Der leichteste Fehler von Lisa Moore

Buchvorstellungund Rezension

Der leichteste Fehler von Lisa Moore

Originalausgabe erschienen 2013 unter dem Titel Caught, deutsche Ausgabe erstmals 2015 bei Carl Hanser.

Bibliographische Angaben

  • Toronto: Anasi, 2013 unter dem Titel Caught.368 Seiten.
  • München: Carl Hanser, 2015.Übersetzt von Kathrin Razum.ISBN: 978-3-446-24723-9.368 Seiten.

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Das meint Belletristik-Couch.de: Auf der Flucht trifft man viele interessante Leute71

Rezension von Sebastian Riemann

Slaney bricht aus dem Gefängnis aus. Er läuft so schnell er kann über die Felder, wirft sich ins hohe Gras, wenn die Scheinwerfer nach ihm suchen und ihm nahe kommen. Die Angst in ihm ist groß, er weiß, dass seine Chancen erfolgreich zu fliehen nicht sonderlich gut stehen. Die meisten Geflohenen werden noch in der ersten Nacht eingeholt und wieder zurückgebracht. Das weiß Slaney und daran muss er denken, während er immer weiter läuft, an die Polizeiwagen denkt, die sich auf den Weg machen, ihn zu suchen, und die Hunde, die seine Spur aufnehmen werden. Das Scheitern seines Versuches schwebt ihm vor Augen, steckt in seinem angespannten Herzen. In jedem Moment rechnet er mit seiner erneuten Festnahme. Seine Hoffnungen sind dünn und zerbrechlich wie eine Seifenblase. Eigentlich hat er keine Chance zu entkommen.

Doch Slaney hat Hilfe und schafft, was er kaum für möglich gehalten hat. Ein LKW-Fahrer nimmt ihn an der Landstraße mit und bringt ihn zu einem Versteck, welches im Voraus schon für ihn organisiert war. Er übersteht die erste Nacht, die vielleicht wichtigste Nacht auf seiner Flucht. Ihm helfen Menschen, die selbst einmal saßen oder jemanden kennen, der sitzt. Sie helfen aus Nächstenliebe und weil sie nicht daran glauben, dass jemand schlecht ist, nur weil er verurteilt wurde.

Nicht wegen eines Überfalls oder gar Mordes musste Slaney einsitzen, er ist ein harmloser, junger Mann. Sein Verbrechen bestand darin, großen Mengen Marihuana aus Kolumbien nach Kanada gebracht zu haben und sich dabei nicht besonders klug, sondern vielmehr dumm und unvorsichtig angestellt zu haben. Er und ein Freund hatten das Ganze geplant, hatten sich vorgestellt, wie reich sie sein würden nach nur einer erfolgreichen Fahrt. Sie waren jung und sahen zuerst die Möglichkeiten, die sich ihnen boten, während sie die Gefahren nicht ernst nahmen. Schließlich kamen sie aus liberalen Verhältnissen und konnten sich nicht vorstellen, dass es sonderlich schlimm sein sollte, Gras ins Land zu bringen. Noch im Gerichtssaal wirkten sie locker und siegessicher. Man würde ihnen ein wenig auf die Finger hauen, eine kleine Strafe erlassen und sie ziehen lassen, da waren sie sich sicher. Doch alles kam anders und sie wurden zu langen Haftstrafen verurteilt. Slaney ging in den Bau, sein Freund war auf Kaution draußen und verschwand von der Bildfläche.

Nach seinem Ausbruch will Slaney direkt dort weitermachen, wo er zuvor aufgehört hat. Er will eine große Ladung Gras nach Kanada bringen zusammen mit seinem Freund, der auf der Flucht ist und sich im Geschäft ein wenig auskennt. Immer noch will er auf einen Schlag reich werden, sich aller Sorgen entledigen und einer goldenen, unbeschwerten Zukunft entgegenschreiten. Aber natürlich ist das alles nicht so einfach. Die Polizei ist hinter ihm her, nicht nur die Uniformierten aus der Provinz des Gefängnisses, sondern vor allem die Drogenfahndung, die mit ganz anderen Methoden arbeitet und große Erfolge erzielen will. Auf Schritt und Tritt wird Slaney verfolgt, ohne dass er etwas davon erfährt. Vielleicht ahnt er etwas. Meistens jedoch benimmt er sich wenig professionell, genießt zu sehr das Leben und die neue Freiheit, vernachlässigt seine Deckung.

Die Geschichte von Slaney und seinen Fehlern ist als spannende Verfolgungsjagd angelegt, erzählt jedoch viel mehr. Die Autorin nutzt die Flucht des jungen Mannes, um ein Bild der Menschen zu zeichnen, die in jener Gegend Kanadas leben. Einfache und sympathische Leute, die nichts böses wollen, sich einander aushelfen, gerne zusammen etwas trinken oder einen Joint rauchen. Slaney hat keine großen Probleme am Straßenrand eine Mitfahrgelegenheit aufzutun und mit den Frauen hat er noch viel weniger Probleme.

Lisa Moore versteht es die einfache Freundlichkeit und die Unkompliziertheit der Leute darzustellen, während sie im Hintergrund langsam die Geschichte von Slaneys Flucht und seiner Verfolgung durch das Drogendezernat ausbaut. Bei all der Harmonie mag mitunter die Spannung sinken, aber der Leser wird belohnt durch einen sympathischen Protagonisten, der meistens mehr Glück als Verstand zu besitzen scheint.

Sebastian Riemann, November 2017

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