Liebe Leserinnen und Leser,

wir begrüßen Sie zu einer ungewöhnlichen Ausgabe der Belletristik-Couch, in der Sie auf Protagonisten stoßen werden, mit denen Sie nicht gerechnet haben und die Sie überraschen werden. Unser Buch des Monats stammt von Ian McEwan und wird von einem Erzähler an den Leser gebracht, der noch im Inneren seiner Mutter auf seine Geburt wartet. Bevor er das Licht der Welt erblickt hat, schickt sich der Kleine an uns in Nussschale von seinen Problemen und Zukunftsängsten zu berichten, verursacht natürlich durch seine Eltern, denen das Verantwortungsbewusstsein für ihr Kind abhanden gekommen ist und die lieber ihren eigenen Plänen nachgehen, auch wenn sie in direktem Gegensatz zum Wohl des Kindes stehen. Sie geben dem Ungeborenen wirklich viel Anlass zur Sorge, da mag ihn auch der beständige Zufluss an Wein nicht dauerhaft besänftigen. Sorgsam lauscht er auf jedes Geräusch in seiner Umgebung, hört den Unterhaltungen der Erwachsenen zu und stößt dabei auf unlautere Absichten, die auch den Leser, der den kleinen Erzähler in den Mutterbauch begleitet, aufhören lassen. Wieder einmal zeigt McEwan, dass er zu unterhalten weiß, er beeindruckt sein Publikum mit diesem ungewöhnlichen Protagonisten und der daraus resultierenden Perspektive.

Ganz anderer Art ist die Faszination, die vom Erzähler im Bahnhof von Plön ausgeht. Das neue Buch von Christopher Ecker überrascht die Leser mit einem merkwürdig sturen und willenlosen Mann, der sich zur Arbeit schleppt, ohne zu fragen seine Aufträge ausführt und den Rest seines Daseins beständig im Alkohol ertränkt. Dabei kommt es zu bizarren Szenen und fragwürdigen Vorstellungen. Dem Leser wird ordentlich der Kopf gewaschen, die unterschiedlichen Handlungsstränge werfen viele Fragen auf und bringen Zweifel hervor. Im Interview mit der Belletristik-Couch äußert sich der Autor zu seinem neuen Buch und dem so schwierigen Protagonisten darin. Ein wahrhaft erhellendes Gespräch, das jedem Freund der Eckerschen Literatur empfohlen sei.

Einem besonders bekannten und verehrten Mann widmet sich einer unserer Buchtipps. Es handelt sich um eine Biographie Thomas Manns, die den großen Schriftsteller in seiner Vielfältigkeit und auch als öffentlich Person zu beschreiben weiß. Das Ganze liest sich wie ein Roman, schwärmt unsere Rezensentin Rita Dell´Agnese und legt jedem Leser die Lektüre von Die Manns ans Herz.

Außerdem finden Sie in unserer neuen Ausgabe das aktuelle Buch der Bestsellerautorin Jojo Moyes, Im Schatten das Licht, eine Geschichte über die Verhältnisse im kommunistischen Finnland (Es waren Habichte in der Luft), eine andere über die Umwälzungen während der Revolution im Iran und noch viele andere Geschichten mit einem Mann im Zoo, einem untergehenden Kaiserreich …

Viel Spaß beim Stöbern und Lesen
wünscht Ihnen

Ihr

Sebastian Riemann