Rendezvous mit einem Oktopus von Sy Montgomery

Buchvorstellungund Rezension

Rendezvous mit einem Oktopus von Sy Montgomery

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Bibliographische Angaben

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In Kürze:

Er kann 1600 Küsse auf einmal verteilen, er kann mit seiner Haut schmecken, Farbe und Form ändern und sich trotz eines Körpergewichts von 45 Kilogramm durch eine apfelsinengroße Öffnung zwängen: der Oktopus. Und nicht nur seine körperlichen Superkräfte machen den Achtarmigen zu einem Wunderwesen der Meere. Kraken sind vor allem schlau. Sie können tricksen, spielen, lernen, sie können Menschen erkennen und Kontakt aufnehmen. In ihrem preisgekrönten Buch erzählt die Naturforscherin Sy Montgomery auf berührende, kenntnisreiche, unterhaltsame Weise von ihren Begegnungen mit diesen außergewöhnlichen Tieren und wirft eine bemerkenswerte Frage auf: Haben Kraken ein Bewusstsein?

Das meint Belletristik-Couch.de: »Beeindruckendes Mysterium«80

Rezension von Sebastian Riemann

Acht Arme mit unzähligen Saugnäpfen wirken sehr befremdlich. Wie ein großes, unheimliches Gewusel. Ein unkontrollierbares und unverständliches Durcheinander, das sich um alles und jeden schlingen kann, der ihm zu nahe kommt, und mit sich auf den Grund des Ozeans ziehen kann. Ein Monster im schlimmsten Fall. Ein bizarrer Meeresbewohner im besten Fall. Der Oktopus ist uns nicht vertraut. Er verwirrt uns, fasziniert und erschreckt uns. Wir können ihn nicht einordnen. Von Verstehen kann keine Rede sein. Sein ganzes Wesen ist uns fremd, deshalb empfinden wir ihn oft als abstoßend oder bedrohlich. Früher erzählten sich die Seemänner Geschichten über verlorene Schiffe, die von Riesenkraken angegriffen und zerstört wurden. Der Oktopus schien direkt aus der Hölle der Tiefsee zu kommen. Sy Montgomery empfindet jedoch keine Scheu vor den ungewöhnlichen Tieren. Sie ist fasziniert von ihnen und will sie besser verstehen, will ihnen näher kommen, anstatt vor ihnen zu fliehen. Also begibt sie sich ins Aquarium und macht sich mit Athena, einem weiblichen pazifischen Riesenkraken, vertraut. Vorsichtig berührt sie die Oktopusdame und schaut ihr in die Augen. Es ist, daran besteht kein Zweifel, Liebe auf den ersten Blick. Die Autorin ist vollkommen bezaubert.

Rendezvous mit einem Oktopus ist der Bericht einer Zuneigung. In acht Kapiteln erzählt Montgomery von ihrer Faszination für die achtarmigen Weichtiere. Dabei bringt sie verschiedene Formen des Erzählens zusammen. Auf der einen Seite begleitet der Leser sie bei ihren Fahrten in das Aquarium, lernt dort die Angestellten und Praktikanten kennen, die sich für die Meeresbewohner begeistern, und erfährt, wie die Begegnungen mit den Oktopussen verlaufen. Die Autorin schildert dabei ausführlich ihre eigenen Emotionen, aber auch die Reaktionen der Kraken, die sich mal langsam, mal schnell den Menschen am Beckenrand nähern, die zum Spielen aufgelegt sind, die Gäste eingehend berühren und schmecken, und manchmal ein wenig übermütig werden und versuchen, einen besonders sympathischen Vertreter der Menschheit ins eigene Becken zu ziehen. Die Oktopusse schauen ihr Gegenüber an, während sie mit den Saugnäpfen die Arme abtasten, und verändern ihre Farbe je nach Gefühlslage. Insofern ist jede Begegnung mit ihnen ein vielschichtiges Schauspiel. Dabei wird dem Leser schnell bewusst, wie einzigartig doch die Persönlichkeit eines Kraken sein kann, wie sehr er sich von anderen Artgenossen unterscheiden und wie seine Stimmung sich von Tag zu Tag, aber auch mit den Jahren verändern kann. Die Berichte des Kennenlernens sind durchaus lebendig und verleihen dem Buch eine ganz besondere Note, da sie das Erleben nacherzählen und die mysteriösen Meeresbewohner erfahrbar machen. Ergänzt werden diese Beschreibungen durch wissenschaftliche Informationen, die dem einfachen Leser das Wesen des Oktopus näherbringen sollen. Ihr Körper wird erklärt. Denn neben den acht Armen hat der Kraken noch viele andere Merkmale, die uns staunen lassen. So schlagen in seinem weichen Körper drei Herzen und sein Gehirn ist wie ein Gürtel angelegt. Seine Arme sind mehr als nur Werkzeuge einer zentralen Schaltstelle, sie sind in gewissem Maße autonom und können unabhängig voneinander agieren. Natürlich werden auch viele andere Bewohner des Aquariums von der Autorin benannt und so findet man sich als Leser des öfteren mit dem Gesicht vor dem Telefon und nicht im Buch, auf der Suche nach Bildern zu diesem oder jenem Lebewesen, von dem man noch nie zuvor gehört hat. Man staunt und erfährt vielerlei neues. Schließlich handelt es sich bei dem Buch nicht um Fachliteratur, sondern um den Bericht einer interessierten Frau, die sich vornahm, dem Mysterium Oktopus nachzugehen. Man begleitet sie, lässt sich von ihrer Neugier anstecken und kann zusammen mit ihr in romantischen Ideen schwelgen.

Sy Montgomery versucht sich in ihrem Buch einer schwierigen Frage anzunehmen, einer Frage, die in wissenschaftlichen Kreisen verpönt ist. Wie ist es, ein Oktopus zu sein? Wie sehen sie die Welt, wie fühlen sie und was denken sie? Die Wissenschaft lehnt diese Fragen ab, da man sich ihnen nur auf spekulative Art nähern kann. Und genau das macht Montgomery in ihrem Buch. Immer wieder versucht sie, in das Denken ihrer achtarmigen Freunde einzutauchen. Natürlich lehnt sie sich dabei weit aus dem Fenster und schießt des öfteren weit über ihr Ziel hinaus. Aber darin besteht der Charme dieses Buchs, das nicht so sehr erklären und argumentieren möchte, sondern den Zauber der Oktopusse zum Leser bringen möchte. Es ist eine meeresbiologische Liebeserklärung.

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