Wolfgang Koeppen

Wolfgang Koeppen wurde am 23. Juni 1906 in Greifswald als uneheliches Kind geboren und wuchs ebendort und in Ostpreußen auf. Aus finanziellen Gründen musste er vom Gymnasium auf die Mittelschule wechseln, von der er jedoch ohne Abschluss abging.

Danach versuchte er sich in ganz unterschiedlichen Berufen, u.a. in einer Buchhandlung, im Stadttheater in Greifswald, als Hilfskoch auf einem Schiff, als Regieassistent und Dramaturg und mit Gelegenheitsarbeiten. 1931 bot ihm der Kritiker Herbert Ihering eine Redakteurstelle beim Berliner Börsen-Courier. Nun entstanden neben Reportagen, Feuilletons sowie Theater-, Film- und Literaturkritiken erste literarische Arbeiten. Mit Eine unglückliche Liebe erschien 1934 der erste, allerdings wenig beachtete Roman. Zu dieser Zeit lebte er bereits in den Niederlanden. 1938 kehrte Koeppen nach Deutschland zurück und arbeitete als Drehbuchautor für die UFA und die Bavaria-Filmgesellschaft in Feldafing am Starnberger See. Während dieser Zeit lernte er die Tänzerin Marion Ulrich kennen, die er 1948 heiratete (gestorben 1984). 1943 tauchte er unter, um einer Einberufung zur Wehrmacht zu entgehen.

Nach dem Krieg siedelte er nach München über. 1948 erschien anonym das Buch Jakob Littners Aufzeichnungen aus einem Erdloch, zu dessen Neupublikation unter seinem Namen er erst 1992 zustimmte . Durch den Kontakt mit dem Verleger Henry Goverts kam es um 1949 zu einem Aufschwung seiner literarischen Produktivität. Innerhalb weniger Jahre verfasste Wolfgang Koeppen seine wichtigsten Romane Tauben im Gras (1951), Das Treibhaus (1953) und Der Tod in Rom (1954). Obwohl das Echo zuerst ablehnend bis reserviert ausfiel, gilt die sogenannte »Trilogie des Scheiterns« heute als die atmosphärisch genaueste Beschreibung des Klimas der Adenauer-Republik.

Mit seinen Reisebeschreibungen, die er ab Mitte der 50er-Jahre im Auftrag des Rundfunks schrieb, verschaffte Koeppen der Reiseliteratur in Deutschland hohes Ansehen. In den 60er-Jahren wurde es ruhig um Koeppen. Nur noch wenige Werke erschienen, darunter eine Sammlung von Kurzprosa (1972) und das autobiographische Erzählfragment Jugend (1976).

Wolfgang Koeppen starb kurz vor Vollendung seines 90. Lebensjahres am 15. März 1996 in einem Münchner Pflegeheim. Sein literarischer Nachlass wird von der Universität Greifswald verwaltet, die Koeppen 1990 die Ehrendoktorwürde verlieh.

Romane und Erzählungen von Wolfgang Koeppen:

  • (1934) Eine unglückliche Liebe
  • (1935) Die Mauer schwankt / Die Pflicht
  • (1948) Jakob Littners Aufzeichnungen aus einem Erdloch
  • (1958) Nach Russland und anderswohin
  • (1959) Amerikafahrt
  • (1961) New York
  • (1961) Reisen nach Frankreich
  • (1972) Romanisches Café
  • (1976) Jugend
  • (1981) Die elenden Skribenten
  • (1987) Morgenrot
  • (1994) Ich bin gern in Venedig warum
  • (1995) Es war einmal in Masuren
  • (1996) Ich ging Eulenspiegels Wege (Autobiographie, hg. von Dagmar Briel)
  • (1997) Proportionen der Melancholie
  • (2000) Auf dem Phantasieross (hg. von Alfred Estermann)
  • (2000) Die Erben von Salamis oder die ernsten Griechen
  • (2001) Die Jawanggesellschaft (Fragment, geschrieben zwischen 1935 und 1938)
  • (2002) Muss man München nicht lieben? (hg. von Alfred Estermann)
  • (2006) Liebesgeschichten (hg. von Hans-Ulrich Treichel)