Der Junge mit dem Herz aus Holz von John Boyne

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2010 unter dem Titel Noah Barleywater Runs Away , deutsche Ausgabe erstmals 2012 bei Fischer.

Bibliographische Angaben

  • London: Random House, 2010 unter dem Titel Noah Barleywater Runs Away .ISBN: 978-0385752466.240 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Fischer, 2012.Übersetzt von Adelheid Zöfel.ISBN: 978-3-596-85477-6.240 Seiten.

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In Kürze:

Eines Morgens läuft Noah von zu Hause fort. Ein einsamer Waldweg führt ihn zu einem Spielzeugladen voller Zauber und Magie. Hier lernt Noah einen sehr ungewöhnlichen Spielzeugmacher kennen. Der alte Mann hat viel zu erzählen. In seiner Geschichte geht es um Abenteuer, Wunder und gebrochene Versprechen. So nimmt er Noah mit auf eine Reise. Eine Reise, die Noahs Leben verändern wird. Und die auch unser Leben verändern könnte. Eine märchenhafte Parabel über den Trost des Erzählens.

Das meint Belletristik-Couch.de: »Zauberhafte Geschichte mit Tiefgang für Kinder und jene, die es noch sind«85Treffer

Rezension von Romy Fölck

Nach seinem hochgelobten Roman Der Junge im gestreiften Pyjama, der ihm den internationalen Durchbruch verschaffte, hat der irische Schriftsteller John Boyne sein Erfolgskonzept fortgeführt und hat auch sein neues Werk aus der Sicht eines Kindes geschrieben. In diesem Buch ist jedoch der Schauplatz nicht so erdrückend gewählt wie in seinem mehrfach ausgezeichneten Roman über den Jungen im gestreiften Pyjama, der über eine Kinderfreundschaft in einem Konzentrationslager erzählt.

Noah Barleywater ist acht Jahre alt, als er entscheidet, dass er alt genug ist, um von zu Hause wegzugehen und in die Welt zu ziehen. Er steht in der Frühe auf, durchquert zwei Dörfer und einen Wald, bis er in einem kleinen Dorf an ein komisches Haus gelangt. Die Wände und Fenster sind völlig schief, nichts passt zusammen, das Dach besteht nicht aus Ziegeln, sondern aus Holz. Und ein seltsamer Baum steht vor dem Haus, so dass Noah mit offenem Mund stehen bleibt. Hier macht er die Bekanntschaft eines immer hungrigen Esels und überklugen Dackels, die ihn aufklären, dass er vor einem ganz besonderen Haus steht.

Es ist ein magischer Spielzeugladen, den Noah neugierig betritt. Er ist vom Boden bis zum Dach mit Holzspielzeug und allen Arten von Marionetten gefüllt, die kunstvoll mit so unglaublichen Farben bemalt sind, wie er sie noch nie gesehen hat. Der Junge lernt den Ladenbesitzer kennen, einen alten etwas kauzigen Mann, der unaufhörlich Spielzeug schnitzt, während er Noah stolz seinen Laden zeigt, in den sich seit Jahren kein Kunde mehr verlaufen hat. Der Junge bestaunt das lebendige Spielzeug und die Kuckucksuhr, die plötzlich durchs Fenster geflogen kommt, eine Tür, die hin- und herspringt und sich immer dort in die Wand einfügt, wo man durch sie hindurchgehen will, den Garderobenständer, der dem Besucher die Jacke abnimmt, die knurrende Uhr und allerlei andere magische Dinge.

Der alte Mann findet Gefallen an seinem kleinen Gast und lädt ihn zum Mittagessen in seiner wunderlichen Küche ein, wo der Junge eine alte Holzkiste entdeckt. Er bittet den Ladenbesitzer, sie öffnen zu dürfen und findet darin allerlei Marionetten, die der Vater des Ladenbesitzers vor langer Zeit schnitzte. Zu jeder der Marionetten erzählt ihm der alte Mann eine Geschichte. Die geschnitzten Holzfiguren sind realen Personen aus seinem Leben nachempfunden, mit denen er in jungen Jahren so manches Abenteuer erlebte. Auch er war einmal acht Jahre alt und in diesem Alter wurde sein großes Talent entdeckt: Er konnte so schnell laufen wie ein Blitz. Auf der ganzen Welt lief er um die Wette, bei den Olympischen Spielen gewann er Medaillen, er durchquerte viele Länder der Erde und immer wieder gab es Neues für ihn zu entdecken.

Nachdenklich berichtet ihm der alte Mann jedoch auch von der anderen Seite des Ruhms. Dass er seinen Vater jahrelang allein im Spielzeugladen zurückließ, dass ihm sein Ruhm und seine Abenteuer wichtiger waren, als der Mensch, der ihn am meisten liebte. Und dass er sein Versprechen, bald zu seinem Vater zurückzukommen, gebrochen hatte und nie mehr die Möglichkeit bekam, es einzulösen. Doch auch Noah hat eine traurige Geschichte im Gepäck. So erfährt man nach und nach von dem naseweisen Jungen, warum er an jenem Morgen von zu Hause weggelaufen ist. Er erzählt dem alten Mann von schönen Erlebnissen mit seiner kranken Mutter und bald spürt man seine tiefe Angst, dass ihn seine Mutter für immer verlassen könnte.

Der Junge mit dem Herz aus Holz ist eine zauberhafte Geschichte für kleine und große Leser, die Kindergeschichten mögen. Es ist ein Buch über kindliche Träume, die Gewichtigkeit von Versprechen und den Verlust der geliebten Eltern. Eingepackt in eine verträumt-kindliche Welt arbeitet Boyle die Eltern-Kind-Beziehung auf und regt Kinder wie Erwachsene an, sich dieser besonderen Verbindung bewusst zu sein und die geschenkte Zeit miteinander zu nutzen.

Wer gern in die Welt von Märchen und magischen Geschichten eintaucht, findet mit diesem Werk eine wundervolle Lektüre – oder er liest es einfach seinen Sprösslingen vor. Das bis zur letzten Seite gehütete Geheimnis, welcher allseits bekannte Name hinter dem alten Mann im Spielzeugladen steckt, sollte jeder Leser selbst herausfinden, indem er sich auf Noah Barleywaters Abenteuerreise begibt.

Romy Fölck, März 2012

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