Während die Welt schlief von Susan Abulhawa

Buchvorstellungund Rezension

Während die Welt schlief von Susan Abulhawa

Originalausgabe erschienen 2010 unter dem Titel Mornings in Jenin, deutsche Ausgabe erstmals 2011 bei Diana.

Bibliographische Angaben

  • New York: Bloomsbury, 2010 unter dem Titel Mornings in Jenin.Unter dem Titel `The scar of David` bereits 2006 veröffentlicht.331 Seiten.
  • München : Diana, 2011.Übersetzt von Stefanie Fahrner .ISBN: 978-3-453-29105-8.431 Seiten.

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In Kürze:

Jenin im Blumenmonat April: Früh morgens, bevor die Welt um sie herum erwacht, liest Amals Vater ihr aus den Werken großer Dichter vor. Es sind Momente des Friedens und der Hoffnung, die Amal ihr Leben lang im Herzen trägt  ein Leben, das stets geprägt ist vom scheinbar ausweglosen Konflikt zweier Nationen.

Seit Generationen leben die Abulhijas als Olivenbauern in dem idyllischen Dorf Ein Hod. Ihr Leben ist friedlich  bis 1948 die Zionisten den Staat Israel ausrufen und sich alles verändert. Die Dorfbewohner werden mit Waffengewalt aus ihren Häusern vertrieben, müssen ihr Land, ihren Besitz und ihr Zuhause zurücklassen. Amal, geboren im Flüchtlingslager in Jenin, lernt die Heimat ihrer Vorväter nie kennen. Stattdessen erlebt sie Kriege, Gewalt und schreckliche Verluste, aber sie erfährt auch Freundschaft und Liebe in der Gemeinschaft der Vertriebenen. Weder Amal noch ihre Familie ahnen jedoch, wie eng ihr Schicksal und das von Israel und Palästina wirklich zusammenhängen &

Das meint Belletristik-Couch.de: »Feinde, Freunde und die Welt, in der wir leben«95Treffer

Rezension von Alina Mette

Während die Welt schlief ist eine mitreißende Familiengeschichte des 20. Jahrhunderts, mit realen politischen Ereignissen jedoch jenseits von politischen Stellungnahmen. Man durchlebt verschiedene Phasen der schwierigen Zeit mit den Familienmitgliedern im Nah-Ost-Konflikt über vier Generationen und erfährt aus der Innenansicht was Krieg für jeden Einzelnen bedeutet.

Es beginnt in einem Dorf Ein Hod. Die Familie Abuhija, stolze Landarbeiter die im Einklang und mit dem Auf und Ab von Ernte und Natur leben, müssen am eigenen Leibe erfahren, wie Fremde im eigenen Land behandelt zu werden. Sie werden von den Juden vertrieben und müssen ihre Heimat verlassen. Die Protagonistin und Tochter der Familie, Amal, wird im Flüchtlingslager geboren und lernt die Heimat ihrer Eltern nie kennen. Amal und ihr Bruder Yusuf müssen bald und schon viel zu früh lernen, was es bedeutet geliebte Menschen zu verlieren, in Angst zu leben und mit einer Mutter zurecht zu kommen, die ihnen nicht das geben kann, was sie so sehr braucht: Liebe. Amal hasst sie dafür. Ihre Mutter, einst eine starke Frau, hat den Lebensmut und ihre Stärke verloren. Während der politischen Unruhen wurde sie ihres Sohnes Ismael beraubt und das zermürbt sie innerlich. Zu ihrem Vater hat Amal eine ganz besondere Beziehung, der ihr die fehlende Anerkennung der Mutter schenkt und jeden Morgen mit ihr alleine die frühen Morgenstunden bei Sonnenaufgang und mit Poesie verbringt.

Wunderbar verknüpft wird die Geschichte der Palästinenser und der Juden durch Amals älteren Bruder. Ismael, der in einer Zeit der Angst und Unruhe den liebenden Armen seiner Mutter entrissen wurde, wird von einer jüdischen Familie, die das Kind wegen eigener Kinderlosigkeit gestohlen hatte, großgezogen. Doch David (Ismael) steht im Kampf seinem eigenen Bruder Yusuf gegenüber, den er aufgrund der großen Narbe auf seiner Wange erkennt. Eigentlich sind sie Feinde. Die Narbe Davids gibt die Chance, dass sich alles verändert.

Eine tiefbewegende und traurige Geschichte, bei der man hofft, dass das Leid ein Ende hat. Aber auch eine Geschichte über Verbundenheit und Nähe zwischen Eltern und ihren Kindern, Geschwistern und Freunden in Zeiten, in denen dem Menschen alles, auch das Kostbarste was er hat, genommen wird.

Das Leben jedes Einzelnen, ob Palästinenser oder Jude kann durch die detailreiche Erzählung verstanden werden und das Gegenüberstehen der Brüder im Krieg lässt das Klischeedenken und das Ergreifen einer Position mitsamt ihren Vorurteilen versinken.

Eintauchen kann man in diese fremden Welten leicht durch den zarten, poetischen und sehr feinfühligen Schreibstil Susan Abulhawas. Mit ihrer Erzählung über Feinde und Freunde die durch ihre inneren Widersprüche und Verzweiflung ein authentisches Bild verzweifelter und geplagter Menschen zeigen, gelingt der Autorin ein wahrhaft mitreißendes Meisterwerk einer Familiengeschichte.

Alina Mette, September 2011

Ihre Meinung zu »Susan Abulhawa: Während die Welt schlief«

Hannah zu »Susan Abulhawa: Während die Welt schlief«21.04.2017
Man kann von der Autorin sicher keine Objektivität erwarten, das war mir klar, als ich mit der Lektüre begann. Aber was hier geschrieben wird, ist einfach zuviel. Nicht nur, dass mit keinem Wort der nicht unbeträchtliche Beitrag der arabischen Seite zur Situation erwähnt wird (oder wenn, dann nur als Heldentaten) - es wird einfach jedes Klischee bedient. Alles war wunderbar rosarot - und dann wurde Israel gegründet und wir wurden alle vertrieben. Und die Schuld liegt natürlich bei Israel - oder noch besser bei den Juden auf der ganzen Welt.Man kann sich darüber streiten, ob die Gründung des Staates Israel eine gute Idee war oder nicht. Keine Frage auch, dass Israel sehr viele schreckliche Fehler begangen hat und in vielen Punkten völlig uneinsichtig ist. Israel hat aber den Krieg 1948 nicht angefangen, und 1967 sind sie den Aegyptern einfach zuvorgekommen. Bestimmt ist es in beiden Kriegen auch zu Vertreibungen gekommen. Die meisten Palästinenser sind jedoch geflüchtet, im festen Glauben, dass sie nach dem Krieg ins befreite Palästina zurückkehren würden. Hätte ja auch fast geklappt, und 1973 nochmal beinahe (Jom Kippur-Krieg). Die damals nicht geflüchteten Araber wurden in Israel kurzerhand eingebürgert, deshalb ist ARabisch auch offiziell zweite Landessprache.Die ständigen Attacken von arabischer Seite werden im Buch genauso wenig erwähnt wie das bewusste Schüren des Judenhasses und die Glorifizierung des Märtyrertodes.Es ist mir klar, dass das Buch nur eine Seite beschreibt, und zwar so, wie es den Kindern halt erzählt wird. Vieles davon stimmt einfach nicht, oder ist mindestens nicht vollständig. Kennen wir doch aus unserem Geschichtsunterricht auch, oder? Das dies auf israelischer Seite auch funktioniert, ist auch klar. Und solange es auf beiden Seiten Spinner und Fanatiker gibt - und die auch noch in der Regierung sitzen - wird sich an der Situation auch nichts ändern.Da ich selber je zur Hälfte jüdisch und moslemisch bin (ja, das funktioniert - meine Eltern sind das beste Beispiel dafür), kann ich beide Seiten verstehen. Und dann auch wieder nicht. Man muss einander ja nicht unbedingt lieben - aber es würde genügen, wenn man sich gegenseitig einfach akzeptieren und in Ruhe lassen würde.
Sumpfwirt zu »Susan Abulhawa: Während die Welt schlief«15.01.2017
Ein Roman, der offensichtlich bewegt.Nur: Einer ROMAN-Schriftstellerin vorzuwerfen, unausgewogen, einseitig und emotional (!) zu sein, ist einfach lächerlich.
Ein Roman darf Partei ergreifen und auch - politisch - aufwecken, emotional sein! Ein Roman ist ein Roman!
Was haben wir im Westen in unseren Medien und Schulbüchern über die israelische Staatsgründung und den palästinensischen Widerstand gelesen und gelernt? Da gab und gibt es doch nur die heldenhaft kämpfenden Juden, die nur ihre Heimat verteidigen, und die bösen arabischen Terroristen, bei denen das anscheinend schon genetisch bedingt zu sein scheint. Da ist es mehr als befreiend und aufklärend, dass Abulhawas Roman hilft, diese Sichtweise zu Fall zu bringen. Und wieder einmal die Erkenntnis: Hinter dem wirklich Bösen, das sich Menschen auf diesem Planeten gegenseitig antun, steckt die Überbewertung der eigenen Religion.
Den deutschen Titel finde ich unpassend: Die Welt hat nicht geschlafen. Sie hat zugeschaut, weggeschaut, mitgemischt, versagt.
Warum trotzdem "nur" 90 Punkte? Über weite Strecken war der Erzählstil für meine nicht-arabische Seele doch zu poetisch-lyrisch-blumig.
Wicki zu »Susan Abulhawa: Während die Welt schlief«16.12.2015
Was für ein wunderbares Buch, so einfühlsam und voller Verständnis für beide Seiten. Ich bin selber ein Kríegskind (1936 in Hannover geboren) und habe immer auf der Seite der Juden gestanden, aber nach der Lektüre dieses Buches sehe ich vieles anders. Ich frage mich immer wieder, warum Menschen sich solche Grausamkeiten antun, auch in der heutigen Zeit hat sich nichts geändert, dabei könnten wir alle doch friedlich auf dieser Erde leben. Ich bete, daß irgendwann endlich Frieden einkehrt.... überall auf der Welt ...
JoKo zu »Susan Abulhawa: Während die Welt schlief«22.12.2014
Das Buch " Während die Welt schlief", ist zwar ein Roman mit fiktiven Personen, das Leben der Palästinenser, das in dieser Geschichte erzählt wird, ist aber leider Realität. Ein Land, das von der Welt vergessen wurde, das soviel Leid und Grausamkeit erleben musste, dass wir als Europäer es uns kaum vorstellen können.

Die Geschichte des Landes Palästina wird aus der Sicht einer in einem Flüchtlingslager namens Jenin geborenen Araberin erzählt. Amal beginnt ihre Erzählung in einem kleinen Ort, Ein Hod, das seit Jahrhunderten in Besitz seiner Einwohner ist. Ein blühendes Land, in dem die Orangen kindskopfgroß sind und die Olivenernte in jedem Jahr gut ausfällt. Die Menschen leben im Einvernehmen mit Allah, der einen Großteil ihren Alltags bestimmt. Bis 1948 die Zionisten den Staat Israel gründen. Die Einwohner Ein Hods werden mit Waffengewalt aus ihren Häusern vertrieben und müssen ihr Land und ihren gesamten Besitz zurücklassen. In einem Flüchlingslager in Jenin wird Amal als drittes Kind ihrer Familie geboren. Der mittlere Bruder verschwand während der Flucht und dies hat das Herz ihrer Mutter für immer erstarren lassen. Für Amal ist ein Leben der Vertreibung und Gewalt alltäglich. Sie darf das Land ihrer Ahnen nie kennen lernen, das ihre Eltern in den schönsten Farben beschreiben. Ihr Leben ist bestimmt durch Flucht und Vertreibung, die sie sogar nach Amerika führt.

Beim Lesen dieses Buches sind mir mehr als einmal die Tränen gekommen und ich habe mich immer wieder gefragt, wie Menschen so etwas aushalten können. Mit welchem Recht anektiert Israel diese Landstriche und fühlt sich dabei auch noch im Recht. Und warum schaut die Welt zu, auch wir? Amal schreibt in ihrer Geschichte " An uns wird die Rache für den Holocaust vollzogen", aber warum? Dieses Volk kann doch wirklich nichts dafür und dass sich ein Volk, das so grausam behandelt wird wehrt, ist doch auch mehr als verständlich, obwohl so die Spirale der Gewalt nie ein Ende findet.

Susan Abulhawa schreibt ihre Geschichte in einer wunderbar blumigen Sprache, wie sie den Arabern wohl eigen ist. Diese wundervolle Art zu schreiben lässt die Gräultaten nicht weniger erscheinen, legt aber eine gewisse Sanftheit über das Geschriebene, das einem manchmal den Atem raubt. Soviel Verlust, den diese Menschen ertragen mussten und dabei denke ich nicht an materielle Dinge, ist unmenschlich. Genau dieses Gefühl kommt im Leser hoch, wenn er dieses Buch liest und man bewundert die Leute für ihren Mut und ihr Durchhaltevermögen. Ich habe mit den Personen dieser Geschichte mit gelitten, habe mich mit ihnen gefreut und die Gemeinschaft, die unter den Vertriebenen herrschte, als Balsam für ihre Wunden erlebt. Es war trotz aller schrecklichen Geschehnisse ein wunderschönes Erlebnis der Freundschaft von Huda und Amal bei zu wohnen und ihre Lebenswege zu begleiten, die von der Autorin wunderbar empathisch beschrieben wurden.

Das Thema Nahost-Konflikt ist seit über 60 Jahren immer wiederkehrendes Thema in den Medien. Sind wir deshalb so abgestumpft gegenüber dem Leid dieser Menschen, weil es für uns schon zur Alltäglichkeit geworden ist darüber zu hören? Susan Abdulhawa rüttelt auf mit ihrem Buch und ich kann dieses Buch jedem empfehlen, der glaubt, die kleinen Alltagsprobleme würden das Leben schwer machen. Mein Respekt gilt diesen Menschen, die fast jeden Tag um das nackte Überleben kämpfen müssen. Dieses Buch wird sich fest in mein Herz und mein Gedächtnis graben.

Mehr als empfehlenswert.
Müller Caroline zu »Susan Abulhawa: Während die Welt schlief«15.09.2014
Selten habe ich so ein erschütterndes Buch über die Vertreibung und das tiefe Elend palästinensischer Menschen gelesen. Mir war nicht bewusst gewesen, was dort in der Gründerzeit Israels und danach mit den dort verwurzelten Menschen passierte.
So passt der Titel "wärend die Welt schlief" sehr gut. Die Welt schaut immer noch weg, auch verständlich angesichts der Hilflosigkeit nicht wirklich helfen zu können. Aber auch wieder unverständlich angesichts des Meeres von Leid dort.
Ich weinte viel während des lesens. Es erschütterte mich tief. Ich gab mir selbst das Versprechen nicht mehr nach Israel zu reisen - was ich liebte und wo ich auch Menschen kenne,
bis es Gleichheit und Frieden zwischen Palästinensern und Israelis gibt. Das werde ich wohl nicht mehr erleben. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt......!
Regina zu »Susan Abulhawa: Während die Welt schlief«27.05.2014
Packendes Buch, das sicher nichts für Leute mit schwachen Nerven ist. Der detailfrohe Schreibstil der Autorin nimmt den Leser durch alle Höhen und Tiefen mit - ich habe noch nie während einer Lektüre so oft und viel weinen müssen, wie bei diesem Buch. Die Tragik ist ja gerade, dass diese Dinge nicht erfunden sind, sondern leider real geschehen. Das kann einen schonmal paar Tage umtreiben, aber ich finde es wichtig, dass die Leute über sowas nachdenken.
Ich würde sagen, es ist in jeder Hinsicht ein Geschenk an die Menschheit.
Achtung: Macht süchtig! Einmal festgelesen und man legt es nicht mehr aus der Hand…

Die Verkaufszahlen sprechen für sich: 2010 auf Deutsch erschienen und bislang 17 Auflagen…
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