Freedom Hospital von Hamid Sulaiman

Buchvorstellungund Rezension

Freedom Hospital von Hamid Sulaiman

 deutsche Ausgabe erstmals 2017.

Bibliographische Angaben

    • : Hanser, 2017.Übersetzt von Kai Pfeiffer.ISBN: 978-3-446-25508-1.288 Seiten.

    'Freedom Hospital' ist erschienen alsals HC nicht erhältlicherschienen als TBals CD nicht erhältlich

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    Das meint Belletristik-Couch.de: Alltag und Grauen70

    Rezension von Sebastian Riemann

    In Schwarz und Weiß, in einfachen Bildern erzählt Hamid Sulaiman eine Geschichte über den syrischen Bürgerkrieg und unternimmt dabei den schwierigen Versuch, dem Leser die Realität der Geschehnisse in seinem Heimatland zu erklären und nachvollziehbar zu machen. Eine schwere Aufgabe mit vielen Hürden, denn der Alltag und das Grauen sind kaum zu vermitteln. Der europäische Leser hat sich schon an die Nachrichten aus dem schrecklichsten Teil des mittleren Ostens gewöhnt, er ist schon der vielen Erwähnungen, der Zahlen und Namen überdrüssig, weiß er doch so wenig mit ihnen anzufangen.

    Es dreht sich alles um ein geheimes Krankenhaus, in dem Rebellen versorgt werden. Da in den staatlichen Krankenhäusern Agenten des Regimes unterwegs sind und hilflose Gegner töten, müssen die Aufständischen sich anders helfen. Sie müssen versteckte Stationen aufsuchen, um sich nach den Kampfhandlungen behandeln und versorgen zu lassen. Natürlich handelt es sich dabei nur um provisorische Einrichtungen, die nicht über die gleiche Ausstattung verfügen wie richtige Krankenhäuser, aber sie haben den Vorteil, dass motivierte, meist junge Ärzte und Ärztinnen dort arbeiten, die sich der Sache verschrieben haben und ihre Arbeit aus Überzeugung machen. Aufständische mit Skalpell und weißem Kittel. Sie bilden den Gegenentwurf zu den Soldaten des Regimes, die wild und wahllos töten, die Regeln der Mitmenschlichkeit auf grausamste Weise brechen. Die Ärzte und Ärztinnen opfern sich auf, um zu helfen und zu retten. Damit der Aufstand weitergehen kann und es immer wieder einen Morgen gibt, an dem der Kampf für Freiheit fortgesetzt werden kann.

    Yasmin leitet das Freedom Hospital, sie ist jung und gut ausgebildet und eine entschiedene Regimegegnerin. Sobald die Regierung gestürzt und die Revolution gewonnen ist, will sie in die USA und dort promovieren. Die Leitung des Krankenhauses ist in ihrer Vorstellung nur eine temporäre Angelegenheit, da sie beständig mit dem Fall der Regierung rechnet. In ein oder zwei Monaten wird es soweit sein, sagt sie sich und anderen immer wieder. Aber anstatt näher zu rücken, entschwindet der herbeigesehnte Sieg in große Ferne. Die Angriffe werden stärker und skrupelloser, aus einem Aufstand ist ein festgefahrener Krieg geworden, bei dem kein Ende absehbar ist.

    Das Buch zeigt zum einen das alltägliche Leben im Krankenhaus, das Miteinander beim Essen, kleine, harmlose Unterhaltungen, die sich nicht um den Krieg drehen, aber auch das wahre Gesicht des Grauens. Es werden Gliedmaßen amputiert und Hälse durchschnitten. Hinrichtungen werden gezeigt. Panzer schießen, Flugzeuge werfen Bomben ab. Jeden Tag sterben viele Menschen, wie der Leser es immer wieder lesen kann, sobald eine Szene im Buch beendet und eine neue begonnen wird. Sechs Tage und 731 Opfer später, steht es geschrieben und so wird die Zeit nicht wie bei uns nur in harmlosen Stunden gezählt, sondern auch in Menschenleben.

    In Zusammenarbeit mit einer Rebellengruppe versuchen Yasmin und ihr Team Gutes zu tun und dem Krieg eine entscheidende Wendung zu geben. Doch der Gegner wird mit jedem Tag größer und brutaler. Außerdem gelangen die Islamisten zu vorher nicht geahnter Macht. Ideale und Freunde werden verraten für neue Allianzen, andere Ideale und Mitstreiter.

    Der Autor des Buches, Hamid Sulaiman, floh selbst vor dem syrischen Bürgerkrieg im Jahr 2011. Mit Freedom Hospital will er seine Sicht der Dinge zum großen und undurchsichtigen Diskurs beisteuern, um den Lesern in Europa, wo er mittlerweile lebt, ein Bild von der Realität zu geben, die er selbst erlebt hat. Er will informieren und erzählen zugleich.

    Sebastian Riemann, September 2017

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