Liebe ist die halbe Miete von Pia Kühn

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2018 bei Ullstein.

Bibliographische Angaben

  • Berlin: Ullstein, 2018.ISBN: 978-3-548-28971-7.288 Seiten.

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    Das meint Belletristik-Couch.de: Und ein einzelner Mann auf hundert Quadratmetern, während in Marzahn die Hochhäuser überquellen, das ist politisch falsch.50

    Rezension von Julian Hübecker

    Merle ist Anfang 30 und wohnt in einer WG. Doch sie will ihr Leben neu sortieren und nun auch in ihrer Beziehung einen neuen Schritt wagen: eine gemeinsame Wohnung. Doch was tun, wenn der Partner nicht mitzieht? Mit einem anderen Mann im Bett zu landen, ist wohl nicht die beste Lösung …

    Über eine WG, die Probleme schafft, und die Last des Erwachsenseins

    Wie ist es wohl, in einer WG zu leben? Wo unterschiedliche Menschen sich auf engstem Raum eine Wohnung teilen und ihre Marotten ertragen müssen? In Pia Kühns Erstlingswerk „Liebe ist die halbe Miete“ stellt sich Merle diese und viele weitere Fragen, wenn es darum geht, ihren Beruf, ihre Beziehung und ihre Mitbewohner unter einen Hut zu bekommen. Sie machen es ihr aber auch nicht leicht: der stets depressive Simon, der gegen den Kapitalismus kämpfende Dose sowie die unreife Tinia, die nur Partys und die ein oder andere Pille im Sinn hat. Einer alleine wäre da wohl leicht auszuhalten, aber in der Kombination ergeben sie eine explosive Mischung.

    Eigentlich kann Merle sich nicht beschweren – mit ihrem Freund David ist sie glücklich und wurde vor kurzem zur Konrektorin einer Grundschule befördert. Doch ganz so perfekt ist es nicht. Mit Anfang 30 entwickelt sie den Wunsch nach einer eigenen Familie. Doch David nimmt sie nicht ernst und weicht dem Thema geschickt aus. Anfangs noch gleichgültig gegenüber dieser Abfuhr, wird sie immer unzufriedener und es kommt wie es kommen muss: Sie landet im Bett mit jemand anderen. Ihr Leben scheint seitdem zunehmend aus den Fugen zu geraten – Simon und Tinia ignorieren und beschimpfen sich abwechselnd, da beide mit dem gleichen Typen im Bett waren; Dose legt sich mit der Hausverwaltung an, worauf diese versucht, die Mieter zugunsten einer Modernisierung aus der Wohnung zu drängen; und da wäre noch Philipp, der smarte Mieter über der WG, der sich doch als weniger arrogant herausstellt, als angenommen. Wie soll Merle ihr Leben wieder in vernünftige Bahnen lenken und mit all diesen Hindernissen klarkommen? Ob das Ablegen ihres pedantischen Charakters die richtige Lösung ist?

    Nervige Charaktere, leichter Plot

    „Liebe ist die halbe Miete“ ist ein locker leichtes Buch, das gut zu lesen ist und sich für einen sonnigen Tag im Liegestuhl eignet. Aufgrund der wenigen Seiten ist es sicherlich auch schnell auszulesen. Doch hat es mir darüber hinaus einen bleibenden Eindruck hinterlassen? Leider nur bedingt. Man wird schnell in die WG eingeführt und lernt die Charaktere mit ihren Macken kennen. Sind diese zu Anfang auch noch recht witzig, gehen die Figuren leider völlig darin unter. Dadurch wirken sie eindimensional und überspitzt. Die (sehr häufigen) Auseinandersetzungen steigerten sich oft ins Kindische. Merle als einziger vernünftig agierender Mensch hätte den Plot vorantreiben können, konnte sich jedoch nicht über die dominierenden WG-Mitbewohner hinwegsetzen. Vor allem Simon nahm für mich keine nennenswerte Rolle ein. Das ständige Genörgel wurde irgendwann ziemlich anstrengend. Ihn dann aber auch noch als depressiven Charakter vorzustellen, war beinahe geschmacklos. Denn Depressivität ist eine zu starke Bezeichnung für das schon lächerlich anmutende Schwarzsehen des Charakters. Das Ende war für mich dann noch die Krönung eines unorganisierten Plots.

    Trotz all der negativen Punkte mag das Buch dennoch andere Geschmäcker treffen. Solche, die gerne Chick-Lit lesen mit einer starken Protagonistin, die ihren Platz im Leben noch finden muss, die könnten Pia Kühns Roman lieben. Es ist auf jeden Fall einen Versuch wert.

    Julian Hübecker, Mai 2018

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