Vorübergehend nicht erreichbar

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Reykjavík: Mál og menning, 2007, Titel: 'Rimlar hugans', Seiten: 362, Originalsprache
  • München: Hanser, 2011, Seiten: 332, Übersetzt: Angela Schamberger & Wolfgang Butt

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Myra Wehbrink
Ein Buch, das zeigt, wie schön Briefeschreiben sein kann.

Buch-Rezension von Myra Wehbrink Sep 2011

Vorübergehend nicht erreichbar : Eine Liebesgeschichte, wie der Titel schon verrät. Aber keine Liebesgeschichte, die einfach wäre. Keine Liebesgeschichte, die uns erzählt wird. Sondern eine, die sich durch Eva und Einar selbst eröffnet. Und eine, die den Autor so fängt, dass er seine eigene darin verarbeitet.

Einar Már Gudmundsson schreibt einen Roman, der zwischen Fiktion und Realität schwer unterscheiden lässt. Er bekommt einen Brief von Einar, seinem Namensvetter. Dieser liest seine Bücher im Gefängnis und sendet ihm Post. Nur einen einzigen Brief, den der Autor für lange Zeit nicht beachtet. Doch dann treffen sich beide. Auf einem Meeting, dass typisch für die Sucht ist, die sie verbindet. Sie sind Anonyme Alkoholiker.

Die Liebesgeschichte zwischen Eva und Einar kommt zu uns in Briefform. Beide haben keine andere Möglichkeit des Kontakts, da er Gefängnisinsasse ist. Sie kennen sich noch nicht lange und erzählen wie sie zu dem Punkt gekommen sind, an dem sie sich begegneten.  Beide sind drogen- und alkoholabhängig. Einar wurde beim dealen erwischt und wartet auf seine Verurteilung.  Dies ist der Zeitpunkt, an dem das Paar sich verspricht clean, zu bleiben. Für sich selbst und füreinander.

Gudmundsson erzählt zwischen den Briefen wie sich seine eigene Alkoholsucht ausgeprägt hat. Welche Schwierigkeiten damit zusammenhängen. Wie er die Krankheit verleugnete, wie seine Familie darunter litt und warum es so lange dauerte, bis er sich eingestehen konnte, dass er ein ernsthaftes Problem hat.

Die Drogen- und Alkoholkarrieren der Protagonisten stehen in gewisser Weise im Mittelpunkt der Handlung. In allen drei Fällen sind sie der Ausgangspunkt zu etwas Neuem. Eva und Einar sind durch ihre grenzenlose, unerschütterliche Liebe darauf aufmerksam geworden, was es ist, dass das Leben lebenswert macht. Ihre Beziehung, ihre Verbindung, gibt ihnen Kraft den Entzug durchzustehen und nicht wieder rückfällig zu werden. Die Briefe des Liebespaars sind einfühlsam bis kitschig geschrieben. Doch gerade der Hollywood-Kitsch, der sich in den Briefen offenbart, gibt uns die Gewissheit, dass sie es schaffen. Der Überschwang an Gefühlen scheint so stark, dass man sich nicht vorstellen kann, sie gehen jemals wieder auseinander. Jede Handlung ist darauf ausgerichtet die Beziehung zu intensivieren. Sie sind sich gegenseitig die Ersatzdroge, von der man keinen Entzug benötigt. 

Als Leser bekommen wir einen realen Eindruck des Lebens dreier Menschen, die gestrauchelt und gescheitert sind. Außerdem dürfen wir dabei zuschauen, wie es ihnen gelingt, wieder auf die Beine zu kommen.

Der Roman ist unglaublich ehrlich und macht keine Anstalten zu verharmlosen. Die Authentizität, die vermittelt wird, verbunden mit autobiographischen Zügen und fast schon romantischer Lyrik, macht die Geschichte zu einer Verbindung aus Reportage und fiktionalem Text.

Die Autorenpassagen übernehmen vermittelnde Funktion. Die Auswahl der Briefe und ihre Abfolge sind das Werk des "Herausgebers”. Die Briefe jedoch sind während ihrer Verfassung nicht für ein Publikum bestimmt gewesen und ermöglichen uns subjektive Einblicke und intime Details. Der Voyeurismus des Lesers wird befriedigt. Die Handlung wird zunehmende nach Innen verlagert. Wir bekommen eine detaillierte Innensicht von Eva, Einar und Gudmundsson. 

Das 18. Jahrhundert gilt der Blütezeit des Briefromans in Europa. Genau diese Intensität und Gefühlsverfeinerung lässt uns Vorübergehend nicht erreichbar spüren. Die Gegenüberstellung zwischen harter Realität, die die Romanfiguren nicht bewältigen konnten und den "empfindsamen” Briefen setzt den Zoom auf beide Bereiche. So wird das Leseerlebnis ein intensives. Die Distanz zwischen Leser und Figuren löst sich Stück für Stück auf. Der Roman geht, mit einer kitschigen Formulierung gesprochen, ans Herz und lohnt die Lektüre. 

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