Raum

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • London: Picador, 2010, Titel: 'Room', Seiten: 321, Originalsprache
  • Hamburg: Osterwold Audio, 2011, Seiten: 5, Übersetzt: Matthias Brandt

Couch-Wertung:

98

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
1 50 100

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

0 x 91-100
1 x 81-90
0 x 71-80
0 x 61-70
0 x 51-60
0 x 41-50
0 x 31-40
0 x 21-30
0 x 11-20
0 x 1-10
B:87
V:0
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":1,"88":0,"89":0,"90":0,"91":0,"92":0,"93":0,"94":0,"95":0,"96":0,"97":0,"98":0,"99":0,"100":0}
Myra Wehbrink
Atemraubend

Buch-Rezension von Myra Wehbrink Sep 2011

Vorweg: Emma Donoghues Roman Raum ist das, was ich ein unglaubliches Leseerlebnis nenne. Obwohl Leseerlebnis fast schon zu kurz gegriffen ist. Audrey Niffenegger formuliert es präzise im Klappentext: "Wenn du Raum gelesen hast, mag die Welt noch sein, wie sie ist. Aber du selbst hast dich verändert."

Jacks Welt

Jack ist fünf. Davor war er vier, drei, zwei, eins und dann ist er in Mas Bäuchlein passiert. Durchs Oberlicht ist er vom Himmel gefallen. Seit diesem Zeitpunkt ist Raum seine ganze Welt. Er ist dort geboren. Seine Freunde sind Licht, Teppich, Pflanze und Schrank und die Leute im Fernsehen. Jack fehlt es an nichts. Er spielt, bastelt, liest, macht Sport. Es wird gemeinsam gegessen und gekuschelt. Doch irgendetwas lässt das Bild verzerrt wirken, wie nicht ordentlich belichtet. Als käme hinter dem Foto, das Papier zum Vorschein.

Die Sprache eines Fünfjährigen

Jack schildert seine Umgebung mit der Phantasie und Naivität eines Kindes. In einer Sprache, der ich so in einem Roman bis jetzt noch nicht begegnet bin Sie ist der Grund dafür, dass wir uns anfangs sicher fühlen und nur selten hinter die Wände von Raum schauen. Irgendwann wird klar, Jack lebt mit seiner Ma nicht freiwillig dort. Doch die schrecklichen Hintergründe lassen sich nur erahnen. Wird die Befürchtung zur Gewissheit, hofft man für Jack, dass er weiter an dem Glauben festhält, Old Nick sorgt für seine Ma und ihn. Sowie das geschlossenene Türen eben geschlossene Türen sind.

Entlügen

An dem Punkt. an dem Jack die Wahrheit erfährt - und wir gleich mit - setzt eine Spannung ein, die es unmöglich macht, Raum aus der Hand zu legen. Die Auflösung benötigt jedoch nicht mehr die restlichen Seiten des Buches und was dann folgt, macht es zu einem Ausnahmeroman.

Wie geht es weiter?

Angereichert mit medizinischen, psychologischen und auf die Figuren zugeschnittenen Schilderungen, die dem Leser Perspektiven eröffnen, die ihm am Anfang des Buches nicht in den Sinn gekommen wären, bekommt der Roman eine weitere Ebene. Donoghue verbindet authentisches wissenschaftliches Material so gekonnt mit der Fiktion, dass man an vielen Stellen von der verblüffender Präzision überwältigt ist. Die Distanz zwischen Leser und Figur löst sich teilweise gänzlich auf.

Gerade Jacks Sicht eröffnet ein Spektrum an Gefühlen, die durch die Augen des erwachsenen Lesers, an Intensivität gewinnen. Die Möglichkeit, in seiner Perspektive zu verweilen, lässt uns Zeit zum Verschnaufen, Zeit uns zu sammeln. Bis wir wieder in der Lage sind, der Realität ins Gesicht zu schauen.

Auch wenn die Hintergrundgeschichte (die übrigens auf wahren Begebenheiten beruht) anfangs mehr als abschreckend wirkt, ist der Roman zu empfehlen. Was er bereithält, lässt sich schwer in Worte fassen und sollte gerade deswegen erlebt werden. 

Deine Meinung zu »Raum«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
02.11.2017 19:52:47
kritikaster

ich finde, dass das ein scheißbuch ist! abgekupfert vom fall fritzl ginge ja noch, aber es ist einfach durch und durch unglaubwürdig.
ein fünfjähriger, der lesen, schreiben und rechnen kann, die bedeutung von sarkasmus kennt und dann die den imperfekt oder den pefekt einfachster wörter nicht kennt.
wieder so ein kommerzbuch, geschrieben um kohle zu machen und das klappt auch. da hilft es auch nicht, dass matthias brandt das buch liest.
nein. nach cd zwei ist schluss. das leben ist zu kurz, um sich mist anzuhören.

11.08.2013 16:26:35
Keera

Emma Donoghue beschreibt aus der Sicht des 5 jährigen Jack, wie er und seine Mutter, gefangen in einem 12 qm großen Raum ihr Leben meistern, und wie beide damit umgehen, als ihre Befreiung gelingt.
Für Jack, geboren in dem kleinen Raum, besteht die Welt aus der Mutter, dem abendlichen "Besucher" Old Nick und dem Raum, der Pflanze, dem Fernseher und weiteren Gegenständen, die er nach Art kleiner Kinder personifiziert. Seine Mutter versucht alles, um Jack das Leben lebenswert zu machen und ihn, soweit das eben möglich ist, zu einem gesunden Kind heranwachsen zu lassen. Dass Jacks Welt nicht in Ordnung ist, bemerkt er nur an gelegentlichen Zuständen der Mutter, wenn diese ihr Bewusstsein "abschaltet" und Jack alleine zurecht kommen muss. Außerdem bemerkt er ihr ängstliches Bemühen, Jack niemals in den Fokus von Old Nicks Aufmerksamkeit gelangen zu lassen.

Die gesamte Welt ändert sich für Jack, als er und seine Mutter in die "Freiheit" gelangen. Während Jacks Mutter ihre wieder erlangte Freiheit genießen möchte, ist Jack zunächst hoffnungslos überfordert. Die vielen Reize überfluten ihn, er vermisst seine Freunde "Raum", "Teppich", "Eierschlange"...Und so findet sich Jacks Mutter plötzlich nicht mehr in der Gefangenschaft von Old Nick, sondern in der Gefangenschaft ihrer Beziehung zu Jack und in der Gefangenschaft der vielen sich sorgenden, interessierten und sensationslüsternen Menschen um sie herum.
Und Jack muss sich nun nicht nur mit dem Verlust seiner bisherigen Welt und mit den Anforderungen der neuen Welt auseinandersetzen - zu allem Überfluss ändert sich auch die bisher symbiotische Beziehung zu seiner Mutter.

Donoghue beschreibt die Situation von Jack und seiner Mutter feinfühlig und authentisch. Ihr Interesse liegt dabei auf der Situation von Mutter und Kind.Die Motive des Täters und die Umstände der Befreiung interessieren eigentlich nur, soweit sie für die Geschichte unerlässlich sind. Wen dieser Aspekt eines solchen Verbrechens interessiert, ist bei diesem Buch falsch. Wer sich aber angesichts der Schicksale z.B. der Fritzl - Kinder gefragt hat, wie sich wohl eine solche Gefangenschaft auf die Entwicklung eines Kindes und auf die Beziehungen der Opfer zueinander auswirken mag, findet hier sicherlich jede Menge Anregung zum Weiterdenken.
Dass Jack in seiner Rolle als Erzähler manchmal die Ärzte oder die hochtrabende Diskussion im Fernsehen wiedergibt hat mich nicht gestört, auch wenn ein Kind dieses Alters sicherlich dergleichen nicht tatsächlich zitieren könnte. Wenn Jack tatsächlich spricht oder seine Gedanken zu dem, was er schildert äußert, finde ich das durchaus gelungen und dem Entwicklungsstand eines intelligenten 5jährigen angemessen.
Auf jeden Fall verhindert Jacks Darstellung seiner Welt, dass das Lesen des Buches zu einer düsteren und belastenden Angelegenheit wird. Jack ist wirklich ein tolles Kind.

Ich jedenfalls fand das Buch spannend, anrührend, zum Teil erschütternd und in jedem Fall lesenswert.