Marlenes Geheimnis von Brigitte Riebe

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2017 unter dem Titel Marlenes Geheimnis, bei Diana Verlag.

Bibliographische Angaben

  • München: Diana Verlag, 2017 unter dem Titel Marlenes Geheimnis.432 Seiten.

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    Das meint Belletristik-Couch.de: Fesselndes Familienschicksal auf zwei Zeitebenen95Treffer

    Rezension von Alexandra Hopf

    Christiane Auberlin, genannt Nane, reist nach vielen Jahren wieder nach Rickenbach am Bodensee. Dort betreibt ihre Großmutter Eva mit ihrer Tochter Marlene eine florierende Schnapsbrennerei. Trauriger Anlass der Reise ist die Beerdigung der Oma. Früher hatte Nane immer ihre Ferien dort verbracht und sich bei der Großmutter, Tante Marlene und ihren Freunden dort sehr wohlgefühlt. Aber vor einigen Jahren gab es auf der Beerdigung des Großvaters Toni Streit zwischen Nanes Mutter, Vicky, und deren Schwester Marlene. Seitdem ist sie nicht mehr in Rickenbach gewesen.

    Nane plagt das schlechte Gewissen, die geliebte Großmutter nicht mehr gesehen zu haben. Ohnehin befindet sie sich selbst in einer verzwickten Lebenssituation. Wegen ihres Jobs als Vertreterin in der Pharmaindustrie steht sie nahe am Burnout. Gemeinsam mit ihrer Mutter und einer verletzten Hündin, die sie unterwegs aufgesammelt hat, trifft sie in Rickenbach ein.

    Die Stimmung zwischen den ungleichen Schwestern ist sehr angespannt, deshalb reist Vicky direkt nach der Beerdigung wieder ab. Marlene händigt Nane einen Umschlag der Großmutter aus. Darin befindet sich als Vermächtnis an Nane, Evas Tagebuch. Aufgrund ihrer persönlichen Situation beschließt Nane, sich samt der Hündin Souki eine Auszeit zu nehmen und eine gewisse Zeit in Rickenbach zu bleiben. Sie trifft ihren alten Jugendfreund Simon Bentele. Das wiederum führt zu Spannungen mit Tante Marlene, denn die Familien Auberlin und Bentele sind schon seit Jahren im Streit. Doch die junge Generation weiß gar nicht, warum diese Spannungen zwischen den Familien existieren. Simons Großvater Hermann Bentele ist ebenfalls kürzlich verstorben. Er hat einige Kartons mit Schriftstücken hinterlassen. Simon bittet Nane, der er um der alten Freundschaft willen vertraut, ihm bei der Sichtung zu helfen und die junge Frau willigt ein.

    Während Nane versucht, sich über ihre weitere Zukunft klar zu werden, hilft sie der Tante etwas beim Tagesgeschäft der Schnapsbrennerei, da aktuell die Obsternte auf den Streuwiesen ansteht. In der freien Zeit beschäftigt sie sich mit der Lektüre des Tagebuchs von Eva. Erschüttert erfährt sie alles über die schwere Jugendzeit der Großmutter während und nach dem Zweiten Weltkrieg. Entsetzt und gleichzeitig gebannt liest sie von Evas erster großer Liebe zu dem jungen Tschechen Jan und der schlimmen Vertreibung der Familie aus ihrer Heimat, dem Sudetenland. Doch als sie dann beginnt, den Nachlass Hermann Benteles zu sichten, offenbart sich ihr, wie schicksalhaft die Vergangenheit der beiden Familien verwoben ist …

    Authentische Reise in die Vergangenheit

    Meisterhaft ist es der promovierten Historikerin Brigitte Riebe in ihrem Werk gelungen, die Neuzeit mit der Geschichte in der Vergangenheit zu verknüpfen. Alle Übergänge sind fließend und an interessanten Stellen eingebaut, sodass der Leser stets weiterlesen will, um zu erfahren, wie sich alles weiterentwickelt. Die Geschichte der Jetztzeit ist wie mitten aus dem täglichen Leben. Streitigkeiten unter Geschwistern oder mit Nachbarn, ein bisschen Liebe und das leider sehr aktuelle Thema Burnout vermitteln eine absolute Nähe. Denn jeder findet eine kleine Parallele zum eigenen Leben. Gerade aus diesem Grund liest sich die Geschichte sehr flüssig.

    Als Gegensatz dazu liest man die sehr realistische Darstellung des Lebens der Eva Menzel in der Zeit 1938 bis nach Ende des Zweiten Weltkrieges. Riebe ist es vorzüglich gelungen, dem Leser zu vermitteln, wie unbescholtene, gut situierte Menschen in die Mühlen der Nazis geraten sind. Die Schilderung der Ängste der Menschen vor Vertreibung, Trennung, Tod und dem Leben in den Zwangslagern, macht betroffen und nachdenklich.

    „Die Vergangenheit verlierst du nie“

    Zu all den gut recherchierten Details zum Thema „Vertreibung Deutscher aus dem Sudetenland“ gelingt es Frau Riebe außerdem, eine gehörige Portion Geheimnisse unterzubringen. Das Werk endet mit einem Paukenschlag und lässt einen verblüfften Leser zurück. Fast wirkt die Auflösung der Familiengeheimnisse am Ende etwas überstürzt und hätte gerne noch ein wenig ausgefeilt werden können.

    Überzeugende Charaktere

    Das Cover hat der Diana Verlag sehr treffend gewählt, da Hauptteile des Romans ja in Rückenbach am Bodensee spielen. Die Frage, welche junge Frau denn da auf dem Coverbild am See zu sehen ist, ist der Phantasie des Lesers überlassen.

    Die Darstellung der drei Hauptprotagonistinnen gelingt der Autorin sehr treffend. Da ist einmal Nane Auberlin, bei ihr laufen alle Fäden der Geschichte zusammen. Die junge Frau wirkt auf den Leser sympathisch und gleichzeitig menschlich, zeigt sie doch wie ständiger Erfolgsdruck und auch Versagensängste krank machen können.

    Die verstorbene Eva Menzel führt uns in die Zeit des Zweiten Weltkrieges. Sie zeigt dem Leser, welch schlimme Zeit unsere Vorfahren in Kriegszeiten durchmachen mussten. Man ist von der Kraft und dem unbeugsamen Mut des jungen Mädchens schwer beeindruckt. Rundum ein tolle Persönlichkeit.

    Marlene Auberlin wirkt zunächst sehr verbittert und auch unsympathisch. Doch im Verlauf der Geschichte von Eva und Leni wird uns bewusst, was sie wohl in jungen Jahren alles durchgemacht hat. Mit diesem Wissen ändert man dann doch seine Meinung und hat auch vor dieser Frau und ihren Leistungen einen gewissen Respekt.

    Der Schreibstil der Autorin ist fließend und beeindruckend. Es gelingt ihr, die Gefühle auf den Punkt zu bringen. Brigitte Riebe liefert mit „Marlenes Geheimnis“ einen in sich absolut stimmigen Roman. Ausgewogen berichtet sie vom Schicksal der Heimatvertriebenen, den fesselnden Familiengeschichten oder auch von den interessanten Details rund um die Schnapsbrennerei. Wirklich ein beeindruckendes Buch, welches man gelesen haben sollte.

    Alexandra Hopf, Dezember 2017

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