Die kleine Souvenirverkäuferin von François Lelord

Buchvorstellungund Rezension

Die kleine Souvenirverkäuferin von François LelordDie kleine Souvenirverkäuferin von François Lelord

Originalausgabe erschienen 2012 unter dem Titel La petite marchande des souvenirs, deutsche Ausgabe erstmals 2012 bei Piper.

Bibliographische Angaben

  • -: ?, 2012 unter dem Titel La petite marchande des souvenirs.288 Seiten.
  • Hamburg: Hörbuch Hamburg, 2012.Übersetzt von August Zirner.ISBN: 978-3869521084.4 Seiten.
  • München: Piper, 2012.Übersetzt von Ralf Pannowitsch.ISBN: 978-3-492-05490-4.288 Seiten.

'Die kleine Souvenirverkäuferin' ist erschienen alserschienen als HCals TB nicht erhältlicherschienen als CD

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In Kürze:

Hanoi in den 90er Jahren: Julien, ein junger Arzt aus Paris beginnt gerade, das durch den Bürgerkrieg zutiefst traumatisierte Land und seine Menschen ein wenig zu verstehen, da bricht ein tödliches Virus aus. Er macht sich unter Umgehung sämtlicher Gesetze in die entlegene Bergregion auf, in der das Fieber wütet. Doch kaum ist er fort, wird eine kleine Souvenirverkäuferin, die er allmorgendlich am See traf, verhaftet. Die Behörden sehen den Kontakt von Einheimischen zu Ausländern nicht gern. Eine Katastrophe, denn von dem Geld, das die junge Frau in ihr Dorf schickt, lebt ihre ganze Familie. Und wie soll Julien sie nach seiner Rückkehr wiederfinden.

Das meint Belletristik-Couch.de: »Liebe ohne Aussicht auf gemeinsame Zukunft«95Treffer

Rezension von Kathrin Plett

Nach der Reihe um den Psychiater Hector, der durch die Welt reist, um wichtige Fragen des Lebens zu klären, zeigt François Lelord mit »Die kleine Souvenirverkäuferin«, das er auch darüber hinaus in der Lage ist, interessante Romane zu schreiben. Wie auch in vielen seiner vorherigen Bücher nimmt er seine Leser mit auf Reisen und lässt sie in das Vietnam der 90er Jahre eintauchen. In ein Land, das sich durch Geschichte und Mentalität sehr von europäischen Ländern unterscheidet. Dorthin hat es den jungen Pariser Arzt Julien verschlagen, und als hätte er nicht schon genug damit zu tun, Sprache, Land und Kultur verstehen zu lernen, sieht er sich zwischen zwei Frauen, wobei sich zeigt, dass Liebe alles andere als einfach ist.

Julien arbeitet als französischer Arzt in Hanoi in Vietnam, als eine Epidemie ausbricht. Die Krankheit wirft viele Fragen auf und ist bislang unerkannt. Da man keine Erkenntnisse über Verlauf oder Ursache hat, beginnt er zusammen mit seiner englischen Kollegin Clea die Krankheit zu erforschen, wobei sie in einem Land wie Vietnam die Grenzen der Freiheit sehr schnell zu spüren bekommen, so dass ihre Möglichkeiten sehr begrenzt sind. Sie begeben sich auf eine Reise in ein abgelegenes Gebiet, indem es eine Vielzahl an Erkrankungen gibt. Julien fällt die Reise besonders schwer: Clea liebt ihn, sie ergeben für alle das perfekte Paar. Er hingegen ist in eine einheimische und sehr arme Souvenirverkäuferin verliebt, die ihm auf der Straße begegnete. Auch sie erwidert seine Liebe, doch es ist eine Liebe, die keine Aussicht auf eine gemeinsame Zukunft hat: Eine Liebe, die für beide unmöglich ist.

François Lelords neuer Roman lässt die Begeisterung des Autors für Asien und in diesem Fall für Vietnam spürbar werden. Lelord versteht es einmal mehr, Kultur und Mentalität der asiatischen Bevölkerung so in seine Geschichte einfließen zu lassen, dass auch der Leser in der Lage ist, den Zauber des Landes, den Lelord zweifellos versucht zu vermitteln, nachzuempfinden.

Lelord geht auf die Geschichte ein, erläutert sprachliche und kulturelle Besonderheiten auf eine Weise, die an keiner Stelle belehrend wirkt: Der Autor bindet sie verständlich und maßvoll in die Handlung ein. Sprachlich spielt er mit den fremden Ausdrücken, die in Namen und gängigen Redewendungen zum Vorschein kommen.

Die Story selbst erzählt die Geschichte Juliens. Julien, der in einem fremden Land mit einer unerklärlichen Krankheit konfrontiert wird und nicht nur die behördlichen Grenzen zwischen Europa und Vietnam zu spüren bekommt, sondern für ihn viel schlimmer, die Grenzen zwischen den Kulturen. Er weiß um die Liebe Cleas, die er schätzt und achtet, jedoch nicht liebt, und liebt selbst eine Souvenirverkäuferin, die am untersten Rand der Gesellschaft steht. Selbst normale Gespräche mit ihm können für sie schon gefährlich werden und Ächtung oder Strafen zur Folge haben. Julien liegen beide Frauen am Herzen, auf unterschiedliche Weise und auch wenn er sie  beide nicht verletzen will, scheint die Situation ausweglos.

Lelord beschreibt die Gefühle Juliens einfühlsam und empathisch. Der Leser kann an seiner Situation teilhaben, sich in ihn hineinversetzen und durchlebt mit ihm sein Gefühlschaos. Lelord gelingt es, beide Frauen so darzustellen, dass selbst der Leser weder für die eine, noch für die andere Partei ergreifen kann und auch er weder die Gefühle der einen, noch die der anderen verletzt sehen will. Man kann die innere Zerrissenheit nur zu gut spüren. Auch als Clea am rätselhaften Erreger erkrankt, wird das Chaos deutlich, welches in Julien existiert. Doch auch nach Cleas Tod scheinen die Grenzen unüberwindbar und Julien scheint der Mut zu fehlen, sich über die von außen gesetzten Grenzen zu stellen.

Lelords Roman erscheint zunächst anders, als seine vorhergehenden Romane. Er beinhaltet nicht die für Lelord typischen Thesen, die Hector im Laufe seiner Reise zu einem Thema sammelt und die auch als eine Art Botschaft an den Leser gesehen werden können. Und dennoch: Auch in diesem Buch finden sich versteckte Nachrichten, die zwar weniger offensichtlich, aber dennoch vorhanden sind und sich wieder um die Liebe drehen.

Behutsamer und gefühlvoller als sonst, zeigt der studierte Psychiater und heutige Autor Lelord auch dieses Mal wieder, welche Bestandteile des Lebens für ihn wichtig sind und zum Glück und zur Zufriedenheit beitragen. Darüber hinaus gelingt ihm nicht zuletzt durch die spannende Handlung, der drohenden Gefahr der Epidemie und der nervenaufreibenden Ursachensuche, eine packende und abwechslungsreiche Geschichte, die außerdem in eine den meisten wohl eher unbekannte Welt einführt.

Ein gelungener und empfehlenswerter Roman, der Tiefe besitzt und seine Leser nachhaltig zu beschäftigen versteht.

Kathrin Plett, Mai 2012

 

 

Ihre Meinung zu »François Lelord: Die kleine Souvenirverkäuferin«

kritikaster zu »François Lelord: Die kleine Souvenirverkäuferin«20.03.2017
wenn jemand sich nicht entscheiden kann, ob er nun die geschichte der französischen kolonialzeit in vietnam, eine abhandlung über eine neu entdeckte seuche oder tatsächlich einen liebesroman schreiben will, als der er verkauft wird, dann wird es einfach nur fad und langatmig. über das land erfährt man nicht mehr, als dass es dort schöne kolonialbauten und landschaft gibt und unüberhörbar klingt die vermeintliche überlegenheit der "weissen" im text durch. offenbar sind vietnamesen für den autor farbige. warum die liebe zu der kleinen souvenirverkäuferin unmöglich sein soll, bleibt rätselhaft. ein ziemlich langweiliges buch, das einen wünschen lässt, der autor sei bei seinen medizinischen leisten geblieben und hätte uns diesen langweiligen roman erspart.
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