Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer von Alex Capus

Buchvorstellungund Rezension

Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer von Alex CapusDer Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer von Alex Capus

Originalausgabe erschienen 2013 bei Carl Hanser.

Bibliographische Angaben

  • München: Carl Hanser, 2013.ISBN: 978-3-446-24327-9.288 Seiten.
    • [Hörbuch] München: Der Hörverlag, 2013.Gesprochen von Ulrich Noethen.vollständige Lesung.ISBN: 3844511970.6 CDs.

    'Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer' ist erschienen alserschienen als HCals TB nicht erhältlicherschienen als CD

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    In Kürze:

    Von drei Helden wider Willen erzählt Alex Capus in seinem neuen Roman: Vom Pazifisten Felix Bloch, der nach 1933 in den USA beim Bau der Atombombe hilft. Von Laura d’Oriano, die Sängerin werden will und als alliierte Spionin in Italien endet. Und von Emile Gilliéron, der mit Schliemann nach Troja reist und zum größten Kunstfälscher aller Zeiten wird. Nur einmal können die drei einander begegnet sein: im November 1924 am Hauptbahnhof Zürich. Doch ihre Wege bleiben auf eigentümliche Weise miteinander verbunden. Capus treibt seinen Erzählstil des faktentreuen Träumens zu neuer Meisterschaft. Heiter und elegant, lakonisch und zart folgt der Erfolgsautor aus der Schweiz den exakt recherchierten Lebensläufen seiner Helden.

    Das meint Belletristik-Couch.de: »Drei Schicksale, drei Gedankenspielereien«87Treffer

    Rezension von Rita Dell´Agnese

    Sie hätten sich begegnen können. Einmal in ihrem Leben. Im Jahr 1924 auf dem Bahnhof in Zürich. Doch der Moment blieb ungenutzt und das Schicksal hat die drei Protagonisten in Alex Capus´ Roman Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer nicht zusammen geführt. Obwohl Capus das sehr genau deklariert, wird der Leser das ganze Buch über darauf hoffen, dass es doch noch zur Begegnung kommt. Denn auch wenn die drei Personen nichts miteinander zu tun haben, so bilden sie doch eine Einheit. Sie, das sind die gescheiterte Sängerin Laura d’Oriano, der Künstler Emile Gilliéron und der Atomphysiker Felix Bloch, teilen eine Besonderheit: Das Schicksal hat ihnen allen sehr spezielle Lebenswege zugedacht. Und alle drei bewegen sich in einer Grauzone. Capus Erzähltalent und seine Bereitschaft, ungewohnte Aspekte einzubringen, machen den Roman zu einem besonderen Erlebnis.

    Es braucht zunächst allerdings erst mal etwas Geduld, um sich nicht nur an den Erzählstil zu gewöhnen, sondern auch den drei verschiedenen Strängen zu folgen. Capus jongliert mit den drei Lebenswegen – allerdings macht er das höchst geschickt, so dass es keine Mühe bereit, sich immer wieder auf eine neue Situation und Sichtweise einzulassen und auch Genuss in der Abwechslung zu finden. Scheinbar mühelos vermag der Autor seine Leser durch einen Wirrwarr von Szenen zu führen und ihnen den Eindruck zu vermitteln, stets mit den jeweiligen Figuren mitzugehen und ihre momentanen Erlebnisse auf eine Art zu teilen, die sie zu Mitwissern macht. Ohne auf die Gefühlswelt seiner Figuren gezielt einzugehen, vermittelt Capus sehr viel Empathie. Die Entscheidungen der Figuren können gut nachvollzogen werden, wenn auch da und dort der Leser gerne eingreifen würde, um eine Fehlentscheidung zu verhindern.

    Capus´ Stärke ist die Ambivalenz seiner Figuren. In der gewählten Konstellation kann er diese Stärke voll ausleben und seine Protagonisten auf einem rutschigen Parkett tanzen lassen, ohne dass sie ihre Ausstrahlung verlieren würden. Es mag durchaus sein, dass nicht jeder Leser mit allen drei Figuren gleichermaßen klar kommt. Doch wird jeder mindestens mit einer der Persönlichkeiten mitleben und dabei die anderen als Bereicherung empfinden können. Denn die Geschichten sind so aufgebaut, dass sie auch als Einzelschicksale funktionieren, obwohl sie ihre volle Kraft erst im Zusammenspiel entfalten können. Der Perspektivenwechsel, die unterschiedliche Lebenssituation und die drei starken, wenngleich so unterschiedlichen Persönlichkeiten spielen wunderbar ineinander.

    Die niemals verklärende, immer faktenreiche und detailtreue aber nicht zu üppige Schilderung Capus’ bietet einigen Lesegenuss. Nicht ganz einfachen Lesegenuss zwar, aber dafür einen außergewöhnlichen. Sowohl die Gedankenspielerei mit der möglichen Begegnung der drei Protagonisten als auch die sehr gelungene Wiedergabe der Mechanismen, wie sie nur ein grausamer Krieg mit sich bringen kann, sind würzige Beigaben, die das ganze Gericht weit über das Gewöhnliche hinaus heben und ihm eine besondere Note verleihen.

    Leider hat die wunderbare Erzählung auch ihre Schwachpunkte. Einer davon ist der knappe Raum, der Capus seinen Figuren einräumen kann. Man hätte viel mehr als gerade mal knapp 300 Seiten vertragen und wäre wohl gerne dem einen oder anderen Thema noch etwas ausführlicher gefolgt. Ob es ein Stilmittel von Alex Capus ist, sich so knapp zu halten – oder es eine Vorgabe war, den Roman nicht ausufern zu lassen, sei dahin gestellt. Letztlich ist es jedoch ein gutes Zeichen, ein Buch mit dem Gedanken wegzulegen, man hätte sich gerne noch wesentlich länger mit den Protagonisten auseinander gesetzt, als dies möglich gewesen war.

    Capus schenkt seinem Publikum mit diesem Roman eine aussergewöhnliche Unterhaltung mit Tiefgang. Fiktion und Recherche vereinen sich hier zu einem ausgesprochen fein gesponnen Netz, in dem der Leser gefangen ist, sobald er die ersten Zeilen gelesen hat.

    Rita Dell´Agnese, Oktober 2013

    Ihre Meinung zu »Alex Capus: Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer«

    Mohnblume zu »Alex Capus: Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer«22.12.2014
    Ein Roman der zum Nachdenken anregt !

    Die Ganze Geschichte besteht für mich aus vielen Puzzleteilchen die sich nach und nach zu einer großen und Imposanten Geschichte zusammenfügen.

    Es handelt sich hier und die Biographie von drei Jungen Menschen,
    die sich für einen kurzen Augenblick im November 1924 durch Blicke aufeinander treffen und sich nie mehr begegnen sollen. Es geht um ihre Lebenswege , Träume und Schicksale und doch haben sie alle drei nichts gemeinsam außer vielleicht ihren Träumen.
    Den jeder von ihnen hat einen Traum .
    Emile Träumt von einem Haus am Genfer See , doch erbegleitet Schliemann auf seinen vielen Ausgrabungreisen , als Maler wird bekannt und endet als Fälscher.

    Auch Laura d`Oriano , die als 13 Jährige davon träumt einmal eine bekannte Sängerin zu werden und sieht sich schon audf den großen Brettern der Welt zu stehen. Sie möchte nicht wie ihre Familie zur Marionette werden , die man hin und her schiebt. Doch ihr Schicksal meint es anders , ihre Träume als Sängerin begräbt sie und wird zur Spionin , sie besitzt eine gute Beobachtungsgabe und Gedächtnis.

    Felix Bloch der Maschinenbau studiert hat einen großen Traum,
    er möchte was nützliches Erfinden , nichts was zur Zerstörrung dient und den Weltfrieden gefährdet Aber auch hier meint es das Schicksal anders , er fängt Physick an zu Studieren . Er flieht vor den Nazis nach Amerika und hilft beim Bau der Atombombe unter Oppermann mit , was nie sein Traum war . Doch letztendich durch sein Wissen erfindet er doch noch etwas was der Menschheit dient und noch viele Menschenlenen retten wird , es ist die Magnetresonanztomographie.
    Er erhielt 1952 den Nobelpreis für Physik.

    Alex Capus erzählt die Ganze Geschichte aus der Betrachtung des Erzählers heraus. Er gibt uns Einblicke in die Lebensläufe von Emile, Laura und Felix die nicht unterschiedlicher sein könnten.
    Wir ihre Lebenswege beginnen und wie sie enden. Wie sie versuchen ihre Schiksale zu meistern und Ihre Träume zu realisieren.
    Ob ihenen das gelingt und jeder daraus das beste macht möchte ich nicht verraten dann wäre die ganze schöne Spannung dahin.

    "Für mich ein großartiger , Lehreicher und Geschichtlicher Roman.
    Facettenreich , tiefbewgend und voller Atmosphärischer Spannung."
    Nuigurumi zu »Alex Capus: Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer«13.11.2014
    Alex Capus gibt in diesem Roman drei mehr oder weniger bekannten historischen Persönlichkeiten eine Stimme, wobei er sich, basierend auf den über sie bekannten Fakten, ausdenkt, wie das Leben dieser drei Personen ausgesehen haben könnte und was sie gedacht und bewegt haben könnten.

    Felix Bloch wollte nach seinen Erfahrungen mit dem ersten Weltkrieg als Kind nie in irgendeiner Weise am Krieg beteiligt werden – doch letztendlich war er am Bau der Atombombe beteiligt. Laura d'Oriano wollte eigentlich nur singen und Spaß am Leben haben, ohne sich eingeengt zu fühlen – und wurde am Ende als Spionin hingerichtet. Emile Gilliéron erbt das Zeichentalent seines Vaters, der von Heinrich Schliemann als archäologischer Zeichner entdeckt wurde, und führt dessen Arbeit bei Ausgrabungen auf Kreta fort.

    Die Lektüre dieses Buches hat mich etwas ratlos zurückgelassen, da ich den roten Faden vermisst habe, der die drei Personen verbindet. Außer dass sie sich alle drei zum gleichen Zeitpunkt im November 1924 auf dem Bahnhof in Zürich aufgehalten haben könnten – wobei Laura und Emile auch nur durchgefahren sind – haben sie nichts gemeinsam. Am Anfang dachte ich, dass das Schicksal von allen drei durch den Nationalsozialismus beeinflusst worden sein könnte, aber das ist bei Emile nicht der Fall. Überhaupt scheint Emilie nicht zu Felix und Laura zu passen, zumal er auch viel älter ist. In der Buchbeschreibung des Verlages heißt es "Doch ihre Wege bleiben auf eigentümliche Weise miteinander verbunden". Davon habe ich nichts gemerkt und das hat mir gefehlt.

    Für mich ist das Buch kein Roman, sondern eher drei Kurzgeschichten, die nicht, wie es üblich ist, nacheinander, sondern parallel erzählt werden. Aber da Alex Capus ein begnadeter Erzähler ist, der mich wahrscheinlich sogar mit der Beschreibung eines Staus auf der Autobahn begeistern könnte, ist das Buch wunderschön zu lesen und ich habe die Lektüre selbst sehr genossen – nur danach bin ich ins Grübeln gekommen…
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