Im Schatten das Licht von Jojo Moyes

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2009 unter dem Titel The Horse Dancer, deutsche Ausgabe erstmals 2017 bei Rowohlt Polaris.

Bibliographische Angaben

  • London: Hodder & Stoughton, 2009 unter dem Titel The Horse Dancer.576 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Polaris, 2017.Übersetzt von Silke Jellinghaus.ISBN: 978-3-499-26735-2.576 Seiten.

'Im Schatten das Licht' ist erschienen alsals HC nicht erhältlicherschienen als TBals CD nicht erhältlicherschienen als eBook

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In Kürze:

Sarah und ihren Großvater Henri verbindet die Liebe zu Pferden. Einst war Henri Dressurreiter, bis das Schicksal seine Karriere beendete. Täglich trainiert er Sarah und ihr Pferd. Als Henri jedoch einen Schlaganfall erleidet, bleibt seine vierzehnjährige Enkelin allein zurück …Natasha und ihren Exmann Mac verbindet nur noch wenig. Ihre Ehe ist gescheitert, doch bis das gemeinsame Haus verkauft ist, müssen sie sich miteinander arrangieren. Als zufällig Sarah in ihr Leben tritt, nehmen sie das verschlossene Mädchen als Pflegetochter bei sich auf. Und auf einmal müssen sich alle drei die Frage stellen: Was wollen sie füreinander sein, was verbindet sie, und was bedeutet das eigentlich: eine Familie sein?

Das meint Belletristik-Couch.de: »Träume leben, Verlust zulassen«85Treffer

Rezension von Rita Dell´Agnese

Ein Pferderoman! Selbst eingefleischte Jojo Moyes-Fans dürften zuerst einmal leer geschluckt und sich insgeheim die Frage gestellt haben, ob die Autorin eher Teenager ins Visier genommen hat. Denn auch die Protagonistin scheint zunächst eher zu einem Roman für Jugendliche zu passen. Im Zentrum steht die 14-jährige Sarah, die davon träumt, das zu erreichen, was ihr Großvater einst wollte: Teil des Cadre Noir zu sein – der besten Einrichtung für die Hohe Kunst der Pferdedressur. Einst hat Henri seine Karriere als hoffnungsvoller Dressurreiter beim Cadre Noir an den Nagel gehängt, um seiner großen Liebe nach England zu folgen. Nun lebt er mit seiner Enkelin alleine in einer bescheidenen Wohnung, seine Frau und seine Tochter sind bereits tot. Weil Sarah spürt, dass der alte Mann sich nichts sehnlicher wünscht, als zu erleben, dass seine Enkelin den gemeinsamen Traum nun verwirklicht, setzt sie alles auf eine Karte. Unter Henris Anleitung bildet sie ihren Hengst Boo aus. Er soll ihr Ticket ins Cadre Noir werden. Da trifft sie ein harter Schlag: Henri wird nach einem Schlagfanfall ins Krankenhaus eingeliefert. Sarah ist zu jung, um alleine zu wohnen und wird zu einer Pflegefamilie gebracht. Um Boo, den sie vor allen verheimlicht, weiter zu pflegen, schwänzt Sarah die Schule und versucht, sich durchzumogeln. Das kostet sie den Pflegeplatz. Sarah, die vor ihrer Platzierung eine Nacht bei dem jungen Paar Natasha und Mac verbracht hatte, das sich gerade trennen will, aber noch im gemeinsamen Haus wohnt, erreicht, dass sie zu den beiden zurück kann. Obwohl weder Natasha noch Mac die Situation gesucht hatten, versuchen sie, Sarah Boden unter den Füssen zu geben. Sie ahnen nicht, dass das Mädchen wegen Boo in eine schwierige Lage gerät und nur noch einen Weg sieht: So schnell wie möglich vom Cadre Noir aufgenommen zu werden. Dafür muss sie aber versuchen, nach Frankreich zu kommen.

Dem Leser – oder bei dieser Thematik wohl eher die Leserin – wird schnell klar, dass diese Geschichte weit weg von traditionellen Pferderomanen ist. Wohl spielt vordergründig Sarahs Verbundenheit mit ihrem Pferd Boo eine entscheidende Rolle: Ihre Liebe zu diesem Tier ist es, die sie dazu bringt, Hals über Kopf nach Frankreich aufzubrechen. Letztlich geht es jedoch um weit mehr: Es geht um Verlust, Loslassen können, auf den anderen zugehen. Es geht aber auch um Vertrauen und die Frage, wie weit man Hilfe zulassen kann und darf. Dabei betrifft das nicht nur das Mädchen Sarah, sondern auch Natasha und Mac, die es nicht geschafft haben, in einer Krisensituation aufeinander zuzugehen und sich dadurch gegenseitig das Vertrauen entzogen haben. Und hier ist auch der Kern des Romans: Er handelt von Menschen, die versuchen, mit ihrem eigenen Schmerz, ihren ganz tiefen Verletzungen und Problemen alleine fertig zu werden und sich durch dieses Verhalten so stark abschotten, dass sie den Menschen, die ihnen beistehen wollen, damit weh tun.

Jojo Moyes versteht es ausgezeichnet, Charaktere so aufzubauen, dass sie trotz Ecken und Kanten – oder möglicherweise gerade deshalb – nachvollziehbar bleiben und es möglich wird, sich mit ihnen zu identifizieren. Sarah handelt durchs Band weg wie eine 14-jährige. Sie wird von der Autorin weder zu einer Heldin hoch stilisiert, noch bekommt sie unbewusst erwachsene Züge verpasst. Natasha, die sich in ihre Karriere als Anwältin flüchtet, wirkt hart und unnahbar, kommt den Lesern aber trotzdem nahe. Und Mac, den man zunächst als großen Jungen wahrnimmt, zeigt nach und nach seine verletzte Seite, nutzt aber die Situation, um alte Verhaltensmuster zu durchbrechen. Durch die Konstellation der drei Figuren können alle Betroffenen an der Situation wachsen.

Natürlich baut Im Schatten des Lichts auch auf Klischees auf, die einige Entwicklungen vorweg nehmen. Angesichts der Tiefe der Geschichte, bei der es um so viel mehr geht, als nur um die vordergründige Handlung, mag man das aber verzeihen und nicht als starken Negativpunkt bewerten. Die Geschichte des Großvaters, an sich eine Nebenhandlung, die zwar einen Einfluss auf die aktuelle Situation hat, aber nicht im Zentrum steht, ist eine wesentliche Komponente, wenn es darum geht, weshalb sich Menschen für oder gegen etwas entscheiden und wie sie damit umgehen, wenn sie mit den Folgen dieser Entscheidung nicht glücklich werden können. Mit diesem Roman zeigt die Erfolgsautorin, dass sie ein breites Spektrum aufzuweisen hat und in der Lage ist, vielschichtige und überzeugende Geschichten so zu verpacken, dass sie sich süffig lesen und ebenso großen Unterhaltungswert haben, wie sie Tiefe aufweisen.

Rita Dell´Agnese, April 2017

Ihre Meinung zu »Jojo Moyes: Im Schatten das Licht«

Lesewurm04 zu »Jojo Moyes: Im Schatten das Licht«05.02.2017
Ey, neee, das Buch geht ja gar nicht. Hat mir "Ein ganzes halbes Jahr" noch mit seinem Kitsch gefallen, wurden die Bücher von Jojo Moyes mit jedem Buch kitschiger. "Im Schatten das Licht" das letzte Buch, was ich von Jojo Moyes gelesen habe. Es wird, wie die anderen auch, im Altenheim ausgesetzt, damit die ein oder andere Bewohnerin "Spaß" daran haben kann. Und an alle Fans von Jojo Moyes: Bitte seit mir nicht böse, daß mir die Bücher von ihr nicht mehr gefallen. Die Hauptsache ist, euch gefallen sie. Und das ist jetzt nicht ironisch gemeint, sondern ernst.
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