Was sie begehren von Kenneth Mackenzie

Buchvorstellungund Rezension

Was sie begehren von Kenneth Mackenzie

Originalausgabe erschienen 1937 unter dem Titel The young desire it, deutsche Ausgabe erstmals 2014 bei Hanser Berlin.

Bibliographische Angaben

  • London: Jonathan Cape, 1937 unter dem Titel The young desire it.352 Seiten.
  • Berlin: Hanser Berlin, 2014.Übersetzt von Viola Siegemund.ISBN: 978-3-446-24644-7.352 Seiten.

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In Kürze:

Charles Fox ist fünfzehn, als er dem Paradies entrissen wird. Er wuchs in Australien umgeben von unberührtem Buschland auf, doch nun beginnt sein neues Leben in einem Internat, wo Knaben zu Männern geformt werden sollen. Die Mitschüler drangsalieren ihn, Freundschaft findet er ausgerechnet bei einem Lehrer, der sich erotisch zu ihm hingezogen fühlt. Als er in den Ferien endlich wieder in die geliebte Natur eintaucht und der gleichaltrigen Margaret begegnet, spürt Charles zum ersten Mal ein großes, ungekanntes Verlangen. »Was sie begehren« ist ein Roman der ersten Liebe, der unvergleichlichen Intensität der Jugend. Als er 1937 erschien, wurde er zu einer Sensation. Jetzt endlich liegt er auf Deutsch vor.

Das meint Belletristik-Couch.de: »Das jugendliche Erblühen«70

Rezension von Sebastian Riemann

Auf ein Internat wird der 15 Jährige Charles Fox von seiner Mutter geschickt, damit er ein Mann wird, der später sein Auskommen in der Gesellschaft findet. Denn daheim, im australischen Niemandsland fernab der großen Städte, würde der begabte Jüngling seine Talente nicht entwickeln können, außerdem fehlt ihm dort ein männliches Vorbild, da der Vater schon verstorben ist. Im Internat hingegen wird er gebildet und geformt zu einem tüchtigen und klugen jungen Mann, der den Anforderungen der Zukunft gewachsen ist. Einfach wird es nicht für ihn, da er ohnehin ein eigensinniger Junge ist, der wenig mit den Gleichaltrigen gemein hat und sein bisheriges Leben zusammen mit der ruhigen Mutter verbracht hat.

Wie zu erwarten, wird das Internat eine harte Probe für Charles, der sich unter seinen Kommilitonen ganz und gar nicht wohl fühlt. Sie sind rau und grob, mitunter brutal, vertreiben sich die Zeit mit dem Malträtieren der schwächeren Jungen. Freunde sucht Charles unter ihnen nicht, vielmehr versucht er vor ihnen zu flüchten oder in ihrer Mitte unterzutauchen. Sie sind ihm eine Qual.

Das Leben im Internat ist geprägt vom Lernen, vom allgemeinen Lärm der Jugend und den Lehrern, die schrullig bis sympathisch sind. Charles ist bemüht ein guter Schüler zu sein und auch Freund der Lehrer, denn sie sind ihm näher und freundlicher gesinnt als seine Altersgenossen. Besonders der junge Lehrer Mr. Penworth, der sein Dasein in diesem australischen Internat, fernab der englischen Hochkultur, verflucht, hat es Charles angetan. Die beiden entwickeln schnell eine ungewöhnliche Freundschaft und helfen einander den Alltag zu ertragen. In den Ferien fährt Charles zur Mutter, aufs Land, vertreibt sich die Zeit mit dem Genuss der Natur, die er im Internat so vermisst, und lernt ein Mädchen kennen, welches ihn in seinen Bann schlägt. Zuerst weiß Charles nicht, wie ihm passiert, er ist verwirrt, da er vorher keinen Umgang mit dem anderen Geschlecht hatte, aber bald erkennt er die Anziehungskraft des Mädchens und sucht sie mit wild pochendem Herzen.

Der Internats-Roman von Mackenzie behandelt sehr ausführlich die inneren Erlebnisse des Jungen Charles, der langsam zum Mann wird und Neues in der Welt und in sich entdeckt. Mit vielen Details ausgeschmückt sind diese Erlebnisse, die zum einen das Zusammenleben im Internat, zum anderen die Natur und das Mädchen zum Gegenstand haben. Die Gefühle und Gedanken, beide verworren und chaotisch, bilden den Kern des Buches. Die Abneigung gegen das Internat, die Freundschaft zu Mr. Penworth, die Charles so viel bedeutet, die aber bald das Zulässige überschreitet, die neuen Gefühle für ein Mädchen, die Liebe zur reinen Natur: der Junge wird von allem bewegt.

Der Roman ist sehr einfühlsam und langsam, der Autor nimmt sich viel Zeit, um die inneren Konflikte und Entdeckungen darzustellen. Kleinste Regungen werden beachtet und verlehen diesem Buch eine ungewöhnliche Tiefe, können jedoch auch ermüdend wirken für den Leser, der ein verhaltenes Interesse am Thema Internat mitbringt. Die Handlung und die Themen sind schnell aufgenommen, wenig Überraschungen bietet der Text, der sich manchmal zu wiederholen scheint, da der Aufbau dem beständigen Wechsel von Semester und Ferien folgt.

Der Autor Kenneth Mackenzie teilt mit seinem Protagonisten einige biographische Eckpunkte. Er wuchs ebenfalls ohne Vater auf und ging auf ein Internat in Australien. Den vorliegenden Internats-Roman schrieb er im Alter von nur 23 Jahren. Die Erinnerungen an den Schulaufenthalt waren da sicherlich noch nicht verblasst. Es liegt also nahe, dass man in Charles Fox ein alter ego des Schriftstellers sieht und die detailreichen Beschreibungen nicht als feine Ausschmückungen nimmt, sondern als akribische Arbeit die eigenen Erlebnisse wiederzugeben. Ein interessanter Einblick mit viel Herz und Liebe zum Detail.

Sebastian Riemann, Juni 2015

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