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Frankreich, 1914: Ein idyllischer Sommertag, Anthime radelt durch die sonnenbeschienene Vendée. Er hört die Sturmglocken läuten, das Signal für die allgemeine Mobilmachung. Mit der alle gerechnet haben, nur nicht an einem Samstag, dem 1. August. Echenoz erzählt vier Kriegsjahre im Zeitraffer: Fünf Männer ziehen in den Krieg, eine schwangere Frau wartet auf die Rückkehr von zweien von ihnen. Bleibt zu erfahren, ob sie wiederkommen. Und wann. Und in welchem Zustand. Der Erste Weltkrieg ist heute nicht mehr mit traditionellen Mitteln darstellbar – Echenoz als Meister der Romansubversion zeigt, wie es anders gelingt.

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Letzte Kommentare:
04.11.2014 18:15:08
Winfried Stanzick

Vor einhundert Jahren begann im August 1914 der Erste Weltkrieg. Es war der katastrophische Auftakt zu einer Serie von Kriegen und Völkermorden, die das 20. Jahrhundert über Europa und die ganze Welt brachte.

Eine Fülle von zumeist sehr voluminösen Publikationen ist schon erschienen, weitere werden mit Sicherheit folgen. Der Autor Herbert Günther hat in seinem gerade bei Gerstenberg erschienenen Jugendroman „Zeit der grossen Worte“ erfolgreich und ansprechend versucht, mit einem zu Beginn des Krieges 15-jährigen Ich-Erzähler namens Paul das Geschehen einem jungen Publikum nahe zu bringen.

Ganz wenig Platz für seinen Roman zum Ersten Weltkrieg braucht der für diesen Minimalismus bekannte französische Schriftsteller Jean Echenoz. In „14“, ein Titel kurz wie ein Gewehrschuss, erzählt er von fünf jungen Männern, die Anfang August aus der Provinz Vendee begeistert in den Krieg ziehen. Sie glauben ihrem Hauptmann Vayssiere, der ihnen während der Vorbereitung auf den Kampf, der sie in die Ardennen führen wird, erzählt: „Ja, wir werden alle wieder in die Vendee zurückkommen. Eines aber ist wichtig. Wen im Krieg doch ein paar Mann sterben, dann wegen mangelnder Hygiene. Nicht die Kugeln töten, sondern die Unsauberkeit ist fatal, sie heißt es in erster Linie zu bekämpfen. Also, wascht euch, rasiert euch, kämmt euch ordentlich, dann habt ihr nichts zu befürchten.“

Wie in einem Zeitraffer erzählt Echenoz nun auf 124 Seiten in 15 kurzen Kapiteln die Geschichte dieser jungen Männer und die einer schwangeren Frau, die auf die Rückkehr von zweien von ihnen wartet. An keiner einzigen Stelle geht es um den Grund dieses Krieges oder sein Ziel, genauso wenig wie den Soldaten aller Seiten, die in diesen vier schrecklichen Jahren ihr Leben lassen sollten, dies jemals bewusst oder einsichtig war. Es ist ein Geschehen, das sie erdulden, an dem sie sterben und das den Hauptprotagonisten Anthime vor dem Ende des Krieges mit amputiertem rechten Arm vorzeitig nach Hause kommen lässt.

Es sind die genauen Beobachtungen und Beschreibungen von Einzelheiten, die das Buch auszeichnen. Ohne den Zwang, den Krieg zu verurteilen oder zu erklären, beschreibt Echenoz mit melancholischem Unterton die Alltagswelt und die Alltagssorgen der Menschen, in deren Leben die Ereignisse einfach so hineinrutschen. In der Schilderung von Echenoz scheint der schreckliche Krieg auf eine seltsame und fast unheimliche Weise menschlich, weil er vom Leben und der Wahrnehmung einfacher Menschen erzählt, die ihn erleben und erleiden.

Trotz dieser bewussten Reduktion erzählt der kleine Roman das ganze Geschehen und lässt, vom Autor beabsichtigt, einen Leser zurück, den er mit seiner einfachen Darstellung ins Nachdenken gebracht hat darüber, wie Menschen damals in ihr Verderben rannten. Und: ob das jemals wieder so möglich wäre.

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