Das Versprechen, dich zu finden von Anne Youngson

Buchvorstellungund Rezension

Das Versprechen, dich zu finden von Anne Youngson

Originalausgabe erschienen 2018 unter dem Titel Meet Me at the Museum, deutsche Ausgabe erstmals 2018 bei HarperCollins.

Bibliographische Angaben

  • New York: Doubleday, 2018 unter dem Titel Meet Me at the Museum.224 Seiten.
  • Hamburg: HarperCollins, 2018.Übersetzt von Wibke Kuhn.ISBN: 978-3959672276.272 Seiten.

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Rezension von Monika Wenger

Plötzlich stellt man fest, dass das Leben an einem vorbei gegangen bzw. verflogen ist und keiner der Träume und Pläne realisiert wurde. Irgendwie ist man alt geworden und doch ist die Fragestellung dieselbe wie Jahre zuvor: wer bin ich und was möchte ich. Waren die gefällten Entscheidungen die richtigen? Hätten die Weichen zu einem Zeitpunkt anders gestellt werden können? Ist es zu spät für Veränderungen, für einen Kurswechsel, mit über sechzig Jahren?

Der Debütroman der siebzigjährigen Autorin Anne Youngson erzählt eindrücklich und feinfühlig den Briefwechsel zwischen Tina und Anders. Die beiden kennen sich nicht. Weil Tina einen Brief an den Professor schreibt, welcher vor über fünfzig Jahren ein Buch über eine dänische Moorleiche verfasst hat und Anders an seiner Stelle antwortet, entwickelt sich nach und nach ein intensiver Briefwechsel.

In jungen Jahren waren Tina und ihre Freundin Bella fasziniert vom Tollund-Mann. Die über zweitausend jährige dänische Moorleiche. Damals, als junge Mädchen, wie auch später als Erwachsene nahmen sie sich immer wieder vor, nach Dänemark zu reisen und sich diesen Mann aus dem Moor, den Tollund-Mann, anzusehen. Die Zeit verging und das Vorhaben wurde stets verschoben. Das Leben kam dazwischen. Nun ist Bella nicht mehr da und Tina erinnert sich an die Pläne und Träume aus jener Zeit. Über fünfzig Jahre später schreibt sie nun dem Professor des Museums einen Brief. In diesem greift sie Gedanken zum Leben auf und stellt Fragen zu Professor Glob’s Erkenntnissen in Bezug auf das Leben.
Wie sich herausstellt, lebt der Professor nicht mehr. An seiner statt antwortet der Kurator auf Tina’s Brief. Das ist der Anfang eines wunderbaren, geistreichen Briefwechsels. Immer intensiver und persönlicher werden Gedanken und Erfahrungen ausgetauscht. Immer vertrauter werden sich Tina und Anders, obwohl sie sich noch nie begegnet sind. Sie stellen mit grosser Freude fest, dass sie über dieselben Fragen nachdenken. Dass ihre Wertvorstellungen übereinstimmen. Ungeduldig werden die jeweiligen Antworten erwartet. Nach wie vor geht Tina davon aus, dass sie irgendwann einmal nach Dänemark zum Tollund-Mann reisen wird. Nur wann, das bleibt die Frage.

Der Autorin ist es gelungen, in dieser Geschichte die jeweiligen Leben der beiden Briefeschreiber in feinen Worten aufzuzeigen. Tina, festgefahren im täglichen Einerlei als englische Farmersfrau stellt sich immer wieder die Frage, ob das alles war, ob sie irgendwann einmal die Weichen in ihrem Leben hätte anders stellen können. Anders, der dänische Kurator, welcher nach dem Tod seiner Frau für sich keine Zukunft sieht, lebt zurückgezogen und für seine Arbeit. Die Schreibenden stellen durch den Briefwechsel fest, dass es da jemanden gibt, der sich die gleichen Gedanken über das Leben macht. Erst zaghaft und dann immer persönlicher werden die Gedankengänge formuliert. Gross ist die Freude, dass es jemanden gibt, der versteht. Beruhigend die gemeinsame Erkenntnis und die Bestätigung, dass in ihren Leben die Zeit nicht verschwendet wurde. Auch wenn einiges anders hätte laufen können. Wie schön es ist, das Wissen zu teilen, dass es ist wie es ist und dass das so gut ist. Wunderbar zu lesen. Herrlich zu spüren, wie das Verbundenheitsgefühl zwischen Tina und Anders mit jedem Brief wächst. Purer Lesegenuss!

„Das Versprechen, dich zu finden“ ist der Debütroman der siebzigjährigen Anne Youngson. Nachdem sie in Frührente ging, begann sie als Beraterin für Schulen zu arbeiten. Sie studierte kreatives Schreiben und verfasste einige Sachbücher. Momentan macht Anne Youngson ihren Doktor an der Oxford Brookes University.

Monika Wenger, November 2018

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