Schnellübersicht der aktuellen Belletristik-Couch

Frohburg von Guntram Vesper

Aktuelle Empfehlung: Frohburg

Man sollte seinen Sicherheitsgurt anlegen und noch einmal tief Luft holen, bevor man Frohburg liest, das bombastische Erzählwerk von Guntram Vesper, welches dieser Tage erschien und mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet wurde. Als Leser wird man schnell gefangen genommen und umher geworfen, durch Zeiten, Orte und allerlei Handlungen. Dabei hat man immer wieder das Gefühl den Überblick zu verlieren, bis man zu dem Punkt kommt, da man sich eingesteht, zu keinem Zeitpunkt einen Überblick gehabt zu haben. Und dann fängt der Spaß mit Frohburg erst richtig an.

Graphic Novel: Love Addict (Koren Shadmi)

Graphic Novel: Love Addict (Koren Shadmi)

K. ist Single, nach einer kurzen Beziehung, die für ihn schmerzhaft geendet hat, fällt es ihm schwer, neue Bekanntschaften zu knüpfen. Fremde Frauen ansprechen? Eine Horror-Vorstellung für den schüchternen jungen Mann. Bei seinem Kumpel und Mitbewohner Brian läuft es in diesem Bereich besser. Brian gibt ihm den Rat, sich einen Account bei Lovebug zuzulegen, einer angesagten Dating-Plattform. Immer tiefer gerät K. in den Sog des Dating-Dschungels, in dem er schon bald den Überblick zu verlieren scheint. Es scheint ganz gut bei ihm zu laufen, doch ist es das, was er wollte?

Weitere aktuelle Besprechungen auf der Belletristik-Couch:

Über uns der Himmel, unter uns das Meer von Jojo Moyes

Über uns der Himmel, unter uns das Meer (Jojo Moyes)

Von Australien aus werden über 600 Bräute auf die Reise geschickt. Sie sollen mit den Briten vereint werden, die in Übersee im Einsatz waren und dort das Mädchen ihres Lebens kennen lernten. Der Fokus der Autorin liegt dabei auf vier ganz unterschiedlichen Frauen, die das Schicksal in einer Kabine auf dem Flugzeugträger Viktoria zusammen geführt hat. Maggie, Avice und Jean reisen als australische Bräute zu ihren englischen Männern, die nach Kriegsende in die Heimat entlassen wurden. Frances hingegen hat ihren Dienst als Krankenschwester im Kriegslazarett beendet und ist auf dem Weg zurück nach England. Jede der vier Frauen hat Angst vor der Zukunft, jede geht damit anders um. Die 16-jährige Jean geht mit der unbekümmerten Sorglosigkeit an die Reise heran und muss schließlich einen hohen Preis für ihre Naivität zahlen. Die hochschwangere Margaret ist von Zweifeln zerfressen, ob es richtig war, ihre Familie zu verlassen, um Joe nach England zu folgen. Von Rita Dell'Agnese

Kleiner Versager von Gary Shteyngart

Kleiner Versager (Gary Shteyngart)

Igor ist sieben, als er mit seinen Eltern von Leningrad zum „Feind“ in die USA auswandert. Um nicht direkt durch seinen Namen als Ausländer aufzufallen, bekommt er von seinen Eltern fortan den Namen Gary verpasst, da sich dieser amerikanische Vorname noch am ehesten aus den Buchstaben seines eigenen Namens umformen ließ. Schon bald merkt Gary, der von seinen Eltern aufgrund seiner ständig laufenden Nase entweder „Rotznase“ oder durch seine kränkliche Gestalt, sein starkes Asthma und die vielen Ängste, die er mit sich trägt, „Kleiner Versager“ genannt wird, dass das Leben in Amerika kein Zuckerschlecken ist. Mit seinem russischen Pelzmantel, den abgetragenen Klamotten aus Kleidersäcken seiner Mitschüler und seinem zunächst schlechten Englisch wird er zur Zielscheibe seiner Mitschüler, was sich auch nicht bessert, als er das erste Schuljahr wiederholen muss. Von Kathrin Plett

Der Stift und das Papier von Hanns-Josef Ortheil

Der Stift und das Papier (Hanns-Josef Ortheil)

Niemand wurde von den Umständen zum Schriftsteller gemacht, so wie eine Schale vom Töpfer oder ein Schwert vom Schmied gemacht wurde. Der Mensch ist schließlich kein beliebig formbares Material, man kann ihn fördern und ein wenig verbiegen, aber letztendlich doch nicht in eine Form pressen. Den Werdegang eines Schriftstellers gibt es nicht. Nur eine Ausnahme gibt es: Hanns-Josef Ortheil. Der 1951 geborene Schriftsteller wurde wohl nicht als Schriftsteller geboren, aber doch schon in frühen Jahren nahm seine Entwicklung eine Richtung, die ihn zur Literatur bringen musste. Nicht gewollt, nicht gezwungen, sondern scheinbar ganz natürlich, um zu leben. Von Sebastian Riemann

Die Gestirne von Eleanor Catton

Die Gestirne (Eleanor Catton)

Am 27. Januar 1866 erreicht ein freundlicher Fremder, Walter Moody, mit der Bark Godspeed Neuseeland. In der Goldgräberstadt Hokitika mietet er sich im Crown Hotel ein. Er ist aufgewühlt von Geschehnissen während seiner Seereise und trifft in dieser Stimmung im Raucherzimmer des Hotels auf zwölf Männer, die sich anfangs verhalten, als hätten sie nichts miteinander zu schaffen. Thomas Balfour erzählt Moody von den Ereignissen, die sie hier zusammengeführt haben. Vor drei Wochen ist einer der reichsten Männer der Stadt verschwunden, nachdem er die Nacht mit einer Hure verbracht hatte. Die Hure wurde so gerade noch lebend aufgefunden. Jemand hatte ihr eine hohe Drogendosis verabreicht, und sie konnte sich an nichts erinnern. Von Almut Oetjen

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