Die Geschichte von der unbekannten Insel von José Saramago

Buchvorstellungund Rezension

Die Geschichte von der unbekannten Insel von José SaramagoDie Geschichte von der unbekannten Insel von José SaramagoDie Geschichte von der unbekannten Insel von José Saramago

Originalausgabe erschienen 1997 unter dem Titel O conto da ilha desconhecida, deutsche Ausgabe erstmals 1998 bei Rowohlt.

Bibliographische Angaben

  • Lissabon: Assírio & Alvim, 1997 unter dem Titel O conto da ilha desconhecida.35 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1998.Übersetzt von Ray-Güde Mertin.ISBN: 3-498-06335-9.58 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2000.Übersetzt von Ray-Güde Mertin.ISBN: 3-499-22745-2.58 Seiten.

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In Kürze:

Es gibt keine unbekannte Insel mehr, sagt der König. Aber er gibt dem Mann trotzdem das erwünschte Boot. Eine Scheuermagd fährt mit dem Suchenden hinaus. Im Schein der untergehenden Sonne essen sie ihr karges Abendbrot, dann legen sie sich schlafen.

Das meint Krimi-Couch.de: »Auf der Suche nach der Insel im Kopf«95Treffer

Rezension von Britta Höhne

Ein wenig erinnert die Geschichte an Janoschs »Oh wie schön ist Panama«. Aber auch nur, weil man manchmal etwas Anderes, Neues, erleben muss, um Altes zu schätzen. So ist es bei »Panama« und so ist es auch in dem viel zu kurzen Märchen von José Saramago. Märchen? Irgendwie schon, weil es zu schön ist, um wahr zu sein – und am Ende alles gut wird. Zumindest scheinbar.

Ein Mann klopft an die Tür eines Schlosses. Erbittet um Einlass und fragt den König, ob er ihm ein Schiff überlassen könne, weil er gerne die unbekannte Insel entdecken würde. Eine unbekannte Insel, beschließt der König, gibt es nicht, überlässt dem Mann dennoch – nach vielen Tagen des Wartens – eine  kleine Karavelle.

Die Putzfrau des Königs, die das Bitten des Mannes über Tage beobachtet hat, geht durch die Tür der »Entscheidungen« – ein Zurück gibt es nicht – und folgt dem Mann in den Hafen, um das Schiff, das der König überlässt, zu begutachten. Eine Mannschaft finden die beiden nicht. Statt dessen schmieden sie Pläne. Sie wollen alleine segeln, die Insel finden – von denen beide ganz sicher sind, dass es sie gibt. So, als versetze nicht der Glaube Berge, sondern schaffe unentdeckte Kleinode.

Der Literatur-Nobelpreisträger von 1998 – José Saramago – hat so großartige, kompakte, wortreiche  Romane wie »Die Stadt der Blinden«, »Alle Namen« und »Das Zentrum« geschrieben, dass das kleine Märchen aus seiner Feder leider unterzugehen droht. Dabei wiegt es schwer – zumindest inhaltlich. Geht es doch um einen Mann, der bemüht ist, seinen Traum zu leben, eine unbekannten Insel zu entdecken. Er lässt sich von nichts abbringen, ist sich seiner so sicher, dass sein Optimismus gleich die Putzfrau des Königs mit in seinen Bann zieht. Auch der König selbst scheint fasziniert von dem Mann, dessen Unbeirrbarkeit, Geduld und Konzentration auf die eine Sache letztendlich zur Erfüllung des Traumes führt. Um Träume nämlich geht es auch.

José Saramago war ein großartiger Geschichtenerzähler. Und ein großartiger Sprachjongleur. Einer, der es mit der Interpunktion nicht immer so genau genommen hat, oder andere Wege versuchte. Seine aus dem Portugiesischen übersetzten Werke sind voller Spannkraft und scheinbar anfänglicher Sprachverwirrung. Nach wenigen Seiten jedoch, stört nicht mehr, dass Mann und König, König und Mann – und zwischendrin die Putzfrau – nicht durch Punkte, sondern lediglich durch Kommata voneinander getrennt sind. Der König fragt:

»Und du, wer bist du, dass ich dir eins (ein Schiff) geben sollte, Und du, wer bist du, dass du mir keines geben solltest, Ich bin der König dieses Reiches, und die Schiffe des Königreiches gehören mir, Du gehörst mehr ihnen als sie dir, Was willst du damit sagen, fragte der König beunruhigt, Dass du ohne sie nichts bist, dass aber sie ohne dich immer werden segeln können …Dich, König, interessieren nur die bekannten Inseln, Mich interessieren auch die unbekannten, wenn sie es nicht mehr sind...«

Keiner weiß, keiner ahnt, ob die Mission, eine unbekannte Insel zu finden, gelingt, dennoch strahlt die Geschichte einen unglaublichen Optimismus aus, weil das Gelingen egal scheint – nur der Weg, das Versuchen – zählt.

Der Mann und die Putzfrau essen zu Abend, legen sich hin, jeder in eine Koje an entgegen gesetzten  Seiten  des Schiffes. Sie sind Suchende. Im Traum. In der Realität und letztendlich bekommen sie genau das, was ihre Herzen begehren. 

Ein dünnes Buch. Eines, das glücklich und optimistisch stimmt, wenngleich das Lesen zu Beginn schwierig scheint. Dennoch: Prädikat wertvoll.   

Britta Höhne, Januar 2012

 

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