Alles, was ist von James Salter

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2013 unter dem Titel All that is, deutsche Ausgabe erstmals 2013 bei Berlin.

Bibliographische Angaben

  • New York: A. Knopf, 2013 unter dem Titel All that is.368 Seiten.
  • Berlin: Berlin, 2013.Übersetzt von Beatrice Howeg.ISBN: 978-3827011626.368 Seiten.
  • Berlin: Berlin, 2014.Übersetzt von Beatrice Howeg.ISBN: 978-3833309823.368 Seiten.

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In Kürze:

James Salter ist einer der großen amerikanischen Erzähler unserer Zeit, ein moderner Klassiker, und »Alles, was ist« ist eine Huldigung an das New York der fünfziger und sechziger Jahre, an ein freies, ungezügeltes Leben und die einst so glamouröse Welt der Bücher und der Literatur. Als Lieutenant Philip Bowman aus dem Pazifischen Krieg zurückkehrt, der Schlacht von Okinawa knapp entronnen, liegt das Leben endlich vor ihm. Er studiert, heuert bei einer Theaterzeitschrift an, beginnt für einen Verlag Manuskripte zu lesen. Alles scheint möglich in dem noch ungebändigten New York. Er wird Lektor in einem angesehenen Verlag, diniert mit Schriftstellern, und er lernt Vivian kennen, Vivian Amussen, das schöne unnahbare Mädchen aus dem Süden. Bowman heiratet und wird geschieden, er betrügt und wird betrogen. Seine Arbeit, seine Liebschaften, seine Träume, wie alles ihn berührt und über ihn hinweggeht. Nur ein kurzes Flackern zwischen Erinnerung und Vergessen – und doch: alles, was ist.

Das meint Belletristik-Couch.de: »Ein Leben lang suchen und genießen«88Treffer

Rezension von Sebastian Riemann

Philip Bowman nahm am Krieg im Pazifik teil, er war verwickelt in große Schlachten, die tausende Menschen in den Tod stürzten und den Lauf der Geschichte änderten. Sein Leben stand auf dem Spiel, viele Kameraden starben oder verschwanden von der Bildfläche, er aber überlebte und kehrte wohlbehalten an die Ostküste der Vereinigten Staaten zurück, um sein Leben zu leben. Ein Dasein in einer Wohlstandsgesellschaft, fern von allen essentiellen Bedrohungen, wie der Krieg sie darstellte, sondern voller Genüsse und Visionen.
Bowman, nach dem Krieg immer noch ein junger Mann mit allen Möglichkeiten, studierte und suchte sich dann eine Stelle als Lektor bei einem anspruchsvollen Verlag in New York. Bücher von hoher literarischer Qualität werden verlegt. Eine gut aussehende, junge Frau lernte er kennen, sie kam aus gutem Hause, eigentlich zu gut für ihn, und kurz darauf heirateten die beiden, auch wenn der reiche Vater der jungen Frau aus gutem Hause nicht viel übrig hat für den künftigen Schwiegersohn. Alles lief bestens, bis die Liebe nachließ und beide sich von einander entfernten. Die Scheidung folgte schnell und umstandslos. Die ganze Angelegenheit war ein Fehler gewesen, auf den man lieber nicht zurückschaute, stattdessen mit seinem eigenen Leben fortfährt, den Blick nach vorne richtet.

Philip Bowman und die Menschen um ihn herum legen der Liebe und den Beziehungen großen Wert bei, jedoch nichts Endgültiges. Es ist eine Zeit der gesellschaftlichen Veränderungen, auch wenn dies im Roman wenig Beachtung findet, viele Dinge ändern sich und auch Ideen über das richtige Leben und die Bedeutung von Ehe und Monogamie ändern sich. Deshalb war die Scheidung von Vivian, der jungen Frau aus gutem Hause, auch nicht dramatisch, sondern vielmehr ein notwendiger Schritt für beide, um den eigenen Weg weitergehen zu können. Die Ehe auf Zeit ist kein Scheitern, sondern die Frucht der Ungebundenheit und der Suche nach Erfüllung.

James Salter ist ein versierter Erzähler, der ohne Umschweife auskommt und über viele Seiten eine einfache, aber interessante Geschichte zu erzählen weiß. Mit Alles, was ist hat er einen Roman vorgelegt, der ohne Unterbrechungen ein ganzes Leben erzählt und die Wünsche seines Protagonisten so natürlich und selbstverständlich erscheinen lässt, dass man sie kaum wahrnimmt. Bowman sucht ständig nach dem Glück und vermag es auch wieder und wieder zu finden, mit anderen Frauen, die immer ihren Charme haben und ihn einzunehmen wissen.

Doch all das Tun von Bowman, das Suchen und Finden, ist umsonst, es kann seinem Leben keine Bedeutung geben, er eilt nur von einer erotischen Beziehung in die nächste, heiratet, kauft ein Haus, wirft wieder alles um. Die Ziellosigkeit in der Biographie ist kaum zu übersehen, der Protagonist strebt nach Genuss, ist sonst jedoch verloren. Der Krieg, mit dem das Buch beginnt und dessen Erinnerung am Ende auch wieder auftaucht, bildet dazu den Kontrast. Befehle ausführen und das eigene Leben schützen, solch simple Ziele wiegen schwerer als jedes gute Essen in einem teuren New Yorker Restaurant, als die Schönheit einer Frau, als das Verlegen und Unterstützen eines guten Buches. Bowman hatte als junger Mann die bedeutungsschwerste Zeit seines Lebens und war danach in der alltäglichen Welt angekommen, mit ihren Feinheiten, Moden und tausend Arten, sich die Zeit zu vertreiben. Er lebt gut und abwechslungsreich, eigentlich ist er ein beneidenswerter Mann, doch seine Haltlosigkeit – die ihm nicht bewusst wird – verhindert das wahre Glück, falls es derartiges gibt.

Doch Bowman ist nicht nur das Produkt seiner eigenen Biographie, sondern auch seiner Zeit, seine Mitmenschen, besonders die Frauen um ihn herum, verhalten sich ähnlich wie er, sind ungebunden, immer auf der Suche nach persönlichen Erfolgen und Genusserlebnissen. So muss der Protagonist mehrfach leiden, da sich Frauen von ihm abwenden, ihn betrügen oder ihn ausbeuten wollen.

Alles, was ist war ein hochgelobtes Alterswerk von James Salter, der bereits zahlreiche Romane verfasst hatte, in denen Krieg und auch das Verhältnis von Mann und Frau eingehend behandelt wurden. Im Alter von 88 Jahren konnte er aber mit dem vorliegenden Buch noch einmal die Öffentlichkeit überraschen, denn so konsequent und unverblümt über Lebensentwürfe zu schreiben, gesellschaftliche Ideale darzustellen, das hatte man von ihm nicht erwartet, nicht nach 35 Jahren Schreibpause, die er sich genommen hatte. Eine Sensation in Bezug auf sein Lebenswerk, aber auch allen Lesern zu empfehlen, die den Autor Salter nicht kennen, denn selten findet man so viel Reife und Nüchternheit in der Erzählung eines Lebens und einer Epoche.

Sebastian Riemann, Juni 2015

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