Sarah Kirsch

Sarah Kirsch, die mit richtigem Namen Ingrid Hella Irmelinde Kirsch, geb. Bernstein hieß, wurde 1935 in Limlingerod geboren.

Nach dem Abitur begann sie – geleitet durch ihr starkes Interesse an der Natur – zunächst eine Forstarbeiterlehre, die sie aber bald abbrach, um von 1954 bis 1958 Biologie zu studieren und ihr Diplom zu machen. 1958 lernte sie den Lyriker Rainer Kirsch kennen, mit dem sie von 1960 bis 1968 verheiratet war.

Ab 1960 veröffentlichte sie lyrische Texte in Anthologien und Zeitschriften unter dem Vornamen-Pseudonym Sarah, das sie aus Protest gegen den Holocaust im Dritten Reich gewählt hatte. Von 1963 bis 1965 studierte sie gemeinsam mit ihrem Mann am Leipziger Literaturinstitut um anschließend als freischaffende Schriftstellerin in Halle tätig zu sein. Im selben Jahr veröffentlichte sie gemeinsam mit ihrem Mann den Lyrikband Gespräch mit dem Saurier, für den sie beide den Kunstpreis der FDJ erhielten. Zwei Jahre später veröffentlichte sie dann ihren ersten eigenen Gedichtband unter dem Titel Landaufenthalt.

Nach ihrer Scheidung von Rainer Kirsch 1968 zog sie nach Ost-Berlin, wo sie 1969 ihren Sohn Moritz gebar und arbeitete dort als Journalistin, Hörfunkmitarbeiterin und Übersetzerin. 1973 veröffentlichte sie den Lyrikband Zaubersprüche sowie die Prosabände Die Pantherfrau und Die ungeheuren berghohen Wellen auf See. Im gleichen Jahr wurde sie Vorstandsmitglied im Schriftstellerverband der DDR. In Westdeutschland erschien 1969 eine erste Auswahl Gedichte, welcher 1974 eine weitere unter dem Titel Es war dieser merkwürdige Sommer als bibliophile Ausgabe der Berliner Handpresse folgte. Da sie Erstunterzeichnerin der Protesterklärung gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns war, wurde sie 1976 aus der SED und dem Schriftstellerverband der DDR ausgeschlossen und zog daraufhin ein Jahr später mit ihrem Sohn nach West-Berlin. Dort wurde sie 1978 Mitglied des PEN-Zentrums der Bundesrepublik Deutschland. 1980 verfasste Sarah Kirsch zusammen mit Günther Grass, Thomas Brasch und Peter Schneider einen offenen Brief an Bundeskanzler Helmut Schmidt, in dem zu einer kritischen Haltung gegenüber der amerikanischen Außenpolitik aufgerufen wurde. Ab 1996 war sie in Kassel und der Frankfurt als Dozentin tätig. 2006 wurde ihr vom Ministerpräsidenten des Landes Schleswig-Holstein der Ehrentitel Professorin verliehen. Am 5. Mai 2013 starb sie mit 78 Jahren in Heide.

Sarah Kirsch gilt als eine der bedeutendsten deutschen Lyrikerinnen. Ihre Lyrik ist von der Form her offen, meist ohne Reim und in freiem Versmaß. Dennoch spielt der Rhythmus im Sinne des Atemtempos eine große Rolle, ebenso Zeilenumbrüche und Zeilensprünge, durch die ein Strömen oder eine Atemlosigkeit erzeugt wird. Kirsch kombiniert häufig fachsprachliche oder altmodische Ausdrücke mit einem saloppen Ton. Charakteristisch für ihre Metaphorik sind Bilder, die in Alltags-, Natur- oder Landschaftsbetrachtung ihren Ausgangspunkt nehmen, aber verfremdet werden oder eine überraschende Wendung nehmen. Während in frühen Gedichten die Auseinandersetzung mit Krieg und Nationalsozialismus vorherrschte, dominiert später das Landschaftsgedicht und die Reflexion auf die zivilisatorische Weltkrise. Für ihre Werke erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen.

Bibliographie:

  • (1964) Berlin – Sonnenseite. Deutschlandtreffen der Jugend in der Hauptstadt der DDR, Bildreportage, zusammen mit Thomas Billhardt und Rainer Kirsch
  • (1965) Gespräch mit dem Saurier, Gedichtband, gemeinsam mit Rainer Kirsch
  • (1966) Die betrunkene Sonne, Kinderbuch
  • (1967) Landaufenthalt, Gedichtband
  • (1973) Zaubersprüche, Gedichtband
  • (1973) Trauriger Tag
  • (1973) Die Pantherfrau. Fünf unfrisierte Erzählungen aus dem Kassettenrecorder, Prosaband
  • (1973) Die ungeheuren bergehohen Wellen auf See (1973), Prosaband
  • (1974) Es war dieser merkwürdige Sommer, Gedichtauswahl
  • (1975) Caroline im Wassertropfen, Kinderbuch
  • (1975) Zwischen Herbst und Winter, Kinderbuch
  • (1976) Rückenwind. Gedichte, Gedichtband
  • (1977) Im Sommer
  • (1977) Musik auf dem Wasser, Auswahlband
  • (1978) Wintergedichte
  • (1978) Katzenkopfpflaster, Gedichtauswahl
  • (1979) Sieben Häute. Gedichte 1962–1979
  • (1979) Drachensteigen, Gedichte
  • (1979) Trennung, Gedichte
  • (1979) Wind und Schatten, zusammen mit dem Künstler Kota Tamiuchi
  • (1980) La Pagerie, Prosagedichte
  • (1980) Geschlechtertausch, zusammen mit Irmtraud Morgner und Christa Wolf
  • (1980) Hans mein Igel, Kinderbuch nach den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm
  • (1981) Papiersterne
  • (1982) Erdreich, Gedichte
  • (1984) Katzenleben, Gedichte
  • (1985) Landwege. Eine Auswahl 1980–1985
  • (1986) Reisezehrung, Prosa
  • (1987) Irrstern, Prosaband
  • (1987) Buch mit Gedichten von Sarah Kirsch und Zeichnungen von A.R.Penck in der Berliner »Edition Malerbücher«
  • (1988) Allerlei-Rauh. Eine Chronik, Prosaband
  • (1988) Luft und Wasser. Gedichte
  • (1989) Schneewärme. Gedichte
  • (1989) Wintermusik
  • (1990) Die Flut, Auswahl, zusammengestellt von Gerhard Wolf
  • (1991) Schwingrasen, Prosa
  • (1991) Spreu, Bilder-Tagebuch
  • (1992) Erlkönigs Tochter, Gedichte
  • (1994) Das simple Leben, Prosaminiaturen und Gedichte
  • (1996) Bodenlos
  • (1999) Gesamtausgabe, 5 Bände im Schuber.
  • (2000) Beim Malen bin ich weggetreten, Kunstband zusammen mit Christoph W. Aigner
  • (2001) Schwanenliebe. Zeilen und Wunder, lyrische Miniaturen
  • (2002) Islandhoch, Tagebruchstücke, Prosa
  • (2005) Sämtliche Gedichte 
  • (2005) Kommt der Schnee im Sturm geflogen, Prosa
  • (2006) Kuckuckslichtnelken, Prosa
  • (2007) Regenkatze, Prosaband (Lyrisches Tagebuch)
  • (2008) Sommerhütchen
  • (2010) Krähengeschwätz
  • (2012) Märzveilchen