Dante Alighieri: Die göttliche Kommödie von Dante Alighieri

Buchvorstellungund Rezension

Dante Alighieri: Die göttliche Kommödie von Dante Alighieri

 deutsche Ausgabe erstmals 2018.

Bibliographische Angaben

    • München: Manesse, 2018.Übersetzt von Ida von Wartburg, Walther von Wartburg.1200 Seiten.

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    Rezension von Almut Oetjen

    Als Dante Alighieri, geboren 1265, im Jahr 1320 >Die Göttliche Komödie< veröffentlichte, eine aus 14.233 Versen bestehende epische Dichtung, konnte er nicht ahnen, dass sein Buch zu einem der wichtigsten literarischen Werke der Menschheitsgeschichte werden würde. Endlos adaptiert, in vielleicht allen Kunstrichtungen mindestens einmal Bezugsgröße, so bekannt wie Coca Cola, aber von weniger Menschen unmittelbar goutiert. Maler und Bildhauer, Schriftsteller und Filmschaffende sowie Comicautoren bedienen sich seit je bei ihm. Unsere Vorstellung von der Hölle hat ihre Wurzeln bei Dante. Nur Shakespeare hat vielleicht die Kunst in der ihm folgenden Zeit so sehr beeinflusst wie Dante. Darüber hinaus ist >Die Göttliche Komödie< so etwas wie das erste schriftliche Werk der italienischen Sprache.

    Geschrieben ist das Buch in Terzinen, einer gereimten Gedichtform, die eine beliebige Zahl an Strophen aufweisen kann. Jede Strophe, deren Mittelvers in der jeweils folgenden Strophe seine Entsprechung findet, besteht aus drei Versen: die Reimform der Originalfassung folgt der Struktur a-b-a, b-c-b, c-d-c etc. Dadurch erhält das Gedicht einen inneren Fluss, bis das Ende erreicht ist. Dante, von dem diese Gedichtform entwickelt wurde, lässt einen Gesang immer mit einem abschließenden Vers auslaufen. Die Struktur behält die hier rezensierte Übersetzung bei, nur nicht das Reimschema.

    Das Werk folgt konsequent Mustern, die sich an den symbolischen Zahlen drei (Trinität) und zehn (vollkommene Zahl, 3x3+1) ausrichten. Es gibt drei Teile, Cantiche genannt: Inferno, Purgatorio und Paradiso. Während Inferno aus einem Proömium und 33 weiteren Gesängen besteht, sind es bei Purgatorio und Paradiso je 33 Gesänge, wodurch sich in der Summe 100 Gesänge (10x10) ergeben.

    Durch die Hölle zu den Sternen

    Eine Komödie ist ein Drama, das irgendwie beginnt und in der Regel glücklich endet. >Die Göttliche Komödie< erzählt in der ersten Person Singular von Dantes Reise, die in der Hölle (Inferno) beginnt, ihn durch das Purgatorium (Purgatorio) führt und im Paradies (Paradiso) endet.

    Dantes Weg beginnt am Karfreitag des Jahres 1300 mit einem Bezug zur Bibel (Jeremias 5,6), als in einem dunklen Wald, in dem er nicht vorankommt, drei bedrohliche Tiere auftauchen: ein Luchs/Parder, ein Löwe und eine Wölfin (Lust, Stolz, Gier). In dieser Situation trifft er auf den römischen Dichter Vergil, der ihn durch die beiden ersten Stationen seiner Reise führt und im Paradiso an Dantes weibliches Ideal Beatrice übergibt, die ihn in den Himmel geleitet. Dante sehnte sich auf romantische Weise nach der Florentinerin, die sehr jung starb.

    Im ersten Kreis der Hölle, dem Limbus der scholastischen Theologie, befinden sich gute Heiden und ungetaufte Kinder. Hier gibt es keine Strafen und Qualen, da die Bewohner dieses Kreises frei von Schuld sind. In den folgenden Höllenkreisen befinden sich die Sünder, die zu Lebzeiten ihre Sünden nicht zugegeben und bereut haben. Die Hölle weist die Form eines Trichters auf, die Sünden sind nach dem Grad der Schwere geordnet und werden mit jedem Höllenkreis von oben nach unten größer, während die Kreise kleiner werden. Ganz unten, im tiefsten und neunten Kreis der Hölle, sitzt Luzifer im Zentrum des Eissees Kokytos und kaut auf den drei schlimmsten Sündern herum. Als Gegenstück zur göttlichen Dreifaltigkeit hat er drei Gesichter, drei Mäuler und sechs Flügel.

    Während die Sünder in der Hölle auf ewig verbleiben, sind die im Fegefeuer bereits erlöst, weil sie zu Lebzeiten ihre Sünden bereut haben. Beizeiten werden sie in den Himmel aufsteigen, zuvor setzen sie sich mit ihren Sünden auseinander. Im Purgatorio legt Dante zu Beginn dar, dass es sich dabei um ein Reich handelt, „in dem sich reiniget des Menschen Seele/und würdig wird, zum Himmel aufzusteigen.“ (S.422) Als Gott Luzifer aus dem Paradies herausschleuderte, entstand beim Aufprall auf der Erde der Höllentrichter. Die vorgetriebene Erdmasse türmte sich auf der entgegengesetzten Seite der Erde zum Läuterungsberg, dem Purgatorio. Entsprechend dem Höllentrichter gibt es hier neun Stufen für die verschiedenen Sünderklassen.

    Auch Paradiso, das dritte Reich, besteht aus neun Sphären. Hier folgt Dante der antiken und mittelalterlichen Kosmologie, die beiden vorhergehenden Reiche hat er teilweise neu erfunden. Beatrice führt Dante schrittweise durch die neun Sphären. Diese bestehen aus den sieben Planetensphären (Sonne, Mond und die fünf Planeten Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn), der Fixsternsphäre und dem Kristallhimmel. Der Kristallhimmel ist ein Gegenbild zur Eishölle.

    Dante berücksichtigt in seiner Himmelskonstruktion ein breites Spektrum an Gestaltungsgrößen, so die vier antiken (heidnischen) Kardinaltugenden (Tapferkeit, Gerechtigkeit, Mäßigung und Weisheit), die drei christlichen Tugenden (Glaube, Liebe, Hoffnung), das Primum Mobile (den neunten Himmel, Ort der Taten geistiger Wesenheiten) und das Reich des Reinen Lichts, in dem die Reise ihr Ende findet, in der zehnten Sphäre, genannt Empyreo, Sitz des dreifältigen Gottes und der Seligen.

    Wie Vergil Dante nicht auf dem letzten Abschnitt seines Weges begleiten kann, weil dieser Teil des Paradieses der Vernunft lebender Menschen nicht zugänglich ist, weshalb Dante von Beatrice empfangen wird, können die Leser diesen natürlich auch nicht erfassen und verstehen. Folglich beschreibt Dante diese Erfahrung in Bildern aus Licht, wie der Strahlung gesegneter Seelen.

    Moral und göttliche Gerechtigkeit

    Die Lebhaftigkeit der beschriebenen Emotionen, insbesondere der großen Gefühle, die Schwere der Thematik, erleichtern heutigen Lesern den Zugang zum Text. Wir haben vermutlich auch weniger Probleme damit, liebenswerte Sünder zu mögen, obwohl sie sich in einem Höllenkreis befinden. Ein Problem für heutige Leser dürfte darin bestehen, einen Zugang zur moralischen Seite von Inferno zu finden.

    >Die Göttliche Komödie< differenziert zwischen der Sicht des Erzählers und der Vergils auf die Ereignisse, woraus die Narration einige Spannung zieht. Vergil interpretiert das Geschehen gelegentlich. Zugleich sind beide in wichtigen Momenten sehr zurückhaltend mit moralischen Werturteilen. Ersatzweise verwendet der Dichter Ironie als Mittel zur Einordnung der Äußerungen von Sündern, die sich weniger als Täter denn als Opfer göttlichen Zorns sehen. Aber Dante lässt keinen Zweifel daran, dass Gott gerecht ist in all seinen Handlungen. Ungerechtigkeit finden wir nur in der Welt der Sterblichen.

    Zentral für Inferno scheint das Motiv göttlicher Gerechtigkeit zu sein. Im dritten Gesang treten Dante und Vergil durch das Höllentor. Die Hölle wird klar beschrieben, nicht nur in dem berühmten Vers 9: „ihr, die ihr herkommt, lasset alle Hoffnung.“ (Lasciate ogne speranza, voi ch’intrate), mehr noch durch den Beginn: „Durch mich geht man zur Stadt der Schmerzen ein“ (Per me si va ne la città dolente, Vers 1) Zugleich aber wird in Vers 4 verwiesen auf die Gerechtigkeit, die ein häufig wiederkehrendes Motiv ist: „Gerechtigkeit bewegte meinen Schöpfer“ (Giustizia mosse il mio alto fattore). Ist Gott gerecht, kann kein Zweifel daran bestehen, dass sein Urteil auch gerecht ist, dass also alle Verurteilten zurecht sich in der Hölle befinden. Wenn ein Protagonist Mitleid mit einem Verurteilten hat, bedeutet dies nicht, dass die Strafe in Frage gestellt wird.

    Für heutige Leser ist es vielleicht schwierig, die moralischen Implikationen des Inferno ohne weiteres nachzuvollziehen. Dante spiegelt die katholische Sicht zugleich hochkomplex, vor allem insoweit es um die Natur des Menschen geht. Er bewegt sich als Lernender durch die Szenerien, ein Vorgehen, das sich die Leser ebenfalls zueignen sollten.

    Durch Dantes Entscheidung, >Die Göttliche Komödie< nicht in lateinischer Sprache zu schreiben, sondern im florentinischen Toskanisch, wurde das Werk Vorbild der italienischen Literatursprache. Dies ist insoweit bemerkenswert, als nicht nur das Lateinische die Literatursprache schlechthin in dieser Zeit war, sondern das Ansehen des Provenzalischen und des Französischen in Italien höher war als das des heimischen Volgare. Dantes Entscheidung für diese Sprache barg also ein gewisses Risiko. Das Buch wurde aber so populär, dass sich das florentinische Toskanisch bald durchsetzte, ausgehend von der Überlegung, >Die Göttliche Komödie< im Original lesen zu wollen. In der Folge stieg dadurch die Bedeutung von Florenz, und Dantes Zeitgenossen Boccaccio und Petrarca schrieben ebenfalls in der Sprache, die fortan als italienisch bezeichnet wurde.

    Dante erweitert teils die Bibel, teils führt er aus, was dort ausgelassen oder nur kurz angedeutet wird. >Die Göttliche Komödie< ist eins der Schlüsselwerke der Renaissance, seine Vorstellungen von der Hölle speist sich aus dem Gedanken von Aristoteles, die Vernunft sei das Wichtigste im Leben, ein Gedanke, der später im Protestantismus formuliert wird als Weg zur Erlösung. Die Höllenkreise wie auch die sieben Todsünden gründen im Versagen menschlicher Vernunft.

    Die Neuausgabe des Klassikers bei Manesse ist ein 1200 Seiten umfassender Band mit der sehr guten und sehr gut lesbaren Übersetzung von Ida und Walther von Wartburg, die früher zweibändig in der kleinformatigen Manesse Bibliothek der Weltliteratur erhältlich war. Einführend gibt es 32 Seiten über Dantes Leben und Werk zu lesen. Jeder Gesang wird durch Walther von Wartburg mit einem mehrseitigen Kommentar eingeleitet und enthält am Schluss jeweils Anmerkungen zu einzelnen Versen, was zur Lesefreundlichkeit des Buchs beiträgt. Eingestreut sind 48 schöne schwarz-weiße Illustrationen von Gustave Doré.

    Almut Oetjen, Dezember 2018

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