Nagib Machfus

Der ägyptische Autor Nagib Machfus (auch Nagib Mahfuz oder Naguib Mahfouz) wurde am 11. Dezember 1911 in Kairo geboren und wuchs als Sohn eines Beamten in einem Kairoer Altstadtviertel auf. 1919 erlebte er die großen Demonstrationsumzüge gegen die von den Siegermächten des Ersten Weltkriegs festgelegte Nachkriegsordnung mit, was ihn prägte. Nach seinem Schulbesuch studierte er von 1930 bis 1934 Philosophie an der Universität in Kairo und veröffentlichte noch 1930 sein erstes Essay, 1932 seine erste Kurzgeschichte.

Nach seinem Studium arbeitete er von 1934 bis 1938 als Sekretär an der Universität und entschloss sich 1937, sein Leben dem Schreiben zu widmen. Mit Abat al-aqdar (dt.: Cheops) veröffentlichte er 1939 seinen ersten Roman aus der Pharaonenzeit und versuchte hiermit, den Ägyptern durch die Darstellung der Vergangenheit eine stärkere Identität mit der Gegenwart zu verschaffen. In den Vierzigern schrieb er realistische Romane mit zeitgenössischen Themen.

Berühmt wurde Machfus durch seine Kairo-Trilogie aus den Jahren 1956/57, die die Geschichte einer Kairoer Kaufmannsfamilie über drei Generationen hinweg erzählt und die ägyptische Gesellschaft während der Modernisierung im 20. Jahrhundert beleuchtet. Hierfür wurde er mit dem ägyptischen Staatspreis für Literatur ausgezeichnet.

Neben seinen Romanen, Erzählungen und Kurzgeschichten verfasste Machfus auch zahlreiche Drehbücher zu Filmen. Zudem war er von 1966 bis 1968 Direktor der Ägyptischen Filmgesellschaft. Von 1969 bis 1971 war er bis zu seine Pensionierung Berater des Ministers für kulturelle Angelegenheiten und anschließend als freier Mitarbieter bei der halbamtlichen ägyptischen Tageszeitung »Al-Ahram« tätig.

Im Jahr 1988 wurde Nagib Machfus der Nobelpreis für Literatur verliehen. Da er den Friedensprozess mit Israel unterstützte, wurde er schnell zum Ziel fundamentalistischer und arabisch-nationalistischer Kreise. Da er zudem noch Mitglied der International Academy of Science war, wurde von einem radikalen Geistlichen, der inzwischen lebenslang in einem US-amerikanischen Gefängnis einsitzt, ein Todesurteil über Machfus verhängt. Am 14. Oktober 1994, Machfus war 82 Jahre alt, wurde er Opfer eines Anschlags und mit mehreren Messerstichen in den Hals lebensgefährlich verletzt, überlebte aber. Nach sieben Wochen verließ er das Krankenhaus und musste seitdem unter ständigem Polizeischutz leben.

Im Jahr 2001 lehnte er es ab, seinen 90. Geburtstag groß zu feiern. Im Sommer 2006 wurde bekannt, dass er schwer erkrankt sei. Es soll nur noch künstlich ernährt worden sein und nur noch wenige Freunde und Verwandte erkannt haben. Er starb am 30. August 2006 in einem Kairoer Krankenhaus.

Romane und Erzählungen von Nagib Machfus: