Liebe Leserinnen und liebe Leser,

Diktaturen sind nicht verlegen, sich Feinde im Inneren und nach Außen zu machen, vielmehr suchen sie den Konflikt, den Kampf um Macht und die Meinungshoheit. Die Unterdrückung Andersdenkender ist dabei essentiell, um den eigenen Anspruch durchzusetzen. Zwei beeindruckende Bücher stellen wir Ihnen diesen Monat vor, die sich mit dem Leben und Leiden in Diktaturen beschäftigen. Die Armut einer großen Familie wird in Der Neunte durch die Eigenwilligkeit eines Vaters erzwungen, der sich nicht dem Kádár-Regime im Ungarn der 60er Jahre anbiedern will, sondern gegen alle Widerstände das eigene Auskommen sucht. Ein Streben gegen Uniformität, gekonnt aus der Perspektive eines der Kinder der Familie erzählt, wodurch die Auswirkungen im Alltag erkenntlich werden und dem Leser eine besondere Einsicht ermöglichen, die er in keinem Geschichtsbuch findet. Ferenc Barnás´ erster Roman in deutscher Übersetzung überzeugte unsere Rezensentin Claire Schmartz und ist unser Buch des Monats.

Unter unseren Empfehlungen für den Juni befindet sich ein weiterer Roman, der sich dem Auflehnen widmet. Anna Seghers´ Das siebte Kreuz ist ein Klassiker und ein Kampfbuch, welches zum Widerstand und zur Rebellion auffordert. Es beschreibt die Flucht eines Lagerinsassen, der die Allmacht der NS-Diktatur herausfordert und dabei auf vielerlei Anstifter und Verängstigte trifft, die Teil seiner Flucht werden und sich gegenüber einem Individuum und dem Staatsapparat entscheiden müssen. Ein packendes Buch, neu aufgelegt vom Aufbau Verlag, begleitet von einem Band Illustrationen, und einer unserer Tipps.

Julia Jessen, bekannt aus verschiedenen Fernsehproduktionen, hat sich nun als Autorin versucht und konnte unsere Rezensentin Kathrin Plett von ihrem Können überzeugen. Alles wird hell ist der Name des Debüts, welches das Leben von Oda erzählt, einer Person, die man durch Kindheit und Reife begleitet, bis zum Tod. Liebe und Verlust spielen große Rollen in diesem bewegenden Buch, welches packend und unterhaltsam ist, da es den üblichen Kreislauf des Lebens beschreibt, der uns allen gemein ist.

Des Weiteren finden Sie in unserer aktuellen Ausgabe das viel gelobte Alterswerk des amerikanischen Schriftstellers James Salter, der mit Alles, was ist noch einmal für Furore sorgen konnte, sowie deutsch-israelische Geschichten in Wir vergessen nicht, wir gehen tanzen, und in unserer Rubrik Graphic Novel stellt Ihnen Kathrin Plett diesen Monat das Buch Richtung vor, ein sehr ungewöhnliches Werk auf unserer Belletristik-Couch, da es völlig ohne Worte auskommt.

Viel Spaß beim Stöbern und Entdecken wünscht Ihnen

Ihr

Sebastian Riemann