

Wer die Durrells kennenlernt, kann es kaum glauben, dass es diese Familie wirklich gab. Doch die Serie basiert auf den Memoiren des jüngsten Sprosses, Gerry. Mit Meine Familie und andere Tiere hat der Zoologe seiner Mutter und seinen Geschwistern ein Denkmal gesetzt. Drehbuchautor Simon Nye hat zwar einige Anpassungen vorgenommen, doch der Kern der Geschichte dürfte immer noch authentisch sein, zumal Gerrys Witwe, Lee Durrell, als Beraterin am Set tätig war. Herausgekommen ist eine Dramedy-Serie, die bei den Zuschauern Begeisterungen ausgelöst hat und mit zahlreichen Nominierungen und Auszeichnungen gekrönt wurde.

Gewöhnungsbedürftig, mit hohem Suchtpotential …

So könnte man den Werdegang eines Zuschauers von Staffel 1 bis Staffel 4 bezeichnen: Anfangs ist die Art der Darstellung etwas speziell. Die teilweise sehr pointierten, manchmal überzogen slapstickhaften Szenen sind zwar typisch englischer Humor, aber eben ... gewöhnungsbedürftig! Die erste Staffel ist damit besonders geplagt. Allerdings müssen hier aber auch die Charaktere vorgestellt werden, die nun mal wirklich nicht durchschnittlich sind.

Wenn man sich aber spätestens ab Staffel 2 auf die oft übertriebene und teilweise auch immer gleiche Mimik und die allgegenwärtige Exzentrik eingestellt hat, wächst einem die Familie ans Herz und man möchte dann doch wissen, wie es weitergeht mit dem tierlieben Gerry und seiner wachsenden Anzahl an vierbeinigen Freunden; dem sehr anrüchige Romane schreibenden Larry; dem freudvoll rumballernden Leslie; der einfach gestrickten Margo; und natürlich Louisa, die alles zusammenhält. Vordergründig wird hier eine Geschichte erzählt, die sehr humorvoll ist, die aber unter der Oberfläche der leichten Unterhaltung durchaus ernste Themen bereithält: Zusammenhalt, Freundschaft und vor allem Respekt für Mensch und Tier werden warmherzig und mit viel Charme zu einem Rundumpaket aus entspannendem Sehvergnügen und manchmal tragischer Familiengeschichte geschnürt.

Schauspieler zeigen unverwechselbare Charaktere

Die Regisseure Roger Goldby (Call the Midwife - Ruf des Lebens, Hustle - Unehrlichkeit währt am längsten), Niall MacCormich (The Sister, Kommissar Wallander), Steve Barron (Merlin, Die Coneheads) und Ed Hall (Strike Back) lassen Familie Durrell zwar etwas überzogen und manchmal auch etwas nervig agieren, schaffen dadurch aber unverwechselbare Charaktere. Mutter Louisa wird warmherzig, ein wenig weltfremd, aber immer zupackend von Keely Hawes (The  Missing, Ashes to Ashes - Zurück in die 80er) gespielt. Sie ist der Mittelpunkt der Familie, auch wenn sich im Laufe der Zeit ihre Kinder immer mehr selbstständig machen. Ihr nimmt man die manchmal verzweifelte Mutter und einsame Witwe ab, die ihr bestes gibt um alle - emotional wie finanziell - über die Runden zu bringen.

Larry ist mit anfangs 22 Jahren der älteste der Geschwister. Im wirklichen Leben erhielt Lawrence Durrell eine Nominierung für den Literaturnobelpreis, im Film steht er noch am Beginn seiner Karriere. Josh O‘Connor (The Crown) schafft es, den Möchtegern-Bohemian zu geben, der dem Sex sehr zugeneigt ist, ihn ebenso praktisch wie literarisch auslebt, und dabei auch noch der Fels in der Brandung für seine Mutter ist. Neben dem Jüngsten, Garry, ist er der mit dem meisten Grips unter den Geschwistern, denn Leslie und Margo sind wahrlich keine Überflieger. Leslie, der Zweitälteste, liebt seine Gewehre über alles und ballert mit ihnen so manches Kaninchen um. Doch Callum Waterstone zeigt glaubhaft die Entwicklung des jungen Mannes vom schießwütigen Dummbeutel hin zum halbwegs verantwortungsvollen Erwachsenen. Auch seine Schwester Margo ist nicht die hellste Kerze auf der Torte, was Daisy Waterstone herrlich vermittelt. Aber auch sie bemüht sich redlich, die Familie zu unterstützen, und bringt so manchen Klops, wenn sie dabei ihre unbedarfte Dusseligkeit unter Beweis stellt. Garry ist anfangs noch ein Kind, das nur Tiere im Kopf hat. Am Ende der 4. Staffel ist er 14 und hat immer noch Tiere im Kopf, zu denen sich aber auch Galini, ein griechisches Mädchen, gesellt hat. Milo Parker (Insel der besonderen Kinder, Mr. Holmes) wuchs während den Jahren der Drehzeit tatsächlich vom Jungen zu einem Teenie heran; diese Entwicklung nahm man ihm also durchaus ab. Die überzogene Tierliebe, die ausufernde Ausmaße annehmen musste, hat dieser junge und sehr gute Schauspieler daneben allerdings ebenso anschaulich dargestellt wie seine emotionale Achterbahnfahrt, als er sich das erste Mal verliebt. Neben den Hauptdarstellern gibt es zahllose Nebencharaktere, die das Ensemble komplettieren. Sie sind alle genauso herrlich skurril und ungewöhnlich wie Familie Durrell und runden die Geschichte vortrefflich gespielt ab.

Fazit

Die Durrells ist sehr humorvolle und charmante Familienunterhaltung. Die Serie lebt von der tragisch-komischen Geschichte genauso, wie von den Leistungen der Schauspieler. Wenn man einmal begonnen hat, ist man den Durrells verfallen und wirklich traurig, wenn man Abschied nehmen muss von diesen schrägen Vögeln.

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Fotos: © Polyband

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