Menschlich bleiben und Gutes tun.
In Buzzy Jacksons Roman «Wir waren nur Mädchen» wird die Geschichte der niederländischen Widerstandskämpferin Hannie Schaft erzählt. Sie weigerte sich, den Treueeid auf die deutschen Besatzer zu leisten. Deshalb musste sie ihr Jurastudium abbrechen. Zuvor waren bereits Verbote gegen jüdische Personen an der Universität ausgesprochen worden, nun auch gegen nicht kooperative Niederländer.
Konsequent in allen Bereichen
Lange Zeit ist Hannie sich der Gefahr, in der sich ihre beiden jüdischen Freundinnen Philine und Sonja befinden, überhaupt nicht bewusst. Zwar hört sie Gerüchte über Repressionen, diese nimmt sie jedoch nur am Rande wahr. Die jungen Frauen vertreiben sich die Zeit, bis die Besatzer den Druck auf die jüdische Bevölkerung immer weiter erhöhen. Nun realisiert auch Hannie die Gefahr und versteckt ihre Freundinnen bei ihren Eltern in Haarlem.
«Sicher, es wurde viel darüber getuschelt, was mit Zigeunern, Juden oder all denen geschehen würde, die für sie arbeiteten. Aber wir lebten in den Niederlanden, der Heimat von Erasmus von Rotterdam und Spinoza, seit Jahrhunderten herrschte hier Religionsfreiheit.»
Bereits zuvor hatte sie angefangen, ehrenamtlich für das Flüchtlingskomitee zu arbeiten. Hier beginnt Hannies Kampf gegen die Besatzer, erst im Kleinen. Ihre Freundinnen verbringen bei ihren Eltern ereignislose und trostlose Tage, während sie kleinere, aber bedeutungsvolle Aktionen für den niederländischen Widerstand ausführt. Durch die Bekanntschaft mit dem engagierten Untergrundkämpfer Jan lernt sie den Umgang mit Waffen. Dies war der Beginn einer aussergewöhnlichen Zusammenarbeit, die vom Nazi-Regime schon bald gefürchtet wurde.
Eine Würdigung
Buzzy Jacksons Roman ist eine Hommage an die niederländische Widerstandskämpferin Hannie Schaft. In ihrem Werk lässt sie sie als Ich-Erzählerin zu Wort kommen. Dadurch wirkt das Geschehen real und es entsteht eine unerwartete Nähe. Gleichwohl bleibt während der ganzen Geschichte eine nicht genau zu definierende Distanz bestehen. Dies könnte daran liegen, dass Jackson den Wandel von Hannie von der schüchternen Studentin zur gefürchteten Widerstandskämpferin nicht lückenlos darzustellen vermag. Wichtige Zwischenschritte ihrer inneren Entwicklung bleiben verborgen. Beeindruckend an der Person Hannie Schaft sind jedoch ihr Mut, ihre Cleverness und ihre bedingungslose Treue zu ihren Freundinnen.
Besonders eindrücklich zeigt Jackson den Verfall jeglicher moralischer Werte: Je verzweifelter das Nazi-Regime, desto grausamer seine Methoden – eine Erkenntnis, die auch Jahrzehnte später erschüttert.
«Wenn ein Krieg beginnt, haben die meisten Menschen noch ein bisschen Anstand und stimmen stillschweigend darin überein, was tabu ist und was nicht. Aber irgendwann kommt die Verzweiflung. Und schliesslich greifen sie genau das an, was sie sich zu beschützen geschworen haben: Frauen, Kinder, heilige Orte.»
Dieser Roman, der auf historischen Fakten beruht, ist keine leichte Kost. Die Handlung gewinnt erst mit der Zeit an Spannung, doch gegen Ende sind etliche Szenen sehr realistisch und detailliert beschrieben. Was zu Beginn der Erzählung noch leicht und oberflächlich wirkt, entwickelt sich zu einem ausführlich geschilderten Ende, das von absoluter Rohheit dominiert wird. Diese plötzliche Detailgenauigkeit überrascht, so historisch korrekt sie auch sein mag.
Fazit
Jackson würdigt mit diesem Roman eine zu Unrecht wenig bekannte Heldin. Wer sich für den niederländischen Widerstand interessiert, erhält eine packende, wenn auch am Ende eine brutal realistische Darstellung, die zum Nachdenken über Mut und Zivilcourage anregt.



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