The Girls von Emma Cline

Buchvorstellungund Rezension

The Girls von Emma ClineThe Girls von Emma Cline

Originalausgabe erschienen 2016 unter dem Titel The Girls, deutsche Ausgabe erstmals 2016 bei Carl Hanser.

Bibliographische Angaben

  • New York: Random House, 2016 unter dem Titel The Girls.352 Seiten.
  • München: Carl Hanser, 2016.Übersetzt von Nikolaus Stingl.ISBN: 978-3-446-25268-4.352 Seiten.
  • [Hörbuch] Hamburg: HörbuchHamburg, 2016.Gesprochen von Suzanne von Borsody.ungekürzte Ausgabe.352 CDs.

'The Girls' ist erschienen alserschienen als HCals TB nicht erhältlicherschienen als CDerschienen als eBook

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In Kürze:

Kalifornien, 1969. Evie Boyd ist vierzehn und möchte unbedingt gesehen werden aber weder die frisch geschiedenen Eltern noch ihre einzige Freundin beachten sie. Doch dann, an einem der endlosen Sommertage, begegnet sie ihnen: den »Girls«. Das Haar, lang und unfrisiert. Die ausgefransten Kleider. Ihr lautes, freies Lachen. Unter ihnen ist auch die ältere Suzanne, der Evie verfällt. Mit ihnen zieht sie zu Russell, einem Typ wie Charles Manson, dessen Ranch tief in den Hügeln liegt. Gerüchte von Sex, wilden Partys, Einzelne, die plötzlich ausreißen. Evie gibt sich der Vision grenzenloser Liebe hin und merkt nicht, wie der Moment naht, der ihr Leben mit Gewalt für immer zerstören könnte.

Das meint Belletristik-Couch.de: »Faszinierende Reise in die Vergangenheit«85Treffer

Rezension von Rita Dell´Agnese

Evie ist 14 und muss gerade miterleben, wie sich ihre Welt in Luft auflöst. Der Junge, für den sie schwärmte, zieht mit seiner Liebe weg. Evies beste Freundin wendet sich von ihr ab. Und mit dem neuen Freund seiner Mutter kommt der Teenager auch nicht klar. Da trifft Evie auf Suzanne. Sie ist fasziniert von der jungen Frau, die ein Leben außerhalb jeder gesellschaftlichen Ordnung führt. Es ist Sommer 1969 und die Kommune, in der Suzanne lebt, entspricht einem neu aufgekommenen Zeitgeist. Obwohl Suzanne wenig Interesse an Evie zeigt, sucht das Mädchen ihre Nähe. Suzanne und die anderen Mädchen der Kommune sind eine Art Rettungsanker für Evie, die sich einsam und ausgeschlossen gefühlt hat. Ohne Hemmungen lässt sich Evie vom Leben auf dem heruntergekommenen Hof einnehmen. Sie, die Tochter aus einem relativ wohlhabenden Haus, erlebt eine völlig neue Welt. Auch als Evie den charismatischen Anführer Russel kennen lernt, kann sie sich dem Reiz des Neuen nicht entziehen, obwohl sie mit Russel zunächst nicht richtig warm werden kann. Dass er mit all den Mädchen auf dem Hof abwechslungsweise schläft, verstört Evie. Das Mädchen klammert sich an Suzanne, baut eine Art Liebe zu der verwegenen Frau auf, die ständig Grenzen überschreitet und alles in Frage stellt, was Evies Welt bisher ausgemacht hat. Noch während Evie versucht, auf dem Hof Fuß zu fassen und sich dem sektiererischen Leben zu unterwerfen, passiert Schreckliches. Viele Jahre später versucht Evie, die Ereignisse von damals einzuordnen – einsam und in fast allem gescheitert blickt die alternde Evie zurück und beginnt vieles aufzuarbeiten.

Die Autorin Emma Cline ist mit Jahrgang 1989 kein Kind der 60er Jahre, ja, hat nicht annähernd den Zeitgeist der späten 60er und 70er Jahre mitbekommen. Dennoch schafft sie es, genau diese Zeit auferstehen zu lassen. Sie nimmt ihre Leserinnen und Leser mit auf die Reise in die Vergangenheit. Das ungebundene Leben in der Kommune, frei ausgelebte Erotik und das Auflehnen gegen jede Norm sind im Roman The Girls wunderbar festgehalten. Dass Emma Cline für die Geschichte eine 14jährige Protagonistin gewählt hat, ist ein geschickter Schachzug. Die an der Schwelle zum erwachsen werden stehende Evie ist ein wunderbares Mittel, einen verhältnismäßig naiven Blick auf die Situation zu werfen und dann – konfrontiert mit einer weniger berauschenden Wirklichkeit – zu versuchen, sich einzuordnen oder vielmehr noch unterzuordnen. Russel als durchgeknallter Egomane, der es fertig bringt, die Mädchen in der Kommune wie einen Harem für sich zu nutzen, ist sehr gut skizziert. Auch die undurchsichtige Suzanne, die deutlich macht, wie lästig ihr Evie an sich fällt und sich doch in der verzehrenden Liebe der 14jährigen zu sonnen, ist sehr gut getroffen. Emma Cline hat ein Gespür für die Charakterzeichnung, hat es geschafft, die Leser zu einem Teil der Geschehnisse zu machen.

Ob es die Geschichte der älteren Evie tatsächlich brauchen würde, um die Geschichte aus dem Jahr 1969 zu erzählen, sei dahin gestellt. Von der Faszination der Story ist in diesen Sequenzen nicht viel zu spüren. Die ernüchterte und vereinsamte Frau wirkt zu statisch, zu verbittert, um an die junge Evie anknüpfen zu können. Damit geht aber viel vom Zauber des Romans verloren. Dennoch bleibt Emma Clines Geschichte überzeugend. Auch die Einarbeitung der Geschehnisse rund um die Morde der Bande von Charles Manson ist geglückt. Zwar mag sich der eine oder andere Leser etwas betrogen fühlen, bekommt Manson doch im Klappentext mehr Gewicht zugesprochen, als dann tatsächlich im Roman zu finden ist, doch entschädigt der sehr gut aufgebaute Roman für vieles.

Emma Cline hat mit The Girls eine steile Vorlage geliefert. Ihr Schreibstil ist süffig, der Aufbau des Romans geglückt und die Geschichte stark. Ob sie mit weiteren Werken daran anknüpfen kann, wird die Zukunft zeigen. Wer aber The Girls gelesen hat, dürfte auf jeden Fall gespannt darauf sein, was als nächstes aus der Feder dieser Autorin fließt.

Rita Dell´Agnese, Februar 2017

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