Mann im Zoo von David Garnett

Buchvorstellungund Rezension

Mann im Zoo von David GarnettMann im Zoo von David Garnett

Originalausgabe erschienen 1924 unter dem Titel A Man in the Zoo, deutsche Ausgabe erstmals 1952 bei Rowohlt.

Bibliographische Angaben

  • London: Chatto & Windus, 1924 unter dem Titel A Man in the Zoo.141 Seiten.
  • Hamburg: Rowohlt, 1952 Meine Frau die Füchsin und Der Mann im Zoo - 2 Erzählungen.Übersetzt von Hans Reisiger ; Maria von Schweinitz.141 Seiten.
  • Zürich: Dörlemann, 2017.Übersetzt von Maria Hummitzsch.ISBN: 978-3038200406.160 Seiten.

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In Kürze:

John Cromartie besucht mit seiner Freundin Josephine Lackett den Zoologischen Garten, dabei kommt es zu einem Streit. Josephine hält John seine »atavistischen Ansichten« vor und meint, er gehöre selber in den Londoner Zoo.
Gesagt, getan: Kurzerhand schreibt Cromartie einen Brief an die Zoo-Direktion, seiner Bitte wird entsprochen und er zieht bald darauf in einen geräumigen Käfig im Affenhaus. Seine beiden Nachbarn, ein Schimpanse und ein Orang- Utan, sind alles andere als begeistert und würden den neuen Mitbewohner, vor dessen Käfig die Leute in langen Schlangen stehen, vor lauter Eifersucht am liebsten in der Luft zerreißen …

Das meint Belletristik-Couch.de: »Der Mann als Zootier«85Treffer

Rezension von Kathrin Plett

In den Zoo zu gehen heißt für viele, fremde oder exotische Tiere in echt zu sehen und beobachten zu können. Anstatt nach Afrika, Asien, Australien oder Amerika reisen zu müssen, um eventuell einen Blick auf einen Koala, eine Giraffe oder einen Panda werfen zu können, kommt man auf einem bequemen Rundweg an all den spannenden Spezies vorbei, kann auf einem Schild die Maße und Lebensgewohnheiten ablesen und das Tier beim Fressen, Schlafen oder Spielen beobachten. Wie sich die Tiere dabei fühlen, blenden die meisten aus. Klar kann es sein, dass sie es nicht anders kennen, sie alles haben, was sie zum Leben benötigen, doch wie sie die Anstarrerei auf Dauer finden, bleibt unklar. Als Mensch möchte man das wohl lieber nicht ausprobieren, allein die Vorstellung reicht, um sich eindeutig dagegen zu entscheiden. Doch was wäre, wenn sich doch ein Freiwilliger finden würde?

John Cromarties Beziehung zu seiner Freundin Josephine Lackett ist nicht mehr wie sie einmal war. Ständig kommt es zu Streit, auch an jenem Tag, als er gemeinsam mit ihr den Zoologischen Garten besucht, kommt es zu einer Auseinandersetzung. Josephine hält John seine »atavistischen Ansichten« vor, was so viel heißt wie, dass seine Ansichten denen entfernter stammesgeschichtlicher Vorfahren ähneln würden, die jedoch schon bei den unmittelbaren Vorfahren reduziert wurden, da sie für die gegenwärtige Entwicklungsstufe keinerlei Funktion mehr hatten.

Aus diesem Grund gehöre er selbst als Tier in den Zoo um sich dort begaffen zu lassen. Nach kurzem Nachdenken entschließt sich Cromartie, diesen Vorschlag in die Tat umzusetzen und schreibt einen Brief an die Zoo-Direktion, in dem er um seine Aufnahme bittet und schon kurze Zeit später kann er in einen geräumigen Käfig im Affenhaus ziehen. Seine beiden Nachbarn, ein Schimpanse und ein Orang-Utan, sind alles andere als begeistert und würden den neuen Mitbewohner, vor dessen Käfig die Leute in langen Schlangen stehen, vor lauter Eifersucht am liebsten in der Luft zerreißen …

David Garnett wurde am 9. März 1892 in Brighton geboren, war Schriftsteller, Buchhändler, Verleger, Kritiker und Mitglied der »Bloomsberries«. Dame zu Fuchs (1922) war der erste Roman, den David Garnett unter eigenem Namen veröffentlichte. Er erhielt dafür mehrere Preise. In zweiter Ehe war er mit Angelica Bell verheiratet, der Tochter seiner Freunde aus der Bloomsbury-Gruppe, den Malern Vanessa Bell und Duncan Grant, mit denen er eine Zeit lang in Charleston Farmhouse zusammengelebt hatte. David Garnett verstarb am 17. Februar 1981.

Mit der Neuübersetzung von Mann im Zoo hat der Dörlemann-Verlag einen zeitlosen Roman wieder neu ins Licht gerückt. Ohne das Wissen, dass der Roman bereits aus dem Jahr 1924 stammt, würde wohl kaum jemand auf die Idee kommen, eine fast hundert Jahre alte Geschichte zu lesen, so zeitlos ist doch das Thema. Garnett beginnt zunächst mit einer typischen Beziehungsgeschichte, wie sie wohl auch in der Gegenwart immer wieder stattfindet. Mann und Frau machen einen Sonntagsausflug, in der Beziehung kriselt es, einer ist nicht ganz zufrieden und macht dem anderen Vorwürfe und unterstellt ihm, dass keine gemeinsame Basis für eine Beziehung vorhanden sei. Die Autor beschreibt das Leben seines Protagonisten dort, wo er zwischen Affen einen Käfig bezogen hat und fortan die Attraktion des Zoos ist.

Sprachlich hat Garnett, bzw. Maria Hummitzsch als Übersetzerin, die richtigen Worte getroffen, die man einem so ehrlichen und demütigen Charakter wie John Cromartie zuordnen würde. Höflich und mit gehobenen Ausdruck reflektiert er über die Menschen, die Tiere im Zoo und seine Beziehung zu Josephine, die er doch mehr vermisst, als er zunächst dachte. Er hat schließlich auch viel Zeit, über die Zukunft und seine Liebe nachzudenken. Ob es ein Happy End geben kann, wo er sich doch lebenslang für den Zoo entschieden hat, sei an dieser Stelle offen gelassen!

Alles in allem ein lesenswerter und gelungener Roman, der in seiner Neuübersetzung vollkommen überzeugen kann!

Kathrin Plett, April 2017

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