Ewig Dein von Daniel Glattauer

Buchvorstellung und Rezension

Ewig Dein von Daniel Glattauer Ewig Dein von Daniel Glattauer

Originalausgabe erschienen 2012 bei Deuticke.

Bibliographische Angaben

  • Wien: Deuticke, 2012. ISBN: 978-3-552-06181-1. 208 Seiten.
  • [Hörbuch] Hamburg: Hörbuch Hamburg, 2012. Gesprochen von Andrea Sawatzki. ISBN: 3899033493. 4 CDs.

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In Kürze:

Im Supermarkt lernt Judith, Mitte dreißig und Single, Hannes kennen. Kurz darauf taucht er in dem edlen kleinen Lampengeschäft auf, das Judith, unterstützt von ihrem Lehrmädchen Bianca, führt. Hannes, Architekt, ledig und in den besten Jahren, ist nicht nur der Traum aller Schwiegermütter – auch Judiths Freunde sind restlos begeistert. Am Anfang empfindet Judith die Liebe, die er ihr entgegenbringt, als Genuss. Doch schon bald fühlt sie sich durch seine intensive Zuwendung erdrückt und eingesperrt. All ihre Versuche, ihn wieder aus ihrem Leben zu kriegen, scheitern – er verfolgt sie sogar bis in ihre Träume …

 

Das meint Belletristik-Couch.de: »Was ist Liebe, was ist Besessenheit?« 85Treffer

Rezension von Rita Dell´Agnese

Judith führt ein selbstbestimmtes Leben als Inhaberin eines kleinen Lampengeschäfts in Wien. Sie ist mit ihrem Single-Dasein weitgehend zufrieden, dennoch schmeicheln ihr die Aufmerksamkeiten des Architekten Hannes, den sie bei einem zufälligen Zusammenstoß im Supermarkt kennen lernt. Obwohl Judith gegenüber Hannes von Anfang an ein diffuses Gefühl von Beklemmung verspürt, lässt sie sich auf den gut aussehenden Mann ein, der von ihrem Freundeskreis bewundert wird. Je mehr sich Hannes in ihrem Leben breit macht, desto mehr fühlt sich Judith aber von ihm bedrängt. Sie versucht Distanz aufzubauen – doch Hannes lässt sie nicht in Ruhe. Er verfolgt sie auf subtile Weise.

Mit diesem Stalking-Roman beweist der Wiener Journalist und Autor Daniel Glattauer, dass er sich schriftstellerisch nicht in eine Ecke drängen lässt. Eben noch vom Erfolg seines Email-Romans »Gut gegen Nordwind« und dessen Nachfolgeroman »Alle sieben Wellen« überwältigt, macht er mit »Ewig Dein« eine klare Kehrtwendung und legt anstelle einer weiteren Liebesgeschichte einen Roman mit Thriller-Charakter vor. Hier kommt dem Autor seine Vergangenheit als Gerichtsreporter sehr entgegen. Er erzählt eine Geschichte, wie sie in einem Gerichtssaal verhandelt werden könnte: So unglaublich und doch so alltäglich! Der harmlose Einstieg in die vermeintliche Liebesgeschichte vermag aufmerksame Leser nicht zu täuschen: Schon vom ersten Moment des Zusammentreffens der beiden Protagonisten weg, vermag man die Gefahr zu spüren, die von Hannes ausgeht. Etwas, das die Leser mit Judith teilen. Denn die sensible Frau merkt sofort, dass mit Hannes etwas nicht ganz stimmt. Doch es gelingt ihr nicht, sich aus der Falle zu befreien, in die sie getappt ist.

Daniel Glattauer greift in »Ewig Dein« ein aktuelles Thema auf, das von der Gesellschaft allerdings nur bedingt wahrgenommen wird. Denn – wie auch von Glattauer höchst gekonnt umgesetzt – die Grenze zwischen Aufmerksamkeit und Aufdringlichkeit, zwischen Umwerben und Stalking ist oft fließend. Und wer stalkt tut dies oft so subtil, dass er damit nach öffentlicher Meinung nichts Unrechtes tut – eine Situation, die durch die oftmals herrschende Handlungsunfähigkeit der Gesetzesvertreter zusätzliche Brisanz erhält. Stalking lässt sich nicht immer beweisen und kann doch so erstickend sein, dass er der betroffenen Person die Luft zum Atmen nimmt. Auch die zuvor recht selbstbewusste Judith kann sich aus diesem Netz nicht ohne weiteres befreien.

Während Glattauer die Ausrichtung seiner Geschichte stark veränderte, ist er mehreren sprachlichen Elementen treu geblieben, die seine bisherigen Romane kennzeichnen. So spielt er über ganze Strecken hinweg mit der direkten Rede, lässt kurze Sätze – nur eingeleitet vom Name und Doppelpunkt -  in einem Stakkato-Rhythmus wirken und verleiht den Dialogen dadurch erhebliches Tempo. Dies aber nur streckenweise, so dass sich die erzählenden Elemente gegenüber der Dialogform durchaus behaupten können. Man muss sich an Glattauers Sprachrhythmus zuerst gewöhnen, will man nicht über den ungewöhnlichen Mix stolpern. Wer sich aber einmal damit vertraut gemacht hat, wird dieses Stilelement zu schätzen wissen.

»Ewig Dein« ist ein solider, intensiver und aktueller Thriller, der den Autor Daniel Glattauer von der Ebene des lockeren Liebesroman-Schreibers auf die Ebene eines ausgezeichneten Beobachters von psychischen Abgründen schiebt, der es hervorragend versteht, die kleinen Alltäglichkeiten gleichermaßen wie die großen Ungeheuerlichkeiten sprachlich umzusetzen. Der neue Roman hat keinerlei Anknüpfungspunkte zum Erfolgsroman »Gut gegen Nordwind« und das ist auch gut so. Denn »Ewig Dein« verdient es, als eigenständiges Werk wahr- und ernst genommen zu werden.

Rita Dell´Agnese, Februar 2012

 

 

Ihre Meinung zu »Daniel Glattauer: Ewig Dein«

Mel.E zu »Daniel Glattauer: Ewig Dein« 22.04.2012
Rosen ohne Dornen
Nachdem ich "Gut gegen Nordwind / Alle sieben Wellen" gelesen habe, war ich total scharf auf den neuen Glattauer und total glücklich das Buch gewonnen zu haben. Ich habe ein ähnliches Knistern und Kribbeln erwartet, aber "Ewig dein" ist ganz anders, dadurch aber nicht schlechter, nur recht düster und gruseliger als die anderen Bücher. Ich war sehr gefesselt von der Story und konnte das Buch nicht zur Seite legen ohne das Ende zu wissen. Es hat mich verwirrt, fasziniert und bis zum Ende hatte ich viele, viele Fragen, denn Hannes ist geschickt und führt nicht nur Judith an der Nase herum, sondern auch uns als Leser.

Wir finden hier neben einer Liebesgeschichte noch andere Genre und zwar Horror, Psycho und Krimi (wenn nicht noch mehr!). "Ewig dein" mit den anderen Büchern zu vergleichen wird nicht klappen, denn es ist einzigartig. Einzigartig gut! Obwohl die Stimmung im Buch eher düster ist, war da ein Kribbeln, ein Kribbeln vor echter Anspannung. Wie geht es mit Judith und Hannes weiter? Bleiben sie zusammen? Bildet sich Judith die Verfolgungen nur ein? Im Prinzip haben wir auch hier ein Ping - Pong - Match wie in "Gut gegen Nordwind / Alle sieben Wellen", obwohl da E-Mails hin und her geschrieben wurden. Hier geht es um Gefühle, die teilweise beängstigend sind und den Leser mitnehmen in ein echte Horrorgeschichte. Was eigentlich recht schön beginnt (nun ja, ich möchte meinen Traummann nicht kennenlernen indem er mir den schweren Einkaufskorb in die Fersen haut!) endet im Wahnsinn!

Welche Frau sehnt sich nicht nach einem Mann, der ihr die Sterne vom Himmel holt? Ihr Blumen mitbringt? Sie auf Händen trägt? Ehrlich gesagt verzichte ich auf all dieses gerne und bekomme dafür einen Mann, der mir auch gewisse Freiheiten lässt und mir nicht die Luft zum Atmen nimmt. Vielleicht bildet Judith sich dieses auch nur ein? Das Buch ist auf jedenfall auf seinen wenigen Seiten voller Emotionen und Nervenkitzel, das ich es auf jeden Fall weiterempfehlen kann und auch muss, denn mich hat der Roman überzeugt!

Echte Leseempfehlung von mir
subechto zu »Daniel Glattauer: Ewig Dein« 05.03.2012
Der Stalker

Um es gleich vorwegzunehmen, die beiden LiRos von Daniel Glattauer habe ich nicht gelesen, da sie nicht meinem Beuteschema entsprechen. Erst als ich hörte, dass es sich bei "Ewig Dein" um einen Psychothriller handelt, habe ich es mir besorgt.

Worum geht es? Judith, 37, ledig und eine erfolgreiche Geschäftsfrau, lernt in einem Supermarkt den Architekten Hannes kennen, als der ihr in die Hacken tritt. Hannes betet Judith an. Das schmeichelt ihr, denn sie hat zwar Freunde, aber schon lange keinen Kerl mehr gehabt. Auch Freunde und Familie sind von Hannes begeistert. Doch auf einer Reise nach Venedig wird ihr klar, sie liebt ihn nicht und macht Schluss.

Hannes will das nicht akzeptieren. Es folgt das volle Programm eines Stalkers: SMS, Anrufe, Rosen... bis Judith krank wird. Soweit alles schön und gut. Glattauers Sprache gefällt mir, eloquent und mit Wortwitz. Auch an seinen persönlichen Stil der direkten Rede könnte ich mich gewöhnen: Er: ... Sie: ...

Irgendwann wurde es mir allerdings zu viel: zu konstruiert, zu unglaubwürdig die Verwandlung von Judith, einer gestandenen, selbstbewussten Frau, in diese Verrückte. Lange hab ich mich gefragt, wer hier krank ist, Opfer oder Täter? Stand sogar kurz davor, das Buch abzubrechen.

Doch am Ende bekommt der Autor gerade noch einmal die Kurve und den Leser erwartet eine gelungene Überraschung. Mit Romantik hat "Ewig Dein" jedenfalls nichts zu tun! Ob den Fans von Herrn Glattauer dieser Genrewechsel gefällt? Ich find's gut.
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