Frau Duan feiert ein Fest von Yan Ge

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2018 unter dem Titel The Chili Bean Paste Clan, deutsche Ausgabe erstmals 2018 bei Heyne.

Bibliographische Angaben

  • London: Balestier Press, 2018 unter dem Titel The Chili Bean Paste Clan.278 Seiten.
  • München: Heyne, 2018.Übersetzt von Karin Betz.ISBN: 978-3-453-42255-1.352 Seiten.

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Das meint Belletristik-Couch.de:75

Rezension von Monika Wenger

In der chinesischen Kleinstadt Pingle laufen die Vorbereitungen für das Fest zum achtzigsten Geburtstag von Frau Duan. Sie ist die Persönlichkeit in der Stadt und ihre Zunge ist scharf wie der Sichuan-Pfeffer, welcher in ihrer Bohnenpastenfabrik verarbeitet wird. Als Oberhaupt der Familie hat sie das Sagen und niemand wagt, sich gegen sie zu stellen. Während den Vorbereitungen zum Fest treffen auch die längst erwachsenen Kinder von Frau Duan ein. Unweigerlich kommt es zu Meinungsverschiedenheiten. Es werden alte Wunden aufgerissen und neue Erkenntnisse gewonnen. Der Roman von Yan Ge lässt den Leser tief in die chinesische Gesellschaft eintauchen.

Shengqiang ist der jüngste Sohn der Familie. Bereits mit siebzehn Jahren, auf Anweisung seiner Mutter, der Matriarchin, wird er mit den Arbeiten in der Bohnenpastenfabrik vertraut gemacht. Von Grund auf soll er alles lernen, denn er wird als Direktor den Betrieb später führen. Immer unter den wachsamen Augen der allgegenwärtigen Mutter. Auch später in seinem Leben ist die Mutter omnipräsent. Doch Shengqiang geniesst das Leben auf seine Weise und versucht den Erwartungen seiner Mutter gerecht zu werden. Der auf ihm lastende Druck baut er mit exzessiven Trink- und Essgelagen sowie jeder Menge Sex ab.

Für die Feier des achtzigsten Geburtstags der Mutter, treffen der ältere Bruder Zhiming und die Schwester Lishan in Pingle ein. Zhiming hat ein körperliches Handicap – die eine Hand ist verkümmert. Deshalb hat die Mutter ihn in jungen Jahren zu einem Studium gedrängt und ihn nicht als Nachfolger der Bohnenpastenfabrik eingesetzt. Heute ist er ein angesehener Lehrer mit Professur. Er hat Pingle die letzten zwei Jahre nicht besucht.

Über die Lebensweise seines Bruders weiss Shengqiang im Grunde wenig. Er fühlt sich in der Gegenwart von Zhiming stets ins zweite Glied versetzt.

Das Verhältnis zu seiner älteren Schwester Lishan ist liebevoll. Sie ist eine berühmte Fernsehmoderatorin und wird von ihrem jüngeren Bruder beschützt und bewundert. Dem Ehemann der Schwester hat Shengqiang vor längerer Zeit einen Gefallen getan. Dies hat das Verhältnis zwischen den Beiden eher verschlechtert.

Als nun die Geschwister sich zu den Vorbereitungen zum Fest treffen, stellt Shengqiang fest, dass er im Grunde genommen Bruder und Schwester gar nicht richtig kennt. Er hat sich wohl seine Gedanken gemacht, aber er ist nie den Dingen auf den Grund gegangen. Nach und nach erfährt er so Einiges und muss wohl oder übel das Bild von den Geschwistern korrigieren. Ob sich alles bis zum grossen Fest wieder einrenkt? Man darf gespannt sein.

Die Geschichte «Frau Duan feiert ein Fest» wird aus Sicht der Tochter von Shengqiang erzählt. Sie lebt in einer Heilanstalt. Es werden jedoch praktisch keine Informationen zu ihrer Person verraten. Die Ich-Erzählerin lässt den Leser eintauchen in das chinesische Alltagsleben und seine Gepflogenheiten. Die Beschreibungen der Essgewohnheiten sind faszinierend. Die vielen kleinen präzisen Details der Mahlzeiten, welche die chinesische Küche ausmachen und für den europäischen Gaumen doch arg fremd sind, lassen den Leser hin und wieder das Gesicht verziehen, ja sogar schaudern. Ein Genuss zum Lesen, jedoch nicht vorstellbar, diese Speisen selber zu verzehren.

In diesem Roman gehen die Protagonisten nicht gerade zimperlich miteinander um. Jeder bekommt seinen Anteil ab. Die Sprache ist teilweise sehr vulgär und ordinär. Dies ist nicht unbedingt für sanfte Gemüter geeignet. Die Charaktere sind einzigartig und der Leser kann sich ein detailgetreues Bild vom Leben in einer chinesischen Kleinstadt machen. Die Sitten und Gebräuche sind für uns Europäer ungewohnt und deshalb schwierig zu verstehen. Aber diese Andersartigkeit macht die Geschichte interessant und unterhaltsam. Dennoch ist es keine leichte Lektüre.

Yan Ge wurde 1984 in Sichuan in der Volksrepublik China geboren. Seit 2015 lebt sie mit ihrem Ehemann in Dublin, Irland.

Monika Wenger, Dezember 2018

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