Die verborgene Bibliothek von Alberto Manguel

Buchvorstellungund Rezension

 deutsche Ausgabe erstmals 2018.

Bibliographische Angaben

    • Berlin: S. Fischer, 2018.ISBN: 978-3-10-397369-3.192 Seiten.

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    Das meint Belletristik-Couch.de: Von Alexandria nach Buenos Aires und um die Welt80

    Rezension von Sebastian Riemann

    Die Bibliothek von Alberto Manugel ist groß und umfangreich. Ebenso sein Wissen um die Literatur und seine Liebe für die Bücher. Regale mit Büchern zu füllen ist für ihn kein Akt der Raumordnung oder Aufbewahrung, sondern eine emotionale Angelegenheit. Als er sein Haus in Frankreich verlassen musste und sich der Aufgabe gegenüber sah, seine Bibliothek abzubauen, in Kisten zu verstauen und an anderem Ort wieder zusammenzusetzen, nahm er dieses Ereignis als Anlass sich mit seiner Liebe für Bücher in schriftlicher Form erneut auseinanderzusetzen. Er schrieb eine Elegie und zehn Abschweifungen zum Thema.

    Manguel ist ein Egoist in Bücherbelangen, er leiht sich nicht gerne Bücher aus, da es ihm schwerfällt, sie wieder zurückzugeben. Besitzen muss er sie, nur für sich, und sie mit niemandem teilen. Sie müssen sein Eigen sein. Teil seiner privaten Sammlung werden. Man müsste über ihn sagen, er sei ein schlechter Nutzer der Bibliotheken. Schließlich können diese nur ihre Funktion ausüben, wenn die ausgeliehenen Bücher zurückgegeben werden. Aber wichtiger als ein guter Nutzer der Bibliothek ist ein guter Direktor der Bibliothek. Und genau das wurde Alberto Manguel, als er sein Leben in Frankreich aufräumte und zusammenpackte. Er siedelte nach Buenos Aires über, um dort eine besonders prestigereiche Stelle anzunehmen. Als Direktor der Nationalbibliothek. Die Stelle, die einst Jorge Luis Borges innehatte, der große Buchliebhaber und fantasievolle Schriftsteller der argentinischen Hauptstadt.

    Als Junge verbrachte Alberto Manguel mehrere Jahre in Buenos Aires und hatte eine besondere Beziehung zu Borges. In einer Zeit, da der große Denker sein Augenlicht verlor, war es der junge Alberto Manguel, der den älteren Borges zuhause bei seiner Mutter besuchte und seine Freizeit damit verbrachte, dem erblindenden Mann vorzulesen. Es war, so sollte sich Jahre und Jahrzehnte später herausstellen, die Übergabe der Fackel an die nächste Generation. Manguel sollte seinem Vorbild folgen, in seine Fußstapfen treten als literaturverliebter Schriftsteller und als Direktor der Nationalbibliothek.

    Aus seiner vielseitigen und vielschichtigen Bildung schöpft Manguel beim Erzählen und Abschweifen. Dabei findet natürlich die Bibliothek von Alexandria ihren Weg ins Buch, es wird über ihre Errichtung berichtet und über ihren Untergang spekuliert, viel wichtiger aber ist die emotionale Beziehung, die den Leser Manguel mit der legendären Büchersammlung verbindet. Mit Hingabe und Leidenschaft erzählt er von der berühmtesten Bibliothek der Weltgeschichte und bekennt mit einem Seufzer, dass es ein Segen sei, nicht zu wissen, welch wunderbare Werke damals in den Flammen verloren gingen. Wüsste man es, wäre der Schmerz vielleicht zu groß und mächtig, als das man ihn ertragen könnte.

    Anekdoten zu Shakespeare und Kafka fehlen selbstverständlich nicht in dieser leichten Textsammlung. Auch alte griechische Philosophen treten auf und unterhalten den Leser. Es ist ein unterhaltsames Gemenge aus Gedanken Manguels, Beispielen der Literaturgeschichte und Bibliotheksvergleichen. Dabei wird eine große Breite an Themen abgedeckt, die von der architektonischen Schönheit der Bibliotheksgebäude über die wohltuende Wirkung von Rachefantasien bis hin zu der Unmöglichkeit der Sprache und dem kreativen Ursprung literarischen Schaffens reicht. Der Autor behandelt keine Themenkomplexe in den einzelnen Kapiteln, sondern lässt sich von einem anfänglichen Gedanken inspirieren und dann von den weiteren Gedanken davontragen. Es sind wahrhaftig Abschweifungen. Wohl formulierte, leicht zugängliche und aufschlussreiche Abschweifungen. Sie leben von der Eleganz der Manguelschen Sprache und seiner unerschöpflichen Neugierde.

    Chinesische Wörterbücher, Bibel, Talmud und Koran, sie alle verheißen viel und dürfen deshalb nicht fehlen in der verborgenen Bibliothek, die weite Bogen spannt und den Leser nicht zur Ruhe kommen lässt. Immer wieder springt der Gedanke des Autors hinüber in ein neuen Themenbereich, nimmt den Leser mit und lässt ihn ob der kunstfertigen und leichten Zusammenhänge staunen.

    Sebastian Riemann, August 2018

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