Mitsukos Restaurant von Christoph Peters

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2011 bei btb.

Bibliographische Angaben

  • München: btb, 2011.ISBN: 978-3-442-74159-5.416 Seiten.

    'Mitsukos Restaurant' ist erschienen alsals HC nicht erhältlicherschienen als TBals CD nicht erhältlich

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    Das meint Belletristik-Couch.de: Tagträume von Japan80

    Rezension von Sebastian Riemann

    Achim und Wolf begeistern sich für die japanische Kultur. Viel wissen sie nicht, aber die Neugier treibt sie an und sie machen sich auf den Weg, um in Düsseldorf endlich einmal in einem japanischen Restaurant zu essen. Es soll ihre persönliche Feier werden, mit der sie den Abschluss der Schule feiern und sich ein Stück der weiten Welt erschließen wollen. Im Gepäck haben sie wage Vorstellungen davon, was die authentische Küche Japans ausmacht und wie sie sich von den falschen Vorstellungen der Westler unterscheidet. In den Taschen steckt das mühsam gesparte Geld. Beide sind gespannt und aufgeregt, es ist ein wichtiger Tag und ein wichtiger Schritt für die beiden Freunde. Die Erwartungen sind hoch und die Enttäuschung ist dementsprechend groß, da sie vor dem Restaurant in Düsseldorf stehen, auf die Karte schauen, vom Menü überrascht und von den Preisen schockiert sind. Sie diskutieren, wie sie mit der Situation umgehen sollen, müssen am Ende aber das Feld räumen. Die Expedition ist gescheitert.

    Der Roman von Christoph Peters beginnt mit einer Enttäuschung. Das Streben in Richtung einer anderen, fremden und fernen Kultur bleibt vorerst unerfüllt und versagt den beiden jungen Männern sowie dem Leser die Erfüllung des Kontaktes mit dem Unbekannten. Achim und Wolf ist es verwehrt, in die Welt der japanischen Küche einzutauchen.

    Doch es ist nur der erste Schritt. Einige Jahre später setzt die Handlung des Romans wieder ein und der Leser kann Achim dabei begleiten, wie er zufällig Mitsukos Restaurant entdeckt. Ein authentisch japanisches Restaurant, untergebracht in einem rustikalem Haus, das einem Wanderverein als Stammkneipe dient. Es werden Spezialitäten aus Fernost, aber auch Würste und Schnitzel geboten. Der Besitzer ist mit einer Japanerin verheiratet und gemeinsam haben sie Mitsukos Restaurant aufgebaut. Die Geschäfte laufen nicht besonders gut, da man den Leuten in der Provinz nur schwerlich etwas neues servieren kann. Aus dem japanischen Menü wird nur selten bestellt. An der Theke sitzen die Stammkunden mit Bier und der Metzgerplatte. Achim ist jedoch sofort begeistert. In einem Moment, da er es nicht erwartet hat, erfüllte sich plötzlich sein Traum von der japanischen Küche. Er kommt wieder und wird zum Dauergast. Sein altes Interesse an Japan ist erneut geweckt, er holt wieder die alten Bücher hervor und taucht wieder in die Geschichten ein, die er schon zu Schulzeiten gelesen hat.

    Es ist jedoch nicht nur das japanische Essen, das Achim so fasziniert. Mitsuko, die Köchin aus Japan, hat es ihm angetan. Er verliebt sich Hals über Kopf in sie und sucht fortan ihre Nähe. Die Spannungen zwischen Mitsuko und ihrem Mann Eugen, dem Betreiber des Restaurants, nimmt Achim als Anlass, sich Hoffnungen zu machen, dass es in Zukunft eine Möglichkeit für ihn geben wird, der Nutznießer von Beziehungsstress zu werden. Er hofft auf eine Affäre oder vielleicht sogar auf einen Bruch zwischen den beiden und ein gemeinsames Leben mit Mitsuko. Was genau er sich erhofft, weiß er selbst nicht. Sein Freund Wolf macht sich deshalb gern über ihn lustig. Achim ist ein Tagträumer und wirkt in Gegenwart von Mitsuko mitunter wie ein Idiot, weil er unsicher und schüchtern agiert. Zeichen für eine Annäherung an Mitsuko sieht er immer wieder, aber nichts geschieht, und so vertröstet er sich stets auf die nahe Zukunft, in der es ihm gelingen wird, eine besondere Verbindung mit der geheimnisvollen Frau aus Japan herzustellen.

    Christoph Peters ist ein Entdecker, er liebt es, sich einer fremden Kultur zu nähern, ihrer Essenz nachzuspüren und sich auf sie einzulassen. Wer das Werk des Schriftstellers aus Kalkar verfolgt, trifft mehrfach auf deutsche Protagonisten, die sich mit der japanischen Kultur auseinandersetzen. Dabei spielen die höchst komplexe Teezeremonie und die Keramikkunst, insbesondere die Herstellung von Teeschalen, herausragende Rollen. In Mitsukos Restaurant gibt er dem Interesse an der fremden Kultur die Form einer unerfüllten, wagen Liebe, die sich im Kopf von Achim und vielleicht nur dort entwickelt. Ein unterhaltsames Buch, in dem zwei Welten versuchen zueinander zu finden.

    Sebastian Riemann, Mai 2018

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